Bei der APA – Austria Presse Agentur, die heuer ihr 80-jähriges Jubiläum feiert, kommt es zu umfassenden personellen Veränderungen. Nach der Wahl von APA-CEO Clemens Pig zum Generaldirektor des ORF ab 2027 (LEADERSNET berichtete) wurden dessen Verträge vorzeitig und einvernehmlich aufgelöst. Die interimistische Führung der Geschäfte der APA-Gruppe wurde von der Eigentümerversammlung an APA-Chefredakteurin Maria Scholl als geschäftsführendes Vorstandsmitglied sowie an Chief Operating Officer Klemens Ganner übertragen. Letzterer wurde in diesem Zuge zudem zum zweiten Geschäftsführer ernannt.
Der scheidende APA-CEO Clemens Pig erklärte, er freue sich sehr, nach zehn erfüllenden und erfolgreichen Jahren an der Spitze den Führungsstab innerhalb des etablierten Managements weiterzugeben.
Neuerungen in den Gremien
Auch in den Gremien der APA gibt es Neuerungen. Ingrid Thurnher (ORF) wechselt aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat und übernimmt dort den Vorsitz. Dem Vorstand gehört nun Alexander Mitteräcker (Der Standard) als stellvertretender Vorsitzender an. Neu in den Vorstand eingetreten sind Harald Kräuter (ORF) und Oliver Pokorny (Kleine Zeitung), während Hubert Patterer (Kleine Zeitung) aus diesem ausscheidet. Das Präsidium des APA-Vorstands setzt sich künftig aus Hermann Petz (Tiroler Tageszeitung) als Vorsitzendem, Eugen A. Russ (Vorarlberger Nachrichten), Alexander Mitteräcker und Maria Scholl zusammen. Im Präsidium des Aufsichtsrats sitzen neben Ingrid Thurnher auch Richard Grasl (Kurier) und Markus Mair (Styria) als Stellvertreter.
Umsatzbereinigung und deutliches Ergebnisplus
Der APA-Vorstandsvorsitzende Hermann Petz und die Aufsichtsratsvorsitzende Ingrid Thurnher bilanzierten das abgelaufene Jahr positiv. Sie betonten in einer gemeinsamen Erklärung: "Als Infrastrukturunternehmen für Nachrichten, Kommunikation und Technologie gelang es der APA im Geschäftsjahr 2025 einmal mehr, ihre Digitalexpertise, ihr KI-Know-how und ihre Innovationskraft mit einem sehr guten Ergebnis unter Beweis zu stellen. Wir bedanken uns herzlich bei Clemens Pig für die erfolgreiche Führung der APA in den vergangenen zehn Jahren und freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Maria Scholl und Klemens Ganner, die das Unternehmen bestens kennen und damit eine nahtlose Übergangsphase gewährleisten."
Zuvor präsentierte die Generalversammlung den Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025. Die APA-Gruppe verzeichnete einen Rückgang des Konzernumsatzes von 80,3 Millionen Euro im Vorjahr auf 77,5 Millionen Euro. Dieser Rückgang sei primär auf den Verkauf des Tochterunternehmens Gentics Software GmbH zurückzuführen. Bereinigt um diesen Effekt habe die Gruppe ein Umsatzwachstum von 0,9 Prozent erzielt. Das operative Ergebnis (EBIT) stieg deutlich von drei Millionen Euro im Vorjahr auf 5,5 Millionen Euro. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) belief sich auf 3,8 Millionen Euro nach 2,3 Millionen Euro im Jahr 2024. Der Personalstand sank, auch bedingt durch den Gentics-Verkauf (26 Stellen), von 516 auf 474 Vollzeit-Äquivalente.
Technologische Meilensteine und Ausblick auf 2026
Im Jahr 2025 forcierte die APA-Gruppe ihre Plattform- und KI-Strategie. Wesentliche Schritte waren die Einführung des ersten Moduls "Agenda" des neuen Redaktionssystems "First by APA" sowie die Neufirmierung der Bildagentur unter APA-Images inklusive KI-gestützter Suchfunktionen. Zudem wurden die Gesellschaften APA-OTS und APA-DeFacto im Geschäftsfeld APA-Comm zusammengelegt und die IT-Kooperation mit der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA verlängert. Der Fokus lag zudem auf dem Ausbau der digitalen Kompetenzen der Mitarbeiter:innen.
Für das Jahr 2026 ist die Ausarbeitung eines Strategie-Updates für die Jahre 2027 bis 2030 geplant. Kernbestandteil ist das Programm "APA[2]AI", mit dem sich das Unternehmen als Intelligence Providerin positionieren möchte. Dazu gehört die KI-gestützte Aufbereitung des Nachrichtenstroms für Kunden-Newsrooms. Bereits im März 2026 wurde in Kooperation mit der AI Factory Austria das eigene KI-Modell "AustroBERT" zur Kategorisierung von Medientexten realisiert. Zudem feiert die genossenschaftlich organisierte Agentur-Gruppe 2026 ihr 80-jähriges Gründungsjubiläum.
Scholl: Nachrichten müssen für das KI-Zeitalter neu gedacht werden
Maria Scholl verwies im Rahmen der Pressekonferenz auf den tiefgreifenden Wandel im Informationsverhalten durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz. Vertrauen bleibe zwar eine zentrale Grundlage des Journalismus, sei aber "vielleicht nicht mehr die härteste Währung", sagte Scholl. Studien würden zeigen, dass die Nutzung von KI-Chatbots deutlich zunehme, obwohl deren Vertrauenswerte nicht im gleichen Ausmaß steigen würden. Viele Menschen würden diese Angebote dennoch verwenden, weil Faktoren wie Bequemlichkeit und die situative Verfügbarkeit von Informationen zunehmend an Bedeutung gewännen.
Künftig werde es daher nicht nur darum gehen, "welche Nachrichten und welche Informationen und wie valide und vertrauenswürdig sie sind", sondern auch darum, wann, wo und in welcher Form Inhalte die Menschen erreichen, betonte sie. Mit der neuen KI-Strategie "APA[2]AI" wolle die APA sich darauf einstellen, dass Inhalte künftig möglicherweise nicht mehr zuerst von menschlichen Redaktionen verarbeitet werden, sondern auch von KI-Systemen. Die Nachrichtenagentur müsse daher frühzeitig darauf reagieren und ihre Inhalte für diese neuen technischen Schnittstellen optimieren, so Scholl.
LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
www.apa.at
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