Fotos & Video von den Wiener Elektro Tagen
"Die E-Mobilität ist nicht Zukunft, sondern Gegenwart"

Mehr als 70.000 Besucher:innen kamen heuer zu den Wiener Elektro Tagen. Beim Expertentalk zeichneten hochrangige Branchenvertreter:innen ein überwiegend positives Bild der Elektromobilität in Österreich. LEADERSNET.tv fragte nach, wie die Mobilitätswende weiter beschleunigt werden kann.

Mit mehr als 70.000 Besucher:innen haben die Wiener Elektro Tage 2026 ihre Position als größte Veranstaltung rund um Elektromobilität in Österreich erneut unterstrichen. Von 29. bis 31. Mai präsentierten 20 Hersteller mehr als 60 Fahrzeuge am Wiener Rathausplatz, darunter zahlreiche Österreich-Premieren. Erstmals wurden die Neuheiten bei der offiziellen Eröffnung im Rahmen eines Catwalk-Konzepts auf der Hauptbühne vorgestellt (LEADERSNET berichtete). Beim im Anschluss veranstalteten Branchen-Talk im Burgtheater-Restaurant Vestibül diskutierten Branchenprofis über die aktuelle Entwicklung der Elektromobilität und die Herausforderungen der kommenden Jahre.

Für Thomas Beran, Leiter Porsche Media & Creative und Veranstalter der Wiener Elektro Tage, verdeutlicht die sechste Auflage die Dynamik der Branche. Mehr als 20 Marken, über 60 ausgestellte Modelle und eine Rekordzahl an Österreich-Premieren zeigten, wie rasch sich die Elektromobilität weiterentwickle. Das im Vorjahr überarbeitete Veranstaltungskonzept, bei dem vor allem die Aufnahme von Plug-in-Hybriden im Zentrum stand, habe sich bewährt. "Es freut uns sehr, dass die Wiener Elektro Tage 2026 damit erneut ihre Position als Österreichs Leitevent für E-Mobilität untermauern und verdeutlichen konnten, dass die Mobilitätswende längst in der breiten Öffentlichkeit angekommen ist", so Beran.

Standortbestimmung im Vestibül

Direkt im Anschluss an die offizielle Eröffnung setzte der erstmals abgehaltene Branchentalk im Vestibül des Burgtheaters einen inhaltlichen Schwerpunkt. Rund 90 Medien- und Branchenvertreter:innen verfolgten zunächst eine Bestandsaufnahme der Elektromobilität in Österreich durch Philipp Wieser, Leiter der OLÉ – Leitstelle für Elektromobilität im BMIMI. 

Wieser verwies in seinem Lagebericht auf mehrere Meilensteine, die im vergangenen Jahr erreicht wurden. So habe der Bestand an batterieelektrischen Pkw im Herbst 2025 die Marke von 250.000 Fahrzeugen überschritten. Gleichzeitig seien mittlerweile rund 500 batterieelektrische Busse sowie 500 schwere Elektro-Lkw auf Österreichs Straßen unterwegs. Bereits 2026 werde in diesen Bereichen mit einer Verdoppelung gerechnet.

Auch bei den Neuzulassungen sieht Wieser einen deutlichen Trend. Im April 2026 seien bereits 26 Prozent aller neu zugelassenen Pkw rein elektrisch unterwegs gewesen. Damit verfügt mittlerweile jedes vierte neu zugelassene Fahrzeug über einen Elektroantrieb. Besonders dynamisch habe sich zuletzt der Privatkundenmarkt entwickelt. Gleichzeitig gab Wieser zu bedenken, dass Österreich bei den Marktanteilen von Elektrofahrzeugen im europäischen Vergleich zuletzt an Boden verloren habe und nicht mehr zu den Top-10-Ländern zählt.

Vertrauen und Infrastruktur als Schlüsselfaktoren

In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Stefan Lenglinger (ORF), diskutierten Marcella Kral vom ÖAMTC, Christian Pesau von der Industriellenvereinigung, Markus Wildeis, Geschäftsführer der Stellantis Group Österreich, sowie Wolfgang Wurm, Geschäftsführer von Porsche Austria, über die nächsten Schritte der Mobilitätswende.

Für Marcella Kral steht die praktische Erfahrung weiterhin im Mittelpunkt. "Am besten ausprobieren", lautete ihre Antwort auf die LEADERSNET.tv-Frage, wie das Vertrauen der Nutzer:innen weiter gestärkt werden könne. Veranstaltungen wie die Wiener Elektro Tage ermöglichten, mit Konsument:innen direkt ins Gespräch zu kommen und bestehende Vorbehalte abzubauen.

