Männerdomäne CEO
Österreichs Börsenunternehmen bleiben weiterhin ohne Chefinnen

Laut einer aktuellen Analyse beträgt der aktuelle Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen hierzulande 13,8 Prozent und ist damit unverändert gegenüber August 2025.

In den oberen Etagen der österreichischen Wirtschaft bietet sich noch immer ein gewohntes Bild, denn obwohl Frauen fast die Hälfte der Erwerbstätigen stellen, lichtet sich die Präsenz weiblicher Führungskräfte, je näher man dem Vorstandstich kommt. So beträgt der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen in Österreich derzeit 13,8 Prozent und zeigt somit keine erkennbare Dynamik nach oben. 

Zu diesem Ergebnis kam das kürzlich veröffentlichte Mixed Leadership Barometer von EY, das halbjährlich die Strukturen von Vorständen und Aufsichtsräten der im Wiener Börse Index gelisteten österreichischen Unternehmen analysiert. 

Stagnierender Frauenanteil

Mit Stichtag 1. Jänner 2026 sind 26 der insgesamt 188 Vorstandsmitglieder der im Wiener Börse Index gelisteten Betriebe weiblich. Das heißt, dass trotz jahrelanger Debatten über Diversität und Inklusion also der Frauenanteil in den Vorständen börsennotierter Unternehmen stagniert (LEADERSNET berichtete). Somit ging die Dynamik in den vergangenen Jahren deutlich verloren: 31 der 54 WBI-Unternehmen verfügen weiterhin über keinen einzigen weiblichen Vorstand. Das entspricht 57 Prozent. Gerade einmal drei Unternehmen heben sich von der Masse ab: BKS Bank, Marinomed Biotech und Oberbank. 

Zudem zeigt die Analyse, dass wie bereits bei der letzten Erhebung im August 2025 keine Frau, und damit keine weibliche CEO, an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens steht. Der Blick auf die Ressourcenverteilung macht zudem nochmals deutlich, dass weibliche Vorstandsmitglieder nach wie vor stark auf bestimmte Funktionen konzentriert sind. So sind zehn der 26 Frauen Oberhaupt bei Finanzangelegenheiten und verantworten das Finanzressort als CFO. Neun sind wiederum für operative Bereiche zuständig – darunter zwei als COO. Und zwei weitere Frauen bekleiden die Funktion einer Chief Risk Officer. 

Wirtschaftliche Folgen fehlender Entscheiderinnen

Das Fehlen von Frauen in Vorständen wird zunehmend aber nicht nur als gesellschaftspolitisches, sondern auch als ökonomisches Risiko bewertet. So zeigen Studien etwa, dass Unternehmen ohne weibliche Perspektive an der Spitze messbare Wettbewerbsnachteile erleiden (LEADERSNET berichtete). 

"Der im Dezember beschlossene Gesetzestext ist im Vergleich zum ursprünglichen Entwurf spürbar verwässert worden. Die ursprünglich vorgesehene verbindliche Mindestbesetzung von Vorständen – mindestens eine Frau und ein Mann bei mehr als zwei Vorstandsmitgliedern – wurde ersatzlos gestrichen. Damit wird aus einem klaren Gleichstellungsinstrument eine weitgehend unverbindliche Empfehlung. Der politische Wille, auch auf operativer Führungsebene strukturelle Veränderungen durchzusetzen, ist im finalen Gesetz nicht mehr erkennbar", so Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Law und Verantwortliche der Initiative Women. Fast Forward bei EY Österreich-

Diversere Teams treffen nachweislich nämlich nicht nur fundiertere Entscheidungen, sondern haben auch eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine überdurchschnittliche Rentabilität zu erzielen. Zudem neigen reine Männer-Vorstände zum sogenannten "Groupthink", sprich einer eingeschränkten Sichtweise durch ähnliche Lebenserfahrungen. Frauen bringen eigene Erfahrungen und Risikoeinschätzungen ein, was wiederum die Innovationskraft stärkt und die strategische Fehleranfälligkeit senkt. Darüber hinaus senden Unternehmen ohne Frauen im Vorstand negative Signale an weibliche Talente und riskieren damit, Zugang zur Hälfte des Talentpools zu verlieren – und das in Zeiten des Fachkräftemangels. 

Appell an Unternehmen

Mit Blick auf die Ergebnisse der EY Barometers zeigt sich deutlich, dass die Zeit der unverbindlichen Absichtserklärungen abgelaufen ist, denn echte Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsstärken können Unternehmen heutzutage nur noch dann erreichen, wenn sie die weibliche Kompetenz an der Spitze nicht länger als Option, sondern als unverzichtbaren Erfolgsfaktor begreifen. 

Das heißt: Damit der Wandel nicht weiterhin zögerlich verläuft oder gar stagniert, ist die Politik gefordert. So braucht es über die bestehenden Quoten hinaus neue Rahmbedingungen, die strukturelle Barrieren abbauen und sicherstellen, dass wirtschaftliche Führung in Österreich endlich die reale Vielfalt der Gesellschaft widerspiegelt. Echte Chancengleichheit darf nämlich kein Zufallsprodukt sein, sondern muss als Ergebnis einer konsequenten, politischen Gestaltung hervorgehen. 

Die vollständigen Studienergebnisse können Sie hier finden. 

www.ey.com

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV