Actionreicher Stunt
Italienischer Pilot nutzte fahrenden Zug als Lande- und Startbahn

| Larissa Bilovits 
| 18.02.2026

Gemeinsam mit Red Bull wagte Dario Costa ein spektakuläres Manöver, bei dem er sein Flugzeug auf einem fahrenden Güterzug landete und wieder abhob. Den entscheidenden Abschnitt musste er dabei im Blindflug meistern – mit minimalem Spielraum für Fehler.

Red Bull ist für Extremsport bekannt wie kaum ein anderes Unternehmen. Immer wieder sorgt der Getränkehersteller mit waghalsigen Projekten für Aufsehen – etwa wenn BMX- und MTB-Freestyler Dawid Godziek mit seinem Bike einen Slopestyle-Parcours auf dem Dach eines fahrenden Zuges bezwingt (LEADERSNET berichtete), wenn Freestyle-Motocross-Fahrer Luc Ackermann mit einem Rückwärtssalto von einem Lkw zum nächsten springt und dabei eine neun Meter hohe Autobahnschranke überwindet (LEADERSNET berichtete), oder wenn sich der brasilianische Skateboard-Profi Sandro Dias mit seinem Skateboard von einem 22-stöckigen Gebäude in Brasilien stürzt (LEADERSNET berichtete).

Nun reiht sich ein weiteres Spektakel in diese Liste von gefährlichen Manövern ein: Vor wenigen Tagen landete der italienische Pilot Dario Costa mit seinem Flugzeug auf einem fahrenden Zug – und hob anschließend wieder ab. 

Der Stunt im Detail

Konkret landete Costa seine Maschine des Typs "Zivko Edge 540" auf einem mit 120 Kilometer pro Stunde fahrenden Güterzug und hob nur Sekunden später vom selben Container wieder senkrecht ab. Für Anflug, Aufsetzen und den erneuten Start blieben dem 44-jährigen Italiener auf einer 2,5 Kilometer langen Strecke maximal 50 Sekunden. Dabei musste er mit wechselnden Turbulenzen, leichtem Rückenwind und einem Spielraum von nur wenigen Zentimetern zurechtkommen.

Besonders heikel war der Anflug, denn der Zug blieb für den Piloten nur bis knapp 200 Meter vor dem Zielcontainer sichtbar, ehe Costa in den Blindflug übergehen und sich rein auf sein Training und sein Können verlassen musste. Um mit dem Zug Schritt zu halten, reduzierte er die Geschwindigkeit seiner Maschine von 120 km/h im Anflug auf nahezu überziehkritische 87 km/h – zum Vergleich: die reguläre Landegeschwindigkeit dieses Flugzeugmodells liegt üblicherweise rund 148 km/h.

Trotz der vom fahrenden Zug verursachten Luftverwirbelungen gelang es ihm, mit allen drei Rädern präzise auf dem neunten Container aufzusetzen, das Flugzeug bei minimaler Geschwindigkeit zu stabilisieren und schließlich die kontrollierte Beschleunigung in einen unmittelbaren vertikalen Steigflug einzuleiten. Mit diesem Doppelmanöver glückte Costa eine Weltpremiere in der Luftfahrt.

Intensive Vorbereitung

Realisiert wurde der Stunt am 15. Februar 2026 in Afyonkarahisar in der Türkei. Für den Italiener war es nicht das erste Projekt in dem Land: Bereits 2021 hatte er mit dem "Tunnel Pass" zwei Autobahntunnel außerhalb Istanbuls durchflogen. Bei einem späteren Aufenthalt in der Türkei, bei dem er die Umsetzbarkeit eines neuen Flugkonzepts prüfte, stieß er im nordosttürkischen Kars auf einen nostalgischen Personenzug. Diese Begegnung brachte ihn auf die Idee, Landemanöver nicht mehr nur in statischen Umgebungen, sondern auf beweglichen Plattformen zu denken. Nach umfangreichen Analysen fiel die Wahl schließlich auf Afyonkarahisar, da dort Infrastruktur, betriebliche Rahmenbedingungen und geografische Gegebenheiten optimale Voraussetzungen für eine kontrollierte und sichere Durchführung boten.

Im Vorfeld des eigentlichen Versuchs wurden detaillierte aerodynamische Studien durchgeführt, um Turbulenzen sowie die durch den fahrenden Zug verursachte Veränderung der Fluggeschwindigkeit exakt zu berechnen. Parallel dazu absolvierte Costa im Red Bull Athlete Performance Centre in Thalgau ein intensives kognitives Training, darunter ein sogenanntes "Zeit-Bewegungs-Antizipationstraining", das ihn auf die spätere Blindlandung vorbereiten sollte. Praxistests fanden zudem in Pula in Kroatien statt, wo in Zusammenarbeit mit Rimac Automobili drei Tage lang ein Szenario mit einer beweglichen Plattform simuliert wurde. Als Referenz diente das vollelektrische Hypercar Nevera R, mit dessen Hilfe Costa Ausrichtung und Reaktionszeitpunkt weiter verfeinern konnte.

Präzision, Teamarbeit und Vertrauen

"Train Landing war eines der anspruchsvollsten und herausforderndsten Projekte meiner Karriere. Es gab so viele Variablen zu messen, aber die größte Herausforderung bestand darin, blind auf einer sehr kleinen, sich bewegenden Landebahn zu landen – und sich dabei nur auf kognitive und fliegerische Fähigkeiten zu verlassen", erklärt der Athlet, und ergänzt, dass es trotz aller Schwierigkeit eine großartige Erfahrung gewesen sei: "Zum ersten Mal interagierte ein Flugzeug erfolgreich mit einem fahrenden Zug und brachte so das älteste motorisierte Verkehrsmittel mit dem neuesten zusammen. Es war ein komplexes Projekt, das Präzision, Teamarbeit und Vertrauen erforderte – und ich bin stolz darauf, dass wir es wie geplant umgesetzt haben."

"Der kritischste Aspekt war die Ausrichtung auf den Zug, daher musste die Präzision absolut sein, und das hat er erreicht", meint auch Luftfahrtberater Filippo Barbero. "Bei einem solchen Projekt ist kein Platz für Emotionen – Dario ist ein wahrer Magier."

www.redbull.com

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