Im obersten Geschoß des SVS-Gebäudes in der Wiedner Hauptstraße in Wien gingen Ende Mai die dritten SVS Gipfelgespräche über die Bühne. Dabei diskutierten Vertreter:innen aus Sozialversicherung und Wissenschaft auf Einladung der Sozialversicherung der Selbständigen unter dem Motto "Wirtschaftskraft für soziale Sicherheit" über die Bedeutung von Selbstständigen für den österreichischen Sozialstaat. Im Mittelpunkt standen ihr Beitrag zur Finanzierung sozialer Sicherheit, die Motive für Unternehmensgründungen sowie die Rolle von Innovation und Eigenverantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Daran, dass Selbstständige für Österreich von großer und nach wie vor wachsender Bedeutung sind, steht außer Zweifel: Waren vor rund 20 Jahren noch etwa 760.000 Personen bei der SVS versichert, liegt ihre Zahl heute bei rund 1,3 Millionen – Tendenz steigend. Diese Entwicklung hat natürlich auch Auswirkungen auf die Finanzierung und Stabilität des österreichischen Sozialsystems.
Selbstständige als Träger von Verantwortung
Peter Lehner, Obmann der Sozialversicherung der Selbständigen, betonte im Rahmen der Gipfelgespräche die vielfältige Rolle von Selbstständigen für Gesellschaft und Wirtschaft. "Selbstständige leisten einen unglaublich großen Beitrag. Einerseits, indem sie in die Sozialsysteme einzahlen, andererseits aber auch, weil sie Verantwortung übernehmen – für sich selbst, für ihre Familien, für die Gesellschaft und vielfach auch für ihre Mitarbeiter."
Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte wertete Lehner als positives Signal für den Wirtschaftsstandort Österreich. "Heute stehen wir bei 1,3 Millionen Versicherten. Das zeigt, dass es in Österreich modern ist, selbstständig zu sein, Verantwortung zu übernehmen und eigene Ideen umzusetzen sowie auf den Markt zu bringen", so der SVS-Obmann zu LEADERSNET.tv.
Unterschiedliche Wege in die Selbstständigkeit
Mit den Beweggründen für Unternehmensgründungen beschäftigte sich Nikolaus Franke, wissenschaftlicher Leiter des Gründungszentrums der Wirtschaftsuniversität Wien. "Grundsätzlich lassen sich zwischen zwei Gruppen unterscheiden. Einerseits gibt es Personen, die aus wirtschaftlicher Notwendigkeit oder Erwerbsdruck herausgründen. Diese Form der Selbstständigkeit stärkt vor allem den Wettbewerb und fördert leistungsfähige Märkte", so Franke.
Andererseits seien es wachstumsorientierte Start-ups, die häufig auf Innovationen basierten und neue Produkte, Technologien oder Geschäftsmodelle hervorbrächten. Der Kern solcher Gründungen sei Franke zufolge meist etwas Neues, das bestehende Lösungen weiterentwickle oder gänzlich neue Märkte erschließe. Franke verwies zudem darauf, dass Gründer auf diesem Weg häufig eine hohe persönliche Zufriedenheit und ein starkes Gefühl der Erfüllung erleben würden.
Wesentlicher Beitrag zum Sozialstaat
Den volkswirtschaftlichen Blick auf die Bedeutung der Selbstständigen lieferte EcoAustria-Direktorin Monika Köppl-Turyna. Sie verwies darauf, dass ein erheblicher Teil der Finanzierung des österreichischen Sozialschutzsystems direkt oder indirekt von Arbeitgeber:innen getragen werde. Darunter würden auch die bei der SVS versicherten Selbstständigen einen bedeutenden Beitrag leisten.
Ferner seien Selbstständige wichtige Träger von Innovation und Wirtschaftswachstum. Ihre wirtschaftliche Tätigkeit stärke nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Österreich, sondern trage langfristig auch zur Finanzierung und Absicherung des Sozialstaates bei.
Wirtschaft als Motor sozialer Sicherheit
Auch SVS-Generaldirektor Alexander Biach hob die gesellschaftliche Bedeutung von Unternehmer:innen hervor. Selbstständige würden Arbeitsplätze schaffen, Menschen ausbilden und als Innovations- sowie Reformmotoren wirken. Darüber hinaus leisteten sie einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des österreichischen Sozialsystems und damit zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Im anschließenden Talk diskutierten Köppl-Turyna, Franke und Biach über die Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Dynamik und sozialer Sicherheit. Das Fazit der Gesprächsrunde: Ein leistungsfähiger Sozialstaat sei langfristig auf eine starke Wirtschaft, unternehmerische Initiative und innovationsgetriebene Wertschöpfung angewiesen.
Interview-Partner:innen
Neben Peter Lehner, Alexander Biach, Monika Köppl-Turyna und Nikolaus Franke holte LEADERSNET.tv auch Arne Johannsen, Wirtschaftsjournalist, Martina Rosenmayr-Khoshideh, Direktorin des Geschäftsbereichs Strategie & Interne Services der SVS, Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer OÖ und Obmann-Stellvertreter der SVS, Kasia Greco, Wiener Stadträtin, EPU-Expertin & Female-Empowerment-Leadership-Coach, sowie Andrea Kdolsky, Leitung der Planungsarbeiten Krebshilfezentrum "Maggie’s Centre" & Gesundheitsministerin a. D., vor die Kamera.
Fotos von den SVS Gipfelgesprächen 2026 sehen Sie in unserer Galerie.
www.svs.at
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