Vergangenen Mittwoch, den 22. April, rückte beim iteratec Digital Champions Breakfast in Wien die konkrete Umsetzung von KI-Agenten in Unternehmen in den Fokus. Unter dem Leitthema "Winning in the Age of Agents – Agenten erfolgreich in Organisationen verankern" diskutierten Expert:innen und Entscheidungsträger:innen, wie sich die Technologie nach der theoretischen Einordnung beim Vorgängerevent im Oktober 2025 (LEADERSNET berichtete) nun praktisch implementieren lässt und welche Rolle das Zusammenspiel von Mensch und Maschine dabei spielt.
Wertstiftender KI-Einsatz im Fokus
Begrüßt wurden die zahlreich erschienenen Gäste durch Michael Maier, Director Austria bei iteratec, der gleich zu Beginn den Blick auf die bevorstehenden Veränderungen im KI-Zeitalter lenkte. Dabei betonte er, dass Unternehmen die Transformation nicht allein als Technologieprojekt verstehen sollten: "Die KI-Transformation ist für uns keine primär technische Herausforderung. Die zentrale Frage lautet vielmehr: Wie befähigen wir den Menschen, diese Technologie wertstiftend im Alltag zu nutzen und umzusetzen?"
Im Anschluss ging Felix Böhmer, Director AI & Data Analytics bei iteratec, auf die Auswirkungen auf Arbeitsweisen und Rollenbilder ein. Der Aufstieg sogenannter "Citizen Developer" könne eine Innovationskultur stärken, in der Mitarbeitende selbst stärker zu Gestalter:innen werden. Zugleich verschiebe sich dadurch der Fokus in vielen Bereichen deutlich: "Wir erleben eine grundlegend neue Form der Human-AI-Collaboration. Während Routineaufgaben und die reine Konzeptionierung zunehmend automatisiert werden, explodiert die Bedeutung von Seniorität und Qualitätsmanagement. Es gehe nicht mehr lediglich um neue Skills, sondern darum, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI entlang konkreter Wertschöpfungsketten völlig neu zu definieren", so Böhmer.
Einblicke in die Praxis
Konkrete Praxisbeispiele lieferte in weiterer Folge Masud Afschar, Lead AI & Data Engineer bei iteratec. Er zeigte anhand mehrerer Projekte, wie KI-Agenten sowohl bei Kund:innen als auch im eigenen Unternehmen bereits eingesetzt werden. Dazu zählte etwa der "MAIA (Multi Agent Invoicing Assistant)", der als System unabhängiger Agenten Rechnungslegung autonom abwickelt und dabei kundenspezifische Layouts sowie unterschiedliche Steuersätze berücksichtigt. Gleichzeitig bleibt der Mensch eingebunden: Bei iteratec ist das System als "human in the loop" angelegt, wodurch jede KI-erstellte Rechnung vor dem Versand von Mitarbeitenden geprüft und verantwortet wird. Als weiteres Beispiel nannte Afschar "VestAI", ein hierarchisches Multiagentensystem für den Robo-Berater VisualVest, das komplexe Finanzfragen beantworten soll. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der nicht-deterministischen Funktionsweise von KI, da keine Anlageratschläge ausgegeben werden dürfen. Zur Qualitätssicherung kommt daher das Prinzip "LLM-as-a-judge" zum Einsatz, bei dem ein zweiter KI-Agent die Aussagen des ersten überprüft.
Den strategischen Blick auf die Management-Ebene richtete anschließend Anne Babilon-Teufenbacher, Geschäftsführerin der CPC Austria. Sie thematisierte das Spannungsfeld zwischen kurzfristigen Effizienzgewinnen und dem Aufbau neuer KI-Kompetenzen innerhalb von Organisationen. Angesichts des demografischen Wandels, der auch im Publikum intensiv diskutiert wurde, sieht sie KI-Adoption als wichtigen Hebel, um Unternehmen trotz absehbarer altersbedingter Personalabgänge handlungsfähig zu halten. "People First heißt für uns nicht, auf die Bremse zu treten, sondern den Wandel aktiv und verantwortungsvoll zu gestalten, bevor die technologische Entwicklung vollendete Tatsachen schafft", betonte Babilon-Teufenbacher. Entscheidend sei demnach, Mitarbeitende frühzeitig einzubinden und KI nicht nur als Effizienzwerkzeug, sondern als Befähiger für Innovation und Zukunftsfähigkeit zu verstehen.
Cyber Resilience als Wettbewerbsfaktor
Zum Abschluss zeigte Rüdiger Heins, Director IT-Security bei iteratec, anhand des Systems "PENG", wie KI-Agenten bereits heute in IT-Security-Teams eingesetzt werden können. Die Lösung hilft dabei, tausende automatisierte Scans zu gewichten und Schwachstellenberichte auf Expertenniveau zu erstellen. Zugleich verwies Heins auf die wachsende Bedeutung von Cyber Resilience: "Wir leben in einer Zeit, in der wir Angriffe als gegeben voraussetzen müssen – ebenso wie die Tatsache, dass manche dieser Angriffe erfolgreich sein werden. Das Ziel lautet daher, trotz einer erfolgten Intrusion voll geschäftsfähig zu bleiben. KI-Agenten sind hierbei der entscheidende Hebel, um von der reinen Prävention zur schnellen Erkennung und Wiederherstellung zu gelangen."
Eindrücke vom Event finden Sie in der Galerie.
www.iteratec.com
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