Wie Trump die Medienwelt verändert und die USA gespalten hat

ORF-Büroleiterin Hannelore Veit teilte beim Business Luncheon der AmCham Austria im Hotel Bristol Insiderwissen aus Washington.

Am Donnerstagmittag berichtete ORF-Büroleiterin Hannelore Veit beim Business Luncheon der U.S. Handelskammer im Wiener Hotel Bristol über Donald Trumps aktuelle politische Turbulenzen und die mögliche Wiederwahl: "Der Anlass könnte nicht aktueller sein. Die Vorbereitungen für das Amtsenthebungsverfahren bringen Donald Trump in politische Turbulenzen. Die American Chamber of Commerce in Austria gibt mit ihrem transatlantischen Netzwerk Einblicke in die US.-Innenpolitik, um abseits der Medienberichterstattung ein neues Verständnis für die politischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die österreichische Wirtschaft zu schaffen", begrüßte AmCham-Austria-Präsident Martin Winkler von Oracle. 

"Trump hat die Rolle des US-Präsidenten bis heute nicht verstanden"

"Trump ist ein Showmaster. Das tägliche Unterhaltungsprogramm beginnt mit den ersten Tweets um fünf Uhr morgens. Bis heute hat er die Rolle des US-Präsidenten nicht verstanden", skizziert sie den Präsidenten. Veit hält ein Ammtsenthebungsverfahren gegen Trump jedoch für "sehr unwahrscheinlich": "In einem Jahr bis zur Wahl kann noch sehr viel passieren. Er steckt nicht in so großen Schwierigkeiten, wie man es in Europa annimmt", leitet Veit in ihre politische Betrachtung ein.

Über die aktuellen Untersuchungen im Vorfeld des Amtsenthebungsverfahrens hört man derzeit nur Auszüge, die an die Medien weitergegeben werden, da die Anhörungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Die Kernfrage der Untersuchungen beschäftigt sich mit der Rechtmäßigkeit von Trumps Deal mit der Ukraine, um gegen seinen politischen Mitbewerber Joe Biden zu ermitteln. Nancy Pelosi verschafft sich durch ihren starken Auftritt derzeit massives Gehör in den US-Medien. Über die Einleitung des Verfahrens kann ausschließlich das Repräsentantenhaus entscheiden. Letztlich muss der Senat mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit dafür stimmen. Diese wird laut Veit kaum erreichbar sein.

Demokraten haben ein Kandidatenproblem

Eine Wiederwahl von Trump hält die ORF-Büroleiterin für "durchaus wahrscheinlich", zumal es den Demokraten derzeit an einer charismatischen Führungspersönlichkeit fehlt. Sie haben zu viele und zu alte Kandidaten, die teilweise wie etwa Elizabeth Warren auch zu weit links der Mitte stehen. Nationale Wahlumfragen hält die Politinsiderin für unseriös, zumal die Wahlen in den Bundesstaaten entschieden werden. In Akademikerkreisen hält man den 76-jährigen Biden derzeit für die größte Hoffnung der Demokraten. Bernie Sanders hat geringe Chancen. Iowa oder New Hampshire werden die ersten Trends bei den Vorwahlen im Frühling 2020 zeigen, bevor am "Super Tuesday" die meisten Staaten wählen werden.

Die Steuerreform von Trump kam in der breiten Bevölkerung an. Seine Handelspolitik ist zwar umstritten, hatte bis heute aber noch wenige Auswirkungen auf weite Teile der U.S.-Wirtschaft. Auch seine Außenpolitik besteht überwiegend aus Ankündigungen, die selbst für Experten kaum einschätzbar sind. "Es gibt keine klare Linie in den Beziehungen zu Russland oder Nordkorea. Sein ständig wechselnder Beraterstab macht es noch schwieriger, eine Strategie zu erkennen", berichtet Veit aus ihrem Journalistenalltag.

Die Medien spalten das Land

Trump hat das Land in Veits Wahrnehmung gespalten, wobei der Spalt immer größer werde. Die Medien tragen massiv zu dieser Polarisierung bei. Trump macht kaum klassische Pressekonferenzen, sondern spricht gerne vor dem abhebenden Helikopter, wo er kaum verständlich ist. Er macht seine Pressearbeit überwiegend selbst, anstatt die klassischen Wege über den Pressestab zu wählen.

"CNN America hat sich von der politischen Mitte an den linken Rand bewegt. Auch die New York Times oder Washington Post verfolgen eine Anti-Trump-Linie. Die täglichen kleinen Lügen des Präsidenten machen es den Medien einfach, diese Position einzunehmen", so Veit.

Diskussion über die US-Innenpolitik beim Business Luncheon

Auf Einladung der American Chamber of Commerce in Austria diskutierten beim Mittagessen mit Hannelore Veit im Wiener Hotel Bristol unter anderem Markus Beuchert von der Autobank, Martin Butollo von der Commerzbank, PwC-Chefin Christine Catasta, Brigitte Cummings von Accenture, Andrew Dickson von Grant Thornton, Egbert Fleischer von der Bawag, Celine Garaudy von der Französischen Handelskammer, Claudia Handl von Pfizer, Marta Haustein von der Amerikanischen Botschaft, Patricia M. Helletzgruber von der Peter Drucker Society, Daniela Homan von der AmCham Austria, Ernst Huber von der Außenwirtschaft Austria, Kathryn List von der AVL Cultural Foundation, Patricia Neumann von IBM, Rainer Newald von der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft, Markus Nothelfer von Bisnode, Fabien Party von der Französischen Botschaft, Gerald Salzmann vom UBS Wealth Management, Ernesto Schobetsberger von PwC, Thomas Spitzer von Bisnode, Annette Trawnicek von Hewlett-Packard oder Georg Unger von NGS Global.

Fotografische Einblicke in das Business Luncheon der Am Cham gibt ein Blick in unsere Fotogalerie. (red)

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