KEYaccount: Herr Berger, Ihre beiden Söhne arbeiten bereits im Unternehmen. Wer ist im Unternehmen für welche Bereiche verantwortlich?
Thomas Berger: Ich kümmere mich vor allem um die Produktion. Nach der Handelsakademie habe ich eine Fleischerlehre gemacht und anschließend den Meister abgeschlossen. Heute bin ich für die Produktionsbereiche verantwortlich.
Martin Berger: Ich bin für Export und Vertrieb zuständig. Nach meinem Studium und einigen Jahren im Ausland bin ich seit 2024 wieder im Unternehmen und betreue unsere Exportkunden sowie Vertriebsthemen.
KEYaccount: Wie konkret sind die Pläne für einen Generationenwechsel bei Berger?
Rudolf Berger: Die Vorbereitung läuft bereits seit einiger Zeit. In der Familie beschäftigen wir uns intensiv mit der Übergabe und haben uns auch mit Fachleuten zusammengesetzt. Die rechtlichen Schritte werden derzeit vorbereitet. Es ist also ein Prozess, der bereits weit gediehen ist und in den nächsten Jahren umgesetzt werden soll.
KEYaccount: Wie hat sich das vergangene Geschäftsjahr für Berger entwickelt?
Rudolf Berger: Nach dem Jahr 2024 war 2025 für uns vergleichsweise ruhig. 2024 war für uns ein Katastrophenjahr mit einem Brand und Hochwasser. 2025 war dagegen ein Jahr mit den üblichen Herausforderungen eines normalen Geschäftsbetriebs. Wir konnten uns wieder stärker auf Qualität und Konsolidierung konzentrieren.
KEYaccount: Wie beurteilen Sie derzeit die Situation der österreichischen Fleischbranche?
Rudolf Berger: Es gibt natürlich Herausforderungen. Energie- und Personalkosten sind gestiegen und der Markt verändert sich.
Martin Berger: Gleichzeitig zeigt sich aber auch eine gewisse Stabilität. In Österreich sind keine großen Marktteilnehmer verschwunden. Wenn man nach Deutschland blickt, sieht man, dass dort deutlich mehr Bewegung im Markt ist.
KEYaccount: Der Lebensmittelhandel ist stark konzentriert. Erst vor wenigen Monaten hat mit Unimarkt ein weiterer kleinerer Händler aufgeben müssen. Welche Auswirkungen hat das für einen Markenartikler wie Berger?
Rudolf Berger: Der Druck ist grundsätzlich da und das schon seit vielen Jahren. Wir haben aber ein gutes Verhältnis zu unseren Kunden. Handelspartnern.
Martin Berger: Eine Herausforderung sind natürlich die Eigenmarken des Handels. Diese stehen direkt neben der Marke im Regal und erhöhen den Wettbewerb.
KEYaccount: Welche Rolle spielen Eigenmarken in Ihrem Geschäft?
Rudolf Berger: Wir produzieren auch Eigenmarken, unser Fokus liegt aber klar auf der Marke Berger.
Martin Berger: Eigenmarken machen etwas mehr als zehn Prozent unseres Geschäfts aus. Rund 85 Prozent des Umsatzes erzielen wir mit unserer Marke.
KEYaccount: Berger ist vor allem für Schinken bekannt. Wie breit ist Ihr Sortiment darüber hinaus aufgestellt?
Rudolf Berger: Schinken ist natürlich unser Kernprodukt.
Thomas Berger: Gleichzeitig verarbeiten wir das ganze Tier. Deshalb haben wir neben Schinken auch ein starkes Geschäft mit Frischfleisch und Wurstwaren. Ein Vorteil ist unser direkter Draht zur Landwirtschaft. Rund ein Viertel unserer Rohstoffe kommt von eigenen Vertragslandwirten.Partnerlandwirten.
KEYaccount: Der Fleischkonsum wird häufig diskutiert. Welche Entwicklungen beobachten Sie hier?
