Der Sparkurs des Bundes erreicht nun auch die Bahninfrastruktur. Im Zuge der Budgetkonsolidierung, die mit dem Doppelbudget 2027/28 fortgesetzt wird und bereits zahlreiche Reaktionen aus der Wirtschaft ausgelöst hat (LEADERSNET berichtete), müssen auch die ÖBB Projekte neu reihen. Zwar sind im neuen Rahmenplan für die Jahre 2027 bis 2032 Investitionen von 19,5 Milliarden Euro vorgesehen, mehrere Ausbauvorhaben werden jedoch später als ursprünglich geplant fertiggestellt. Gleichzeitig halten die Bundesbahnen an zentralen Großprojekten wie dem Semmering-Basistunnel oder dem Brenner-Nordzulauf fest.
Hintergrund der Neupriorisierung sind die Sparvorgaben des Bundes. Auch die Bundesbahnen müssen einen Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten. Nach Angaben des Unternehmens sollen Investitionen künftig noch stärker auf jene Projekte konzentriert werden, die den größten Nutzen für Fahrgäste und den Bahnbetrieb bringen. Zusätzlich zu den Infrastrukturinvestitionen sind weitere fünf Milliarden Euro für die Instandhaltung, Wartung und Entstörung vorgesehen.
ÖBB betonen Fortsetzung laufender Bauvorhaben
Mobilitätsminister Peter Hanke verweist auf die Bedeutung der Investitionen für den öffentlichen Verkehr. "Im Mittelpunkt des Rahmenplans stehen die Menschen, die täglich auf ein verlässliches Bahnangebot angewiesen sind. Es ist uns gelungen, den ÖBB Rahmenplan trotz Konsolidierungsbeiträge auf einem sehr hohen Niveau für die nächsten sechs Jahre zu halten."
Auch ÖBB-CEO Andreas Matthä machte deutlich, dass die Bundesbahnen ihren Beitrag zur Budgetkonsolidierung leisten würden. Sparen bedeute jedoch nicht, dass Projekte eingestellt werden. Vielmehr würden Investitionen dort konzentriert, wo sie die größte Verkehrswirkung entfalten könnten. "Jedes begonnene Bauprojekt wird fertig gebaut", betonte Matthä.
Zahlreiche Projekte werden später umgesetzt
Die Auswirkungen der Neupriorisierung zeigen sich bei mehreren Ausbauvorhaben. So soll der viergleisige Ausbau der Weststrecke zwischen Köstendorf und Salzburg nun 2046 statt 2044 abgeschlossen werden. Die ÖBB verweisen darauf, dass im Zuge der vertieften Planungen die Bauzeit um drei Jahre verkürzt und die Investitionskosten um rund 300 Millionen Euro reduziert werden konnten.
Die Flughafenspange zur Anbindung des Flughafens Wien in Richtung Bratislava und Budapest soll nach aktuellem Stand 2037 statt 2035 fertiggestellt werden. Die laufenden Projektierungsarbeiten würden jedoch planmäßig weiterlaufen.
Auch die Modernisierung der Franz-Josefs-Bahn inklusive selektiv zweigleisigem Ausbau verschiebt sich laut den Unternehmen um ein Jahr auf 2034. Die Modernisierung weiterer Bahnhöfe entlang der inneren Weststrecke in Niederösterreich soll schrittweise bis 2037 erfolgen.
Später als ursprünglich vorgesehen sollen zudem der selektiv zweigleisige Ausbau der Pyhrnstrecke zwischen Nettingsdorf und Rohr-Bad Hall, die Modernisierung der Ossiacherseebahn, die Elektrifizierung der Strecke Zeltweg–Pöls sowie die Modernisierung der Salzkammergutbahn abgeschlossen werden.
Verzögerungen auch durch längere Verfahren
Neben den Sparmaßnahmen führen laut ÖBB auch längere Verfahrensdauern zu Anpassungen einzelner Zeitpläne. Betroffen sind unter anderem die Schleife Ebenfurth, deren Fertigstellung nun für 2032 statt 2028 vorgesehen ist, sowie der viergleisige Ausbau zwischen Wien-Meidling und Mödling. Dieser soll nach aktuellem Stand 2037 statt 2035 in Betrieb gehen. Die Viergleisigkeit zwischen Wien-Meidling und Wien-Liesing soll bereits ab 2033 zur Verfügung stehen.
Auch die Linienverbesserung am Pass Lueg wird später umgesetzt und soll nun 2039 statt 2037 fertiggestellt werden.
Zentrale Großprojekte bleiben auf Schiene
Trotz der Verschiebungen halten die ÖBB an ihren wichtigsten Infrastrukturvorhaben fest. Dazu zählt insbesondere der Semmering-Basistunnel, dessen Inbetriebnahme weiterhin für 2029 vorgesehen ist. Parallel dazu läuft die Erneuerung der Semmering-Bergstrecke zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag bis 2028.
Ebenfalls im Zeitplan liegen der Umbau des Wiener Neustädter Nordkopfs, das Upgrade der Wiener S-Bahn inklusive Zulaufstrecken sowie die Attraktivierung der Verbindungsbahn in Wien, so die ÖBB.
Auch der Brenner-Nordzulauf bleibt laut Rahmenplan auf Kurs und soll bis 2039 fertiggestellt werden. Beim Ausbau der Nordbahn konnten die ÖBB nach eigenen Angaben durch ein neues Baukonzept sowohl die Bauzeit um drei Jahre verkürzen als auch rund 100 Millionen Euro einsparen. Die Fertigstellung wird derzeit für 2034 erwartet, meldet der Konzern.
Entlang der Weststrecke bleibt zudem der viergleisige Ausbau zwischen Linz und Wels im Plan. Die Fertigstellung ist weiterhin für 2031 vorgesehen.
Fokus auf Modernisierung und Kundenkomfort
Ein weiterer Schwerpunkt des Rahmenplans liegt auf der Modernisierung bestehender Infrastruktur. Investiert werden soll unter anderem in digitale Leit- und Sicherungssysteme, die Attraktivierung von Bahnhöfen sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz und Klimaresilienz.
Darüber hinaus sind Investitionen in Park-&-Ride- und Bike-&-Ride-Anlagen, Rail-&-Drive-Standorte, zusätzliche Serviceangebote und eine verbesserte Fahrgastinformation vorgesehen.
Die ÖBB erwarten sich davon langfristig mehr Pünktlichkeit, höhere Zuverlässigkeit und bessere Umsteigemöglichkeiten. Durch die stärkere Bündelung von Bauvorhaben entlang wichtiger Verkehrsachsen sollen Baustellen effizienter abgewickelt und Einschränkungen für Reisende reduziert werden.
Nach Angaben der ÖBB sollen somit 87 Prozent der bisher vorgesehenen Projekte weiterhin wie geplant verfolgt werden. Gleichzeitig sieht der neue Rahmenplan bei einer Reihe von Vorhaben längere Realisierungszeiträume vor.
Einen detaillierten Überblick und weitere Informationen zum Rahmenplan finden Sie hier.
www.oebb.at
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