Laut aktueller Studie
Menschen sprechen jedes Jahr täglich um 338 Wörter weniger

| Larissa Bilovits 
| 07.04.2026

Durch Chats, Social Media und digitale Dauerkommunikation geraten persönliche Gespräche im Alltag zunehmend in den Hintergrund. Eine aktuelle Studie legt nun nahe, dass die Zahl der täglich gesprochenen Wörter seit 2005 kontinuierlich sinkt.

In Zeiten von Social Media, Chats und permanenter digitaler Kommunikation scheint das persönliche Gespräch zunehmend an Bedeutung zu verlieren. Dass sich dieser Wandel offenbar auch messbar im Alltag niederschlägt, zeigt nun eine Untersuchung der University of Arizona, wonach Menschen seit mindestens eineinhalb Jahrzehnten von Jahr zu Jahr weniger Wörter sprechen.

Auswertung von 22 Studien über einen Zeitraum von 14 Jahren

Für ihre Analyse zogen die Forscher:innen 22 Einzelstudien heran, die zwischen 2005 und 2019 durchgeführt wurden und zusammen rund 2.200 Teilnehmer:innen umfassten. Wie Matthias Mehl von der University of Arizona erklärte, habe sich beim Abgleich der täglich gesprochenen Wörter mit dem jeweiligen Erhebungsjahr ein durchgängiger linearer Abwärtstrend gezeigt.

Demnach sank die geschätzte Zahl der pro Tag gesprochenen Wörter im Jahresvergleich im Schnitt um 338 Wörter. Das bedeutet, dass Menschen mit jedem Erhebungsjahr täglich um durchschnittlich 338 Wörter weniger sprachen als im Jahr davor. Lag der Wert 2005 noch bei rund 16.000 Wörtern pro Tag, waren es 2019 nur noch etwa 12.700. Auf ein ganzes Jahr gerechnet entspricht ein tägliches Minus von 338 Wörtern mehr als 120.000 gesprochenen Wörtern. Als zentraler Treiber dieser Entwicklung gilt laut Studie die zunehmende Verlagerung der Kommunikation in schriftliche digitale Kanäle, etwa über Smartphones und Messaging-Dienste.

Jüngere Erwachsene besonders stark betroffen

Deutlicher fiel der Rückgang den Angaben zufolge bei jungen Erwachsenen aus. In der Gruppe der Unter-25-Jährigen verringerte sich der tägliche Durchschnitt im Jahresvergleich um rund 452 Wörter. Bei Personen ab 25 Jahren lag dieser Rückgang bei 314 Wörtern pro Tag und Jahr. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung aber auch, dass ältere Erwachsene trotz des Rückgangs insgesamt weiterhin mehr sprechen als jüngere.

Wie Erstautorin Valeria Pfeifer von der ebenfalls beteiligten University of Missouri – Kansas City ausführt, seien vor allem viele kleine und beiläufige Gespräche im Alltag seltener geworden. Dazu zählten etwa das Nachfragen bei Kassierer:innen, das Bitten um Hilfe oder kurze Unterhaltungen mit Nachbar:innen. Mit diesen spontanen Begegnungen gingen auch Qualitäten verloren, die digitale Kommunikation nur eingeschränkt transportieren könne – etwa unmittelbare Präsenz, Tonfall und Spontaneität.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen.

www.arizona.edu

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