Rudolf Berger: Der Fleischkonsum wächst nicht mehr, aber er bricht auch nicht ein.
Martin Berger: Wir sehen eher eine Seitwärtsbewegung. Gleichzeitig gibt es Trends, etwa hin zu mehr Geflügel oder zu pflanzlichen Alternativen.
Rudolf Berger: Wir produzieren selbst einige vegane Artikel, aber das ist für uns eine kleine Nische.
KEYaccount: Regionalität ist seit Jahren ein wichtiger Bestandteil Ihrer Positionierung. Wie wichtig ist dieses Thema heute für Konsument:innen?
Rudolf Berger: Regionalität ist ein zentraler Teil unserer Unternehmensgeschichte.
Martin Berger: Unsere Partnerlandwirte befinden sich meist im Umkreis von rund 60 Kilometern. Wir sehen, dass Konsument:innen bereit sind, für regionale Produkte mehr zu bezahlen, auch wenn der Preisdruck zuletzt gestiegen ist.
KEYaccount: Welche Trends sehen Sie sonst noch in der Branche?
Thomas Berger: Ein Thema ist etwa die Reduktion von Salz in Produkten. Konsument:innen achten stärker auf solche Aspekte.
Rudolf Berger: Gleichzeitig sehen wir, dass Klassiker weiterhin gefragt sind. Innovation bedeutet für uns oft, bestehende Produkte laufend zu verbessern.
KEYaccount: Tierwohl spielt ebenfalls eine immer größere Rolle. Welche Bedeutung hat dieses Thema für Berger?
Rudolf Berger: Tierwohl ist für uns schon seit vielen Jahren ein wichtiges Thema.
Martin Berger: Inzwischen ist Tierwohl im Markt angekommen und wird von mehreren Handelsketten aktiv vorangetrieben. Die Programme haben mittlerweile eine relevante Größe erreicht. Für uns ist das ein positiver Schritt, weil Tierwohl langfristig ein wichtiger Bestandteil der Fleischproduktion bleiben wird.
Rudolf Berger: Entscheidend wird aber sein, wie sich die Nachfrage entwickelt. Tierwohlprodukte sind aufwendiger in der Produktion und daher teurer. Der Markt wird zeigen, wie stark Konsument:innen diesen Weg dauerhaft mitgehen.
KEYaccount: Eine Frage an die Söhne: Welche Themen wollen Sie als nächste Generation besonders vorantreiben?
Martin Berger: Wir können auf einer starken Marke aufbauen. Wichtig wird sein, die Wertigkeit von Fleisch stärker zu kommunizieren. Viele Konsument:innen wissen gar nicht mehr, wie viel Arbeit und Wertschöpfung hinter einem Produkt steckt.
Thomas Berger: Aus Sicht der Produktion wird ein Thema immer wichtiger: Personal. Es wird künftig schwieriger werden, Mitarbeiter:innen zu finden. Deshalb müssen wir Prozesse weiter verbessern und ergonomischer gestalten.
KEYaccount: Welche Rolle spielt der Export für Berger?
Martin Berger: Der Exportanteil liegt bei etwa 15 bis 20 Prozent. Wir konzentrieren uns dabei auf unsere Nachbarländer und auf hochwertige Produkte.
KEYaccount: Wenn Sie auf die politischen Rahmenbedingungen blicken: Was müsste die Politik in Österreich aus Ihrer Sicht verbessern?
Rudolf Berger: Ein zentrales Thema sind die Lohnnebenkosten. Im internationalen Vergleich sind diese sehr hoch. Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, muss hier angesetzt werden.
KEYaccount: Herr Berger, noch eine persönliche Frage zum Schluss: Was planen Sie für die Zeit nach Ihrer aktiven Rolle im Unternehmen?
Rudolf Berger: Da mache ich mir keine Sorgen. Ich habe viele private Interessen. Ich spiele zum Beispiel sehr gerne Gitarre.
www.berger-schinken.at
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