Wenn man als Autobauer heutzutage mit der Kombination aus Dieselmotor und Limousinenform punkten will, muss man sich schon ordentlich ins Zeug legen und natürlich auch im richtigen Segment vertreten sein. Denn derzeit stehen vor allem SUVs und elektrifizierte Antriebe bei den Kundenwünschen ganz oben. Etwas anders sieht es in der gehobenen Businessklasse aus, wo es nicht unbedingt ein hoch bauendes Fahrzeug sein muss, um die gewünschte Repräsentativität zu erreichen und wo oftmals "Kilometerfressen" angesagt ist. Hier kommen dann Limousinen wie Audi A6, BMW 5er oder Mercedes E-Klasse ins Spiel.
Wir konnten nun den jüngsten Vertreter des deutschen Premium-Trios ausführlich testen. Mit der neuen A6 Limousine will Audi in der Businessklasse wieder näher an die jüngeren Konkurrenten heranrücken beziehungsweise an ihnen vorbeiziehen. Eine neue Plattform, moderne Mildhybrid-Technik, ein Cockpit auf Höhe der Zeit und ein nochmals gesteigerter Komfort sollen das ermöglichen. LEADERSNET hat die 204 PS starke Diesel-Variante mit Allradantrieb (quattro) ausführlich getestet.
Vertrautes Design, moderne Details
Optisch orientiert sich der neue A6 stark am kleineren A5 (hier geht es zu unserem Testbericht), mit dem er sich auch die neue PPC-Plattform (Premium-Plattform-Combustion) teilt, und zeigt sich entsprechend evolutionär statt revolutionär. Dominant bleibt der breite Singleframe-Grill, flankiert von scharf gezeichneten Scheinwerfern, die optional mit Matrix-LED-Technologie und individualisierbarer Lichtsignatur erhältlich sind.
In der Seitenansicht fallen die bündig integrierten Türgriffe sowie die fließende Dachlinie auf, die dem knapp fünf Meter langen Businessliner eine gewisse Eleganz verleihen. Am Heck setzen ein durchgehendes Leuchtenband und auf Wunsch digitale OLED-Rückleuchten moderne Akzente.
Langstreckenkomfort als Kernkompetenz
Hinterm Steuer wird schon nach wenigen Kilometern klar, wo die Stärken der Limousine liegen: Der neue A6 ist ein ausgesprochen souveräner Reisewagen. Selbst mit großen 21-Zoll-Rädern und sportlicher Abstimmung federt das Testfahrzeug angenehm komfortabel. Unebenheiten werden sauber weggefiltert, ohne dass das Fahrwerk schwammig wirkt. Gleichzeitig bleibt der Audi auch bei höherem Tempo stabil und vermittelt ein hohes Sicherheitsgefühl. Zu Letzterem tragen auch der Allradantrieb sowie die standfesten Bremsen bei.
Zum komfortablen Eindruck passt die sehr gute Geräuschdämmung. Selbst bei Autobahntempo bleibt es im Innenraum auffallend leise – ein klassisches Audi-Merkmal, das hier konsequent weiterentwickelt wurde.
Effizienter Diesel mit kleinen Eigenheiten
Im Test trat der A6 als 2.0 TDI mit 204 PS und Mildhybrid-Technologie an. Die Kombination aus Verbrenner und elektrischer Unterstützung arbeitet im Hintergrund weitgehend unauffällig. Im Alltag überzeugt der Antrieb vor allem durch seine Effizienz. Auf der Autobahn pendelte sich der Verbrauch je nach Topografie zwischen 6,2 und 7,0 Litern ein, über Land ist eine Fünf vor dem Komma problemlos möglich. Für ein Fahrzeug dieser Größe sind das sehr gute Werte – Reichweiten von rund 1.000 Kilometern sind realistisch.
Charakterlich zeigt der Motor jedoch eine kleine Schwäche: In bestimmten Drehzahlbereichen wirkt er etwas zurückhaltend, da das System versucht, möglichst effizient zu arbeiten und den Verbrenner zu entlasten. Wer spontan mehr Leistung abrufen möchte, sollte in den Sportmodus wechseln oder manuell eingreifen – dann spricht der Antrieb deutlich direkter an. Grundsätzlich bleibt der Diesel aber ein angenehmer Begleiter: leise, kultiviert und mit ausreichend Durchzug für den Alltag.
