Österreichs Medienmarkt ist im internationalen Vergleich zwar überschaubar, gilt in der Branche aber zunehmend als Beispiel dafür, wie Zusammenarbeit zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern funktionieren kann. Genau diese Synergien rückten nun kürzlich in Wien in den Fokus, als der globale CEO Summit der egta erstmals seit 2014 wieder in der Bundeshauptstadt stattfand. Dabei kamen am 28. und 29. Mai auf Einladung von ORF-Enterprise und RTL AdAlliance sowie in Zusammenarbeit mit ProSiebenSat.1 Puls 4, Red Bull Media House und RMS Austria rund 250 Top-Führungskräfte führender Medienvermarkter aus fünf Kontinenten zusammen. Hinter dem Branchentreffen steht mit der egta ein globaler Verband, der 180 Medienvermarkter aus 40 Märkten und ein Umsatzvolumen von rund 200 Milliarden Euro bündelt.
Österreich als Vorzeigemarkt
Dass der Summit nach Wien zurückkehrte, war auch ein Signal an den heimischen Medienstandort. Kurz nach dem 70. Eurovision Song Contest, der rund 160 Millionen Zuseher:innen auf der ganzen Welt erreichte (LEADERSNET berichtete u. a. hier), stand die Bundeshauptstadt erneut im Blickfeld der internationalen Medienlandschaft. Während der Song Contest die Reichweite großer Live-Events sichtbar machte, zeigte der CEO Summit vor allem, welche Rolle Kooperationen zwischen Medienhäusern und Vermarktern künftig spielen können.
Österreich gilt dabei als relevanter Referenzmarkt. Ausschlaggebend ist unter anderem die Zusammenarbeit zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien, etwa beim Erwerb von Sportrechten oder bei gemeinsamen Live-Event-Formaten. Gerade diese Synergien wurden in Wien als ein möglicher Weg diskutiert, um etablierte Medienmarken im Wettbewerb mit globalen Plattformen zu stärken. Ein besonders konkretes Beispiel dafür ist die heimische Weltneuheit "TV-Load", die von österreichischen Broadcastern und ihren Vermarktern entwickelt und lanciert wurde (LEADERSNET berichtete). Die Technologie ermöglicht es, Werbeblöcke dynamisch zu komponieren und TV-Spots auf Basis von Echtzeitdaten auszuspielen. Diese Daten werden von mehr als 1,1 Millionen HbbTV-Geräten übermittelt. Damit sollen Fernsehkampagnen stärker nach Logiken des Digitalmarkts funktionieren.
Starke Allianzen gegen globale Plattformen
Ausgehend von diesem Beispiel wurde in Wien auch die größere Branchenfrage diskutiert, wie etablierte Medienmarken im Wettbewerb mit globalen Plattformen bestehen können. Demnach müssten etablierte Medienmarken enger zusammenarbeiten, um sich gegenüber globalen Big-Tech-Unternehmen zu behaupten und neue Erlösmodelle zu schaffen.
"Nicht nur in Europa sind etablierte Medienmarken mit der Marktdominanz der globalen Plattformen konfrontiert. Rund um den Globus braucht es starke Allianzen zwischen Medienhäusern und ihren Vermarktern, um die Souveränität der Medienstandorte und das hohe journalistische Qualitätsniveau zu sichern", so Heinz Mosser (ORF-Enterprise), Vizepräsident und Vorstandsmitglied der egta.
"Die tektonischen Verschiebungen in der Medienlandschaft fordern die gesamte Branche", meint auch Elisabeth Frank von der RTL AdAlliance, und ergänzt: "Starke Allianzen zwischen Medienhäusern und ihren Vermarktern schaffen neue Möglichkeiten für Werbetreibende und Mehrwert für das Publikum. Sie tragen zur Finanzierung von Qualitätsjournalismus, Medienvielfalt und demokratischem Diskurs bei."
Radiomarkt als Beispiel für gelebte Kooperation
Ein weiteres Beispiel dafür, wie solche Allianzen in der Praxis funktionieren können, lieferte beim CEO Summit der österreichische Radiomarkt. In einer gemeinsamen Keynote präsentierten Heinz Mosser (ORF-Enterprise) und Mario Frühauf (RMS Austria), wie sich aus dem einstigen Gegeneinander zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Privatradios über die vergangenen Jahrzehnte ein kooperatives Miteinander entwickelt hat.
"Aus der anfänglichen Skepsis, die vor etwa 30 Jahren bei der Gründung der Privatradios zwischen jungen, inspirierten Radiomacher:innen und damaligen öffentlich-rechtlichen Monopolisten herrschte, ist eine starke und vertrauensvolle Kooperation gewachsen. Diesem starken Miteinander und vielen gemeinsamen Initiativen verdanken wir hierzulande eine sehr vielfältige und lebendige Radiolandschaft. Durch ein professionelles Miteinander auf Augenhöhe entwickeln die Privatsender und der ORF den rot-weiß-roten Radiomarkt erfolgreich gemeinsam weiter und bieten Werbetreibenden und dem Publikum Qualität und Angebotsvielfalt", so Mosser.
"Im Radiomarkt hat Österreich schon sehr früh gezeigt, dass konstruktives Miteinander die Basis ist, um Facettenreichtum und journalistische Qualität zu fördern. Radio ist durch seine Nähe zu den Hörer:innen und die starke Verankerung im Alltag identitätsstiftend. Durch den starken Kooperationswillen aller Partner konnte sich die österreichische Radiolandschaft erfolgreich gegen globale Mitbewerber in Stellung bringen", erklärte Frühauf.
Als Beispiele für diese Zusammenarbeit wurden unter anderem der Ausbau von DAB+, die Öffnung von ORF Sound für Privatsender, die Standortkampagne "Made in Austria – Made for Austria" sowie die gemeinsame Initiative "Werbewunder Radio" genannt. Zudem wollen ORF-Enterprise und RMS Austria Anfang Juni eine gemeinsame Werbeakzeptanzstudie präsentieren, die Werbetreibenden und Agenturen neue Einblicke in die Mediengattung Radio liefern soll.
Neuer egta-Präsident
Im Rahmen des CEO Summit kam es auch noch zu einer personellen Übergabe an der Spitze der globalen Interessenvertretung. Stéphane Coruble, CEO der RTL AdAlliance, übernimmt die Präsidentschaft der egta von Laurent Bliaut von TF1 Pub.
Namhafte Gäste
Zu den zahlreich erschienenen internationalen Branchenvertreter:innen zählten unter anderem John Block (Syllepsis), Johan Boserup (Omnicom Media), Cécile Chambaudrie (NRJ Global), Andreas Cieslar (Donau Versicherung), Nigel Clarkson (Adwanted UK), Frederik Dooms (Makai), Anne-Laure Dreyfus-Coutinho (egta), Corinna Drumm (Verband Österreichischer Privatsender), Mikael Ekelöf (TV4 Media), Jacqueline Freeman (Think TV New Zealand), Mario Frühauf (RMS Austria), Philippe Generali (Media Monitors), Ingrid Gogl (Austrian Airlines), Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 Puls 4), Rune Hafskjær (Viaplay Group), Simon Kilby (Bauer Media Group), Lukás Kubát (Prima Group), Rüdiger Landgraf (Kronehit), Justin Lebbot (The Other Lot), Thierry Mars (egta), Benjamin Masse (Agentic Advertising), Guido Modenbach (Seven.One Media), Fabrice Mollier (Canal+ Brand Solution), Valerie Morfitis (Ads & Data), Simon Peel (The Other Lot), Luca Poggi (RAI Pubblicità), Marion Ranchet (Streaming Made Easy), Charlotte Scaddan (Vereinte Nationen), Christian Schalt (RTL Radio Deutschland), Lukas Scharmbacher (Servus Media), Matthias Seiringer (ORF-Enterprise), Jason Spencer (ITV), Alex Thore (VAR), Jorsi van der Pol (Talpa Media), Fernando Pino Velázquez (Atresmedia Publicidad), Stefanie Winkler-Schloffer (A1), Bernhard Albrecht (ProSiebenSat.1 Puls 4), Claudia Ostermann-Schabata (RTL AdAlliance) und Marlene Beran (Servus Media).
www.egta.com
www.enterprise.orf.at
www.rtl-adalliance.at
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