Als besonders vielversprechende Entwicklung bezeichnete sie das bidirektionale Laden. Künftig könnten Haushalte mit einer Photovoltaikanlage und einem E-Auto den selbst erzeugten Strom nicht nur für das Fahrzeug nutzen, sondern diesen auch wieder zurück in das Haus oder ins Stromnetz einspeisen. Darüber hinaus sprach sich Kral für mehr Transparenz bei Ladetarifen und Roaming-Gebühren aus. Diese müssten für Konsument:innen einfacher nachvollziehbar werden.

Auch gebrauchte Elektrofahrzeuge würden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig zeige sich, dass Batterien deutlich langlebiger seien als noch vor einigen Jahren angenommen.

Forderung nach stabilen Rahmenbedingungen

Christian Pesau verwies auf die steigende Akzeptanz der Elektromobilität. In Österreich seien die Zulassungen im ersten Halbjahr um rund 25 Prozent gestiegen, in Deutschland und Frankreich sogar noch stärker. Um diesen Trend fortzusetzen, brauche es jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Planbarkeit sei sowohl für Unternehmen als auch für private Käufer:innen entscheidend. Neben einer besseren Preistransparenz an öffentlichen Ladesäulen müsse die Politik vor allem für stabile Rahmenbedingungen sorgen und das Vertrauen in die Elektromobilität langfristig absichern.

Leistbare Modelle als Wachstumstreiber

Einen wesentlichen Hebel für die weitere Verbreitung sieht Markus Wildeis in der zunehmenden Verfügbarkeit günstiger Elektrofahrzeuge. Die Elektromobilität sei bereits heute für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich. "Wir haben schon jetzt mehrere Angebote unter 20.000 Euro", sagte Wildeis. In den kommenden Jahren werde diese Entwicklung weiter an Dynamik gewinnen. Ziel sei es, die Preisgrenze von 15.000 Euro zu unterschreiten. Hier verwies er auf das für diesen Herbst angekündigte Comeback der legendären "Ente" (Citroën 2CV) als E-Auto, das ab 2027 für 15.000 Euro zu haben sein soll.

Die Wiener Elektro Tage bezeichnete der Stellantis-Manager als "Schaufenster der Transformation". Gleichzeitig plädierte er für faire Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller sowie für wettbewerbsfähige Energiepreise. Elektromobilität könne einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Resilienz und zur strategischen (Energie-)Unabhängigkeit Europas leisten.

Ladeinfrastruktur bleibt zentrale Herausforderung

Für Wolfgang Wurm zeigen die Gespräche mit E-Auto-Interessent:innen, dass sich die Fragestellungen rund um Elektromobilität zunehmend verändern. Während Interessierte vor allem Ladegeschwindigkeit und Reichweite thematisierten, gehe es zunehmend auch um praktische Fragen des Alltags. "Der Elektrofan fragt immer: Wie schnell lädt er? Der Elektroskeptiker fragt immer: Wie weit fährt er?", so Wurm zu LEADERSNET.tv. Besonders in Städten stelle sich für viele Menschen die Frage, wie sie ohne eigene Garage oder privaten Stellplatz laden können.

Hier sieht der Geschäftsführer von Porsche Austria vor allem die Politik gefordert. Als Beispiel nannte er die Niederlande, wo Ladepunkte deutlich stärker in die bestehende Infrastruktur integriert seien. Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur verwies auch er auf das Potenzial des bidirektionalen Ladens. Gleichzeitig sei die Elektromobilität ein zentraler Baustein, um die Klimaziele zu erreichen und hohe CO₂-Strafzahlungen zu vermeiden.

E-Mobilität als Gegenwartstechnologie

Trotz unterschiedlicher Schwerpunkte herrschte auf dem Podium weitgehend Einigkeit über die weitere Entwicklung des Marktes: "Die Elektromobilität ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern bereits Teil des Alltags". Steigende Privatkundenanteile, eine wachsende Modellvielfalt und sinkende Einstiegspreise würden dem Markt zusätzliches Momentum verleihen.

Damit wurde beim Branchen-Talk deutlich, dass die Transformation des Verkehrssektors zwar weiterhin Herausforderungen mit sich bringt, die Elektromobilität in Österreich jedoch zunehmend an Breite gewinnt – sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite.

Video-Interviews

Was Thomas Beran, Marcella Kral, Christian Pesau, Markus Wildeis und Wolfgang Wurm nach der Eröffnung und dem Branchen-Talk noch gesagt haben, sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.

Fotos von den Wiener Elektro Tagen 2026 sehen Sie in den Galerien hier (Eröffnung) und hier (Branchentalk).

www.wiener-elektrotage.at

www.porschemediacreative.com

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