Interview mit Sandra Thier
"Wir sind total auf Kurs und dieses Jahr steht ganz klar im Zeichen von Wachstum"

Sandra Thier war fast zwei Jahrzehnte lang in der Medienbranche tätig, bevor sie 2024 den Digital Healthclub gründete. Im LEADERSNET-Interview spricht sie u.a. über den Wunsch des Neuanfangs, über Datenschutz sowie über Partnerschaften und darüber, was sie im ersten Jahr als Health-Unternehmerin über die österreichische Fitness-Moral gelernt hat. 

LEADERSNET: Liebe Frau Thier, Sie waren jahrelang als Journalistin und Moderatorin aktiv, bevor Sie im vergangenen Jahr den Digital Healthclub (LEADERSNET berichtete) gegründet haben, der Sie in die Gesundheitsbranche führte. Was war der konkrete Auslöser und wie viel Mut braucht es, neue Wege zu bestreiten?

Sandra Thier: Ich war insgesamt 18 Jahre in der Medienbranche tätig, davon rund zwölf Jahre vor der Kamera, vor allem bei RTL II. Und auch wenn ich diese Zeit sehr geschätzt habe, kam irgendwann der Punkt, an dem ich gespürt habe, dass ich mich weiterentwickeln und etwas Eigenes aufbauen möchte. Deshalb habe ich 2015 ganz bewusst einen Neuanfang gewagt und mit diego5 studios die erste Influencer-Agentur Österreichs gegründet. Ende 2022 habe ich meine Anteile verkauft, da für mich ein neuer Lebensabschnitt begonnen hat: 2023 wurde mein Sohn geboren, und ich wollte mich in dieser Zeit ganz auf meine Familie konzentrieren. Was mich aber durch all diese Stationen begleitet hat, ist der Mut, neue Wege zu gehen. Und genau daraus ist auch unser aktuelles Projekt entstanden: Seit 2024 arbeiten wir am Digital Healthclub. Unsere Vision ist dabei sehr klar: Wir wollen Europas größte Health Video-Plattform aufbauen. Ganz nach unserem Motto: #health4everyone.

LEADERSNET: Sie sind nun über ein Jahr am Markt. Wie wird das Angebot angenommen und welches Feedback hat Sie am meisten überrascht oder hat dazu geführt, das Produkt anzupassen?

Thier: Seit April letzