Fotos von der Presseveranstaltung
Bierausstoß 2025 um 7,1 Prozent gesunken: Rückgang trifft gesamte Getränkebranche

| Wolfgang Zechner 
| 24.02.2026

Der österreichische Biermarkt hat im Vorjahr einen ungewöhnlich starken Rückgang verzeichnet. Insgesamt lag das Minus bei 7,1 Prozent. Doch nicht nur Bier, sondern nahezu alle Getränkesegmente entwickelten sich negativ. Die Branche setzt nun auf Zuversicht, alkoholfreie Alternativen und eine neue Gastro-Offensive.

Die Inlandsproduktion von Bier inklusive alkoholfreier Varianten lag 2025 bei 7,88 Millionen Hektolitern, ein Minus von 6,1 Prozent. Der Export sank um 12,4 Prozent auf 1,37 Millionen Hektoliter. Beim klassischen Bier ohne Alkoholfrei betrug der Rückgang im Inland 6,5 Prozent. Für Florian Berger, Geschäftsführer des Brauereiverbandes, ist entscheidend, dass es sich nicht um ein isoliertes Bierproblem handelt. "Wir haben keine abschließende Erklärung, warum der Getränkekonsum insgesamt so stark zurückgegangen ist", sagte Berger bei der Pressekonferenz in Wien. Auch Wein, Mineralwasser, Limonaden, Spirituosen und Fruchtsäfte verzeichneten teils deutliche Einbußen.

Ähnliche Entwicklungen beim Gerstensaft zeigen sich übrigens auch in klassischen Bierländern. In Deutschland, Tschechien oder Ungarn lagen die Rückgänge laut Verband zuletzt ebenfalls im Bereich von fünf bis acht Prozent. Der Abschwung ist damit kein österreichisches Spezifikum, sondern Teil einer europaweiten Konsolidierung. Mengenwachstum sei langfristig nicht mehr zu erwarten, so der Tenor der Branche.

Als zentrale Faktoren gelten Konsumzurückhaltung, hohe Sparquote und gedämpfte wirtschaftliche Stimmung. Laut einer vom Brauereiverband beauftragten Studie geht mehr als die Hälfte der Befragten derzeit seltener aus als früher. Zwei Drittel verzichten zumindest gelegentlich auf Gastronomiebesuche, obwohl sie Lust darauf hätten. Karl Schwarz, Obmann des Verbandes der Brauereien und Eigentümer der Privatbrauerei Zwettl, appelliert an die Politik, "rasch die richtigen Entscheidungen zu treffen, die Inflation langfristig und dauerhaft zu senken und damit Zuversicht zu vermitteln". Zuversicht sei "der Konsummotor schlechthin".

Dosenbier bricht ein, Mehrweg legt zu

Zusätzliche Dynamik brachte 2025 das Einwegpfand auf Getränkedosen. Die Dosenbierproduktion sank um 23 Prozent. Das entspricht rund 503.000 Hektolitern oder etwa 100 Millionen Dosen weniger als im Jahr davor. Rechnerisch wurden pro Tag rund 274.000 Dosen weniger gefüllt. Auffällig ist, dass das mengenmäßige Minus beim Inlands-Gesamtausstoß nahezu deckungsgleich mit dem Rückgang bei der Dose ist. Dennoch will die Branche "nach dem ersten Jahr des Einwegpfands keinen Stab darüber brechen", so Schwarz. Man gehe davon aus, dass sich das System stabilisieren werde und die Dose als Gebinde relevant bleibe, etwa bei Events oder überall dort, wo Bruchsicherheit gefragt ist.

Gleichzeitig stieg der Mehrweg-Anteil weiter an und liegt nun bei 72 Prozent. Die klassische 0,5-Liter-Mehrwegflasche gewann deutlich hinzu, ebenso die 0,33-Liter-Mehrweg-Standardflasche. Die Pfanderhöhung auf 20 Cent habe "ihren Zweck erfüllt", heißt es aus dem Verband.

Alkoholfrei wächst, Gastronomie bleibt Sorgenkind

Ein Lichtblick bleibt das alkoholfreie Bier. Der Inlands-Ausstoß stieg um 6,1 Prozent auf knapp 300.000 Hektoliter. Das entspricht rund 60 Millionen Krügerln. Damit ist inzwischen jedes 25. in Österreich produzierte Bier alkoholfrei, der Marktanteil liegt bei rund vier Prozent. Im vierten Quartal lag das Plus sogar bei etwa 15 Prozent. Dennoch kann das Segment den Rückgang klassischer Sorten nicht kompensieren. Märzen bleibt mit rund 5,5 Millionen Hektolitern und etwa 70 Prozent Produktionsanteil weiterhin die dominierende Sorte.

Besonders schmerzhaft ist der anhaltende Rückgang in der Gastronomie. Fass- und Tankbier sanken um vier Prozent, das entspricht rund zwölf Millionen nicht getrunkenen Krügerln. Mehrere Hundert Wirtshäuser seien in den vergangenen Jahren vom Markt verschwunden, so Schwarz. Der Gastronomie-Anteil am Bierabsatz liegt mittlerweile nur noch bei rund 18 Prozent.  Als Reaktion kündigte der Verband eine bundesweite Initiative mit Brauereien und Gastronom:innen an. Ziel ist es, mit neuen Angebotskonzepten und Genuss-Initiativen den Bierabsatz im Lokal wieder zu stärken.

KEYaccount/LEADERSNET war bei der Pressekonferenz. Alle Fotos finden Sie hier

www.bierland-oesterreich.at

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