Fotos von der Tieto-Studienpräsentation
Was die KI-Transformation in Österreich bremst

| Tobias Seifried 
| 31.05.2026

Eine neue Studie zu Künstlicher Intelligenz zeigt, dass die heimische Wirtschaft bei der Nutzung der Technologie zögert. Demnach haben sie nur vier Prozent der Unternehmen voll in ihre Kernprozesse integriert.

Laut einer aktuellen Studie von TQS Research & Consulting im Auftrag von Tieto befindet sich die Mehrheit der heimischen Führungskräfte beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) noch in der Pilot- oder Experimentierphase. Zwar befürchten 61 Prozent der 100 befragten KI-Verantwortlichen und Führungskräfte in österreichischen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden verpasste Chancen bei Effizienz und Innovation, dennoch haben bislang erst vier Prozent der Betriebe KI vollständig in ihre Kernprozesse integriert. Nur acht Prozent planen dem Tech-Consulting-Dienstleister zufolge derzeit, sich zu solchen KI-Vorreitern zu wandeln.

Im Vergleich zu Deutschland zeigten sich deutliche Unterschiede, so die Studienautor:innen. Während in Österreich nur 27 Prozent der Unternehmen die KI-Integration in Kernprozesse als sehr weit oder weit fortgeschritten ansehen, sind es in Deutschland 77 Prozent. Zudem gibt jede vierte heimische Führungskraft (26 Prozent) an, dass KI in keinem Bereich positive Ergebnisse oder Wettbewerbsvorteile generiert habe – in Deutschland liegt dieser Wert bei lediglich einem Prozent.

Herausforderungen im Datenbereich und bei der Expertise

Als größte Hemmnisse der KI-Transformation nennen 50 Prozent der Befragten rechtliche Aspekte wie den Datenschutz, gefolgt von Datensicherheit und Cybersicherheit mit 46 Prozent. 21 Prozent sehen Hürden bei der Datenverfügbarkeit und -qualität. Dies führt dazu, dass 44 Prozent der Befragten der Korrektheit KI-generierter Ergebnisse derzeit misstrauen. Neben technologischen Hürden orten 29 Prozent einen Mangel an fachlicher Expertise und 22 Prozent beklagen ein fehlendes Change & Adoption Management.

Positive Effekte verzeichnet der KI-Einsatz hierzulande vor allem im Wissensmanagement und der internen Informationssuche (38 Prozent) sowie bei der Effizienzsteigerung (30 Prozent). Geringer ist der Nutzen bei der datengetriebenen Entscheidungsfindung (11 Prozent) sowie der Innovations- und Geschäftsmodellentwicklung (10 Prozent).

Statements der Partnerunternehmen

"Wir erleben aktuell einen entscheidenden Wendepunkt: KI verändert nicht nur Effizienz, sondern wie Wertschöpfung grundlegend entsteht", so Hermann Erlach, General Manager von Microsoft Österreich. Laut Microsoft-Daten nutze bereits mehr als jede dritte Person in Österreich KI. Entscheidend sei nun, diese Dynamik konsequent und verantwortungsvoll in Wertschöpfung zu übersetzen, indem Unternehmen KI in ihre Kernprozesse integrieren und zum strategischen Rückgrat ihrer Geschäftsmodelle machen.

Robert Kaup, Geschäftsführer von Tieto Österreich, erklärte, dass saubere Daten, integrierte Datenplattformen, eine klare Cloud-Strategie sowie Security und Compliance by Design ein Muss für eine erfolgreiche KI-Integration seien. Viele fortgeschrittene Fähigkeiten seien nur in Cloud-Umgebungen verfügbar. Zudem betonte er, dass die größten Hebel trotz aller Technologie die strategische Verankerung in der Organisation und das Skilling seien. Tieto unterstütze die Führungsebene daher auch mit Schulungen für Mitarbeiter:innen.

SAP-Österreich-Chef Andreas Wagner betonte, dass viele Unternehmen das volle Potenzial von KI als datengetriebener Motor der Innovation und Wettbewerbsfähigkeit noch nicht ausgeschöpft hätten. Es sei nun entscheidend, rasch vom "proof of concept" zum "proof of value" zu kommen und KI dort einzusetzen, wo sie einen messbaren Mehrwert zur Wertschöpfung leiste. Als nächstes Level müsse man Unternehmen fit für die beginnende Revolution der KI-Agenten machen, welche ganze Prozessketten autonom ausführen.

Praxisbeispiel aus der Industrie

Tieto verbindet als Partner von Microsoft und SAP die Technologien beider Anbieter. Als Anwendungsbeispiel wird das oberösterreichische Industrieunternehmen Greiner angeführt. Der Kunststoff- und Schaumstoffhersteller wickelt von jährlich rund 240.000 manuell erfassten Bestellungen künftig mindestens 50 Prozent mittels KI-Automatisierung ab. Dabei liest das "Microsoft Document Intelligence Studio" PDF-Bestellungen aus, überträgt die Daten in die Azure Cloud und erstellt die Aufträge über eine direkte Schnittstelle automatisch im SAP-ERP-System. Laut Kaup zeige dies, wie sich repetitive Prozesse schnell automatisieren lassen, um den manuellen Arbeitsaufwand zu senken und Kosteneinsparungen zu erzielen.

LEADERSNET war bei der Studienpräsentation. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.tieto.com

www.microsoft.com

www.sap.com

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