Mit der Senkung der Elektrizitätsabgabe möchte die Bundesregierung einen weiteren Baustein im Kampf gegen hohe Energiepreise und Inflation setzen. Schließlich hat Bundeskanzler Christian Stocker für das kommende Jahr eine Inflationsrate von zwei Prozent versprochen. Zuletzt lag sie mit 4,1 Prozent mehr als doppelt so hoch, weshalb es wohl mehrere Maßnahmen brauchen wird, um eine deutliche Reduktion zu erreichen.
Am Dienstag wurde der erste Schritt am steinigen Weg zum Ziel gesetzt. Der Finanzausschuss des Nationalrats hat mehrheitlich einer Reduktion der Elektrizitätsabgabe für das Jahr 2026 zugestimmt: Für Unternehmen sinkt sie von 1,5 auf 0,82 Cent pro Kilowattstunde, für private Haushalte sogar auf das EU-rechtliche Minimum von 0,1 Cent. Je nach Haushaltsgröße ergibt sich damit eine jährliche Ersparnis zwischen 30 und 70 Euro. Ziel der Maßnahme ist es, die Stromkosten kurzfristig zu senken und die Entlastung auch tatsächlich bei den Unternehmen und Kund:innen ankommen zu lassen. Laut Wirtschaftsforscher:innen dürfte die Maßnahme dafür sorgen, dass die Gesamtinflation um 0,1 Prozentpunkte sinkt.
Reaktionen aus der Wirtschaft überwiegend positiv
In der Wirtschaft stößt dieser Schritt überwiegend auf Zustimmung. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) sprach kurz nach dem Beschluss von einem wichtigen ersten Signal. Generalsekretär Jochen Danninger betont, dass sich Unternehmen im Jahr 2026 Elektrizitätsabgaben in Höhe von rund 260 Millionen Euro ersparen. Die Senkung sei ein richtiger Schritt, um die aktuell hohe Energiekostenbelastung abzufedern. Gleichzeitig macht die WKÖ deutlich, dass es damit nicht getan sei: Betriebe – insbesondere energieintensive und exportorientierte – bräuchten langfristig wirksame Rahmenbedingungen. Danninger fordert daher eine Nachschärfung bei der Strompreiskompensation sowie zusätzliche Maßnahmen wie einen temporären Industriestrompreis und gezielte Netzentlastungen, um im internationalen Wettbewerb nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten.
Die Industriellenvereinigung (IV) bewertet das geplante Vorhaben der Bundesregierung grundsätzlich als Beitrag zur Entlastung angesichts weiterhin hoher Standortkosten. Positiv sei laut IV-Generalsekretär Christoph Neumayer vor allem, dass die vorgesehene Halbierung auch für die gewerbliche Wirtschaft gelte und damit "in der Breite jenen Unternehmen zugutekommt, die bislang nicht von anderen Instrumenten profitieren konnten“. Kritisch sieht die IV jedoch die Zielgenauigkeit der Maßnahme. Angesichts der angespannten Budgetsituation wären "stärker fokussierte Maßnahmen vorzuziehen“, so Neumayer. Eine gezielte Entlastung stromintensiver Unternehmen wäre aus Sicht der IV effizienter gewesen, etwa über eine Stärkung des Standortinstruments SAG. Zudem warnt die Interessenvertretung vor Wettbewerbsnachteilen durch den deutschen Industriestrompreis, der zeige, "wie gezielt auf die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit reagiert werden kann“. Entsprechende Signale brauche es auch in Österreich, um ein Ungleichgewicht auf internationalen Märkten zu vermeiden.
Auch Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung der E-Wirtschaft, bewertet die Senkung der Elektrizitätsabgabe grundsätzlich positiv. Die Entlastung sende ein wichtiges Signal für den Wirtschaftsstandort und erhöhe die Attraktivität des Energieträgers Strom. Für private Haushalte rechnet die Branche mit sinkenden Stromrechnungen im mittleren einstelligen Prozentbereich – rund 60 Euro pro Jahr bei einem durchschnittlichen Verbrauch. Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, verweist darauf, dass die Maßnahme den inflationsdämpfenden Effekt der Strompreise im Jahr 2026 zusätzlich verstärken könne. Gleichzeitig warnt die Branche jedoch vor einem möglichen "Jo-Jo-Effekt": Da die Senkung auf ein Jahr befristet ist, könnte der Wegfall der Maßnahme ab 2027 wieder inflationstreibend wirken. Für Investitionsentscheidungen brauche es daher mehr Planbarkeit und eine langfristige Perspektive. Mittel- bis langfristig sei der Ausbau der heimischen erneuerbaren Erzeugung die wirksamste Strompreisbremse.
Zustimmung mit klaren Vorbehalten kommt auch aus dem Tourismus. Die Österreichische Hotelvereinigung (ÖHV) bezeichnet die Senkung zwar als Entlastung, spricht aber von einer "Mini-Maßnahme". Präsident Walter Veit anerkennt, dass der Staat in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf Einnahmen verzichtet, kritisiert jedoch die Befristung scharf. Eine Planungssicherheit für nur ein Jahr sei zu wenig, vielmehr brauche es strukturelle Reformen ohne Verfallsdatum. Veit verweist zudem auf mangelnden Wettbewerb im Strommarkt und sieht die Politik gefordert, stärker gegen monopolartige Strukturen vorzugehen.
Auch regional wird der Schritt positiv aufgenommen. Der Wirtschaftsbund Niederösterreich (WBNÖ) unterstreicht, dass leistbare Energie eine zentrale Voraussetzung für einen starken Wirtschaftsstandort ist. Landesgruppenobmann Wolfgang Ecker betont, dass hohe Strompreise quer durch alle Branchen wirken und Investitionen sowie Wettbewerbsfähigkeit bremsen. Die Senkung der Elektrizitätsabgabe, die Reduktion der Erneuerbaren-Abgabe sowie ergänzende Maßnahmen wie der Industriestrom-Bonus seien wichtige Schritte, um Betriebe zu entlasten und die Inflation zu dämpfen. Entscheidend sei jedoch, diesen Weg konsequent fortzusetzen und die Energiepolitik langfristig an Standortstärkung und Wachstum auszurichten.
Fazit
Unterm Strich zeigt sich in den Stellungnahmen aus der Wirtschaft ein klares Bild: Die Senkung der Elektrizitätsabgabe wird breit begrüßt und als rasch wirksame Entlastung anerkannt. Gleichzeitig warnen viele Stimmen davor, den Schritt als abschließende Lösung zu verstehen. Ohne strukturelle Reformen, langfristige Planungssicherheit und mehr Wettbewerb am Strommarkt drohe die Maßnahme ein kurzfristiger Effekt zu bleiben.
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