Im vergangenen Jahr hat die heimische Schlichtungsstelle für Verbrauchergeschäfte, Verbraucherschlichtung Austria, einen deutlichen Ansturm erlebt: Mit rund 2.500 eingereichten Anträgen 2025 wurde ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt – dies markiert einen neuen Rekordwert. Der kräftige Zuwachs habe laut der Schlichtungsstelle wohl mehrere Ursachen: In wirtschaftlich angespannten Zeiten spielt vor allem der Kostenfaktor eine große Rolle, denn Schlichtungsverfahren sind für Konsument:innen kostenlos und es wird keine anwaltliche Vertretung benötigt. Zudem dauert es im Schnitt nur etwa einen Monat vom Antrag, der unkompliziert online und eingebracht werden kann, bis zum Abschluss des Verfahrens.
Handel und Dienstleistungen im Fokus
Auch 2025 entfiel der Großteil der Schlichtungsanträge erneut auf den Handel – allen voran auf den Elektro-, Bekleidungs-, Möbel- und Automobilbereich. Im Zentrum standen dabei vor allem Auseinandersetzungen rund um Gewährleistung, etwa bei defekten Produkten oder Leistungen, die nicht den Erwartungen entsprachen. An zweiter Stelle folgte der Dienstleistungssektor, insbesondere mit Fällen zu Mietwagen und Fitnessstudioverträgen, bei denen häufig strittige Kündigungen den Anlass für ein Verfahren bildeten. In vielen dieser Situationen konnte durch die Schlichtung eine Lösung erzielt werden, mit der beide Seiten gut leben konnten.
Wie vielfältig die Anliegen sind, zeigen konkrete Beispiele aus der Praxis: In einem Fall stellte ein beigezogener Sachverständiger klar, dass der Defekt eines Staubsaugers nicht auf unsachgemäße Nutzung, sondern auf einen Materialfehler zurückzuführen war – das Gerät wurde daraufhin kostenlos repariert. In einem anderen Verfahren konnte eine doppelte Abbuchung beim Kauf eines Mobiltelefons aufgeklärt werden. Und bei einem kaum wahrnehmbaren Lackschaden an einem Mietwagen erreichte die Schlichtungsstelle eine deutliche Reduktion der geforderten Summe, wobei die rasche Zahlung durch die Konsumentin auch für das Unternehmen eine zufriedenstellende Lösung darstellte. Darüber hinaus vermittelte die Schlichtungsstelle regelmäßig erfolgreich bei Streitigkeiten zu Heizkostenabrechnungen, Versicherungen, (Pauschal-)Reisen oder handwerklichen Leistungen.
Heimische Unternehmen zeigen sich kompromissbereit
Auch im Jahr 2025 blieb die Mitwirkungsbereitschaft der Unternehmen an den grundsätzlich freiwilligen Schlichtungsverfahren auf konstant hohem Niveau. In mehr als 80 Prozent der Fälle nahmen Betriebe aktiv am Verfahren teil, und in etwa zwei Dritteln aller Schlichtungen konnte eine Einigung erzielt werden. Betrachtet man nur jene Verfahren, in denen sich die Unternehmen tatsächlich beteiligten, stieg die Erfolgsquote sogar auf nahezu 80 Prozent.
Diese Ergebnisse verdeutlichten den hohen praktischen Mehrwert der außergerichtlichen Streitbeilegung für beide Seiten und zeigten, dass selbst bei verhärteten Fronten tragfähige und konstruktive Lösungen möglich sind, meint Simon Eder, Geschäftsführer und Schlichter bei der Verbraucherschlichtung Austria, und resümiert: "Der neuerliche Anstieg der Fallzahlen zeigt, dass Konsument:innen unser Angebot zunehmend als echten Mehrwert wahrnehmen. Gleichzeitig ist es sehr positiv, dass die große Mehrheit der Unternehmen weiterhin bereit ist, an fairen Lösungen mitzuwirken."
Fachliche Expertise als Schlüssel
Um solch faire Lösungen zu erzielen, griff die Schlichtungsstelle auch 2025 in ausgewählten Fällen auf externe Sachverständige zurück – immer dann, wenn technische oder fachliche Fragestellungen spezielles Know-how erforderten. In sämtlichen Verfahren, in denen diese Expertise eingebunden wurde, konnte am Ende eine einvernehmliche Lösung erreicht werden.
"Die Kombination aus juristischer Vermittlung und fachlicher Expertise erhöht die Chancen auf eine Einigung erheblich. Davon profitieren sowohl Konsument:innen als auch Unternehmen", betont Vereinsobmann Hermann Germ.
www.verbraucherschlichtung.at
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