Vertrauen als Wirtschaftsfaktor
Warum zwei von drei Unternehmen nach fünf Jahren scheitern

| Tobias Seifried 
| 04.06.2026

Laut Statistik Austria übersteht nur ein Drittel der neu gegründeten Betriebe die ersten fünf Jahre. Ein neuer Strategie-Guide zeigt nun, was erfolgreiche Firmen anders machen.

Während Betriebe massiv in Künstliche Intelligenz, Transformation und Schulungsprogramme investieren, bleibt ein wesentlicher Erfolgsfaktor oft unberücksichtigt: das Vertrauen. Laut dem neuen Strategie-Guide von Great Place To Work (GPTW) Österreich entscheidet sich jedoch hier, welche Organisationen unter Druck geraten und welche langfristig wachsen können. Die wirtschaftliche Realität unterstreiche diesen Handlungsbedarf. Daten der Statistik Austria belegen, dass lediglich rund ein Drittel der neu gegründeten Unternehmen nach fünf Jahren noch am Markt besteht. Analysen zeigen parallel dazu, dass Betriebe mit einer ausgeprägten Vertrauenskultur wirtschaftlich stabiler, agiler und produktiver agieren, heißt es von GPTW.

Vertrauen als zentraler Wirtschaftsfaktor

Der Strategie-Guide "Vertrauen – Wie es Wachstum antreibt, indem es Agilität, Produktivität und Innovation freisetzt" verdeutliche, dass nicht die Technologie allein über die Wettbewerbsfähigkeit entscheidet. Vielmehr komme es demnach auf die Fähigkeit an, Vertrauen in der Organisation aufzubauen. Im Guide wird betont: "Wenn Unternehmen Vertrauen zu ihren Mitarbeitenden aufbauen, entstehen leistungsstarke Arbeitsplätze, die den Markt bei nahezu allen zentralen Geschäftskennzahlen übertreffen".

Jörg Spreitzer, Managing Partner von GPTW Österreich, hebt die ökonomische Relevanz hervor: "Unternehmenskultur wird noch immer häufig als HR-Thema betrachtet. Tatsächlich ist sie ein zentraler Wirtschaftsfaktor. Unsere Analysen zeigen: Vertrauenskultur beeinflusst Produktivität, Innovationskraft und wirtschaftliche Performance unmittelbar."

Messbarer Vorsprung und Resilienz

Ergebnisse der zugrundeliegenden Crif-Analyse untermauerten diesen Business Case: Zertifizierte Unternehmen von Great Place To Work sind demnach um bis zu acht Prozent wirtschaftlich stabiler als der österreichische Durchschnitt. Bei den als "Best Workplaces Austria" ausgezeichneten Betrieben (LEADERSNET berichtete) zeigten sich signifikante Unterschiede in der Belegschaft. Dort erklären 85 Prozent der Mitarbeiter:innen, zu zusätzlichem Einsatz bereit zu sein, während dies in Durchschnittsunternehmen nur auf 56 Prozent zutrifft. Zudem erfahren 85 Prozent der Beschäftigten in den Top-Unternehmen Wertschätzung und Anerkennung für ihre Arbeit – im Vergleich zu lediglich 52 Prozent im Durchschnitt.

Ein hohes Vertrauensniveau führt laut den Daten zu höheren Umsätzen pro Mitarbeiter:in, einer stärkeren Innovationskraft und gesteigerter Produktivität. Für das Management fungiert Vertrauen damit als messbarer Frühindikator für Resilienz. Im Guide wird es als "Frühwarnsystem" beschrieben, das rechtzeitiges Gegensteuern ermöglicht, bevor das Engagement oder die Geschäftsergebnisse einbrechen.

Grenzen der reinen KI-Transformation

In Zeiten von KI-Transformation und steigendem Marktdruck gewinne dieser Aspekt an Bedeutung. Trotz hoher Investitionen würden sich viele Betriebe zu langsam bewegen. Studien von Aon und McKinsey verdeutlichen, dass Führungskräfte eine mangelnde Agilität und die schleppende KI-Einführung als zentrale Herausforderungen wahrnehmen. Die Ursache liege laut dem Guide jedoch selten an fehlender Technologie, sondern an Reibungsverlusten, Unsicherheiten und einer mangelnden psychologischen Sicherheit.

"Mehr Vertrauen schafft Agilität", wird als zentrale Erkenntnis festgehalten. Wenn Mitarbeiter:innen Veränderungen als nachvollziehbar erleben und aktiv eingebunden werden, treiben sie GPTW zufolge Innovationen auch dynamischer voran.

Praxisbeispiele aus Österreich und Download

Wie diese Kultur in der Praxis Wachstum ermögliche, illustrieren mehrere österreichische Unternehmensbeispiele (siehe Infobox).

Der kostenlose Strategie-Guide (hier geht es zum Download) bietet neben den Forschungsdaten laut GPTW auch einen praxisnahen Action Guide mit konkreten Führungsverhaltensweisen für Geschäftsführungen, HR-Verantwortliche und Führungskräfte.

www.greatplacetowork.at

Praxisbeispiele aus Österreich

  • Die Agentur Kesch verzeichnet laut eigenen Angaben durch Transparenz, Einbindung und vertrauensbasierte Führung profitables Wachstum im herausfordernden Marktumfeld – ohne betriebsbedingte Kündigungen seit der Gründung.

  • Das Ingenieurunternehmen ILF setzt bei internationalen Infrastrukturprojekten auf Vertrauen als Basis für Eigenverantwortung und schnellere Entscheidungen. Demnach bestätigen dort 92 Prozent der Angestellten, dass das Management darauf vertraut, dass die Arbeit ohne übertriebene Kontrolle erledigt wird.

  • Hilti Austria will Innovationskraft mit einer Kultur aus Mut und Beteiligung verknüpfen, in der Mitarbeiter:innen gezielt dazu ermutigt werden, den Status quo zu hinterfragen.

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Praxisbeispiele aus Österreich

  • Die Agentur Kesch verzeichnet laut eigenen Angaben durch Transparenz, Einbindung und vertrauensbasierte Führung profitables Wachstum im herausfordernden Marktumfeld – ohne betriebsbedingte Kündigungen seit der Gründung.

  • Das Ingenieurunternehmen ILF setzt bei internationalen Infrastrukturprojekten auf Vertrauen als Basis für Eigenverantwortung und schnellere Entscheidungen. Demnach bestätigen dort 92 Prozent der Angestellten, dass das Management darauf vertraut, dass die Arbeit ohne übertriebene Kontrolle erledigt wird.

  • Hilti Austria will Innovationskraft mit einer Kultur aus Mut und Beteiligung verknüpfen, in der Mitarbeiter:innen gezielt dazu ermutigt werden, den Status quo zu hinterfragen.

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