KSV1870 Zahlen für das 1. Halbjahr 2026
Diese Branchen dominieren die Insolvenzstatistik

Im ersten Halbjahr 2026 ist zwar die Zahl der Unternehmenspleiten in Österreich leicht zurückgegangen, dennoch bleibt das Niveau insgesamt hoch, während sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für viele Betriebe weiterhin als herausfordernd darstellen. 

In Österreich mussten im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 3.401 Unternehmen Insolvenz anmelden, was einem Rückgang von 2,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Durchschnitt sind damit rund 19 Unternehmen pro Tag betroffen. 

Die geschätzten vorläufigen Passiva belaufen sich auf 4,243 Milliarden Euro und liegen damit um 4,2 Prozent unter dem Vorjahreswert. Insgesamt waren 9.800 Arbeitnehmer:innen betroffen (-6,7 Prozent), während die Zahl der Gläubiger:innen auf 23.500 gestiegen ist (+13 Prozent). Das zeigt der KSV1870 Bericht für das erste Halbjahr 2026.

Die Zahl der eröffneten Verfahren sank um neun Prozent auf 1.987 Fälle, während 1.414 Verfahren mangels kostendeckenden Vermögens nicht eröffnet wurden (+7,3 Prozent). Die Struktur der eröffneten Verfahren setzt sich aus 32 Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung, 239 Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung sowie 1.716 Konkursverfahren zusammen.

Unternehmensinsolvenzen 1. Halbjahr 2026 © KSV1870 

Wirtschaftliches Umfeld bleibt angespannt

Die wirtschaftliche Lage österreichischer Unternehmen bleibe weiterhin von mehreren gleichzeitig wirkenden Belastungsfaktoren geprägt. Dazu zählen konjunkturelle Schwäche, hohe Finanzierungskosten, steigende Personalkosten sowie geopolitische Unsicherheiten. Besonders herausfordernd sei dabei die Kombination dieser Faktoren, die viele Betriebe gleichzeitig unter Druck setzt.

Vor diesem Hintergrund bleibt das Insolvenzgeschehen auf einem insgesamt hohen Niveau. "Der leichte Rückgang ist ein positives Signal, dennoch bleibt die Zahl der Firmenpleiten auf einem unverändert hohen Niveau, das auch in der Vergangenheit nur selten verzeichnet wurde", sagt Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz.

Deutliche regionale Unterschiede

Regional zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Wien verzeichnet 1.291 Insolvenzen (-4,6 Prozent), Niederösterreich 569 (+2,5 Prozent), das Burgenland 105 (-4,5 Prozent), Oberösterreich 410 (+5,4 Prozent), Salzburg 176 (-18,5 Prozent), Vorarlberg 101 (+38,4 Prozent), Tirol 152 (-30,9 Prozent), die Steiermark 388 (+2,6 Prozent) und Kärnten 209 (+6,1 Prozent).

Gesamtinsolvenzen nach Bundesländern – 1. Halbjahr 2026 © KSV1870

Auch bei den Passiva zeigen sich deutliche Unterschiede: Wien hat 1.075 Millionen Euro an Passiva (-53,4 Prozent), Niederösterreich 228 Millionen Euro (-25,0 Prozent), Burgenland 99 Millionen Euro (+153,8 Prozent), Oberösterreich 170 Millionen Euro (-9,6 Prozent), Salzburg 84 Millionen Euro (+12,0 Prozent), Vorarlberg 97 Millionen Euro (+162,2 Prozent), Tirol 1.788 Millionen Euro (+58,1 Prozent), Steiermark 597 Millionen Euro (+241,1 Prozent) und Kärnten 105 Millionen Euro (-39,0 Prozent).

Branchen mit klaren Schwerpunkten

Das Insolvenzgeschehen konzentriert sich laut dem KSV1870 weiterhin stark auf drei zentrale Branchen, die gemeinsam rund 44 Prozent aller Fälle ausmachen. Im Handel wurden 553 Insolvenzen mit Passiva von 236 Millionen Euro verzeichnet, im Baugewerbe 495 Fälle mit 226 Millionen Euro und in der Beherbergung und Gastronomie 441 Fälle mit 139 Millionen Euro.

Während Handel (-6,3 Prozent) und Bau (-2,8 Prozent) leicht rückläufig sind, steigt die Gastronomie um 8,4 Prozent. Als Ursachen werden hohe Betriebskosten, Personalmangel, geringe Margen sowie intensiver Wettbewerb genannt. Zusätzlich verschärfen verkürzte Öffnungszeiten aufgrund fehlender Arbeitskräfte die wirtschaftliche Situation vieler Betriebe.

Weitere Rückgänge zeigen sich im Grundstücks- und Wohnungswesen (-13,2 Prozent mit 270 Fällen) sowie in der Herstellung von Waren (-17,5 Prozent mit 137 Fällen).

Zunahme nicht eröffneter Verfahren

Die Zahl der mangels Vermögens nicht eröffneten Insolvenzverfahren steigt auf 1.414 Fälle (+7,3 Prozent). Diese Entwicklung führt dazu, dass Forderungen der Gläubiger:innen in diesen Fällen vollständig abgeschrieben werden müssen und damit eine zusätzliche wirtschaftliche Belastung entsteht, so der KSV1870. 

In diesem Zusammenhang wird auch auf strukturelle Auswirkungen hingewiesen. "Je mehr solcher nicht eröffneten Verfahren vorliegen, desto schwieriger wird es auch für finanziell gesunde Unternehmen, ihre wirtschaftliche Stabilität langfristig zu halten", so Götze.

Rückgang der Passiva durch weniger Großinsolvenzen

Der Rückgang der Gesamtpassiva ist vor allem auf eine geringere Anzahl sehr großer Insolvenzfälle zurückzuführen. Während im Vorjahr noch 14 Verfahren mit Passiva von mindestens 50 Millionen Euro registriert wurden, waren es im ersten Halbjahr 2026 nur sechs.

Großinsolvenzen nach Passiva – 1. Halbjahr 2026 © KSV1870

Die größte Insolvenz betrifft die Laura Privatstiftung aus Innsbruck in Tirol mit 1,708 Milliarden Euro. Es folgen die Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG aus Wien mit 320 Millionen Euro, die LL-resources GmbH aus Graz mit 131 Millionen Euro, die Domaines Kilger GmbH & Co KG aus Gamlitz mit 83 Millionen Euro, die FOP Immobilienbesitz beta GmbH aus Parndorf mit 68 Millionen Euro, die Domaines Kilger GmbH aus Wies mit 50 Millionen Euro, Essl Helmut aus Wien mit 45 Millionen Euro, die StreamView GmbH aus Wien mit 37 Millionen Euro, die Pfarrwiese Condos Entwicklungs GmbH aus Wien mit 35 Millionen Euro sowie Prof. DI Dr. Gerhard Kraml aus Wien mit 33 Millionen Euro.

Ausblick auf das Gesamtjahr 2026

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der KSV1870 rund 6.800 Unternehmensinsolvenzen und damit ein Ergebnis auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass sich die Insolvenzdynamik im Jahresverlauf saisonal abschwächen könnte, insbesondere im dritten Quartal.

Auch die strukturellen Herausforderungen bleiben Thema. "Als KSV1870 stehen wir jederzeit für konstruktive Gespräche über eine zukünftige Abwicklung derartiger Verfahren zur Verfügung. Auch wenn ein erster Reformvorschlag auf konzeptiver Ebene geblieben ist, sind wir bereit, an einer sinnvollen Lösung aktiv mitzuwirken", so die abschließende Einordnung von Götze.

www.ksv.at

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