Digitaler Innenraum mit kleinen Abstrichen
Im Innenraum setzt Audi konsequent auf Digitalisierung. Die Kombination aus digitalem Kombiinstrument, 14,5 Zoll großem Infotainment-Touchscreen und optionalem Beifahrerbildschirm (10,9 Zoll) wirkt modern und hochwertig. Die Darstellung ist gestochen scharf, die Menüführung trotz einer Unzahl an Funktionen nach kurzer Eingewöhnung logisch aufgebaut.
Die Bedienung erfolgt größtenteils über den Touchscreen und Sensortasten am Lenkrad und in der Türtafel. Diese geben zwar haptisches Feedback, reichen aber nicht ganz an die Präzision klassischer Tasten heran. Auf der Mittelkonsole gibt es noch eine kleine Bedieninsel mit "echten" Tasten und ein haptisch sehr angenehmes Drehrad für die Lautstärke. Die Sprachsteuerung funktioniert zuverlässig und erleichtert die Bedienung im Alltag.
Positiv hervorzuheben ist die frei belegbare "Stern"-Taste am Lenkrad, über die sich häufig benötigte Funktionen – etwa das Deaktivieren des Tempowarners – schnell aufrufen lassen. Auch Features wie die Anzeige von Ampelphasen zeigen, wie stark der A6 auf vernetzte Systeme setzt. Das optionale Beifahrerdisplay wirkt eher wie ein nettes Extra als ein echter Mehrwert. Denn die meisten Mitfahrer greifen im Alltag ohnehin zum Smartphone.
Raumangebot und Qualität
Beim Platzangebot gibt sich die lange Limousine keine Blöße. Sowohl vorn als auch im Fond reisen Erwachsene komfortabel, lediglich sehr große Personen könnten bei Fahrzeugen mit Panoramadach, das bei uns verbaut war, an die Grenzen stoßen.
Die Sportsitze überzeugen mit ausgezeichnetem Langstreckenkomfort und gutem Seitenhalt – gerade auf längeren Etappen ein klarer Pluspunkt. Der Kofferraum fällt mit 466 Litern nicht üppig, jedoch ausreichend groß aus, ist allerdings eher tief als hoch geschnitten. Durch Umklappen der Rücksitzlehnen lässt sich das Ladevolumen erweitern.
Bei der Materialqualität zeigt sich ein gemischtes Bild: Im Sichtbereich überzeugt der A6 mit hochwertigen Oberflächen und sauberer Verarbeitung. In Details greifen die Ingolstädter jedoch vermehrt zu Kunststoff statt Metall, was den haptischen Eindruck im Vergleich zum Vorgänger leicht schmälert.
Assistenzsysteme und Technik
Bei der Feinfühligkeit der Assistenzsysteme zeigt sich, wo die deutschen Autobauer ihren chinesischen Konkurrenten noch voraus sind – sie arbeiten durchgängig auf hohem Niveau. Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat und Verkehrszeichenerkennung funktionierten im Test zuverlässig und unaufdringlich. Die Eingriffe erfolgen harmonisch und ohne störende Überreaktionen.
Für zusätzlichen Komfort sorgte im Testauto die optionale Bang-&-Olufsen-Soundanlage, die mit klarem, kraftvollem Klang überzeugt und das hochwertige Ambiente unterstreicht.
Fazit
Mit der neuen A6 Limousine bleibt sich Audi treu – und entwickelt ihre Stärken konsequent weiter. Sie ist kein revolutionäres Auto, sondern ein durch und durch ausgereifter Businessliner, mit Fokus auf Komfort, Effizienz und Technologie.
Der 204 PS starke Diesel überzeugt mit sehr guten Verbrauchswerten und hoher Reichweite, das Fahrwerk bietet eine gelungene Balance aus Komfort und Stabilität. Kleine Schwächen bei Materialdetails und der Touchbedienung trüben den insgesamt sehr guten Eindruck nur leicht.
Unterm Strich ist der A6 genau das, was viele Kund:innen in dieser Klasse suchen: ein leiser, souveräner und effizienter Begleiter für lange Strecken – und damit wieder eine ernstzunehmende Alternative zu den Hauptkonkurrenten im Segment. Mit einem ab-Preis von Euro rund 74.140 Euro ist er auch in dieser Hinsicht auf Augenhöhe. Für den Testwagen mit vielen Extras werden sogar 103.388 Euro fällig.
Fotos vom Test sehen Sie in unserer Galerie.
www.audi.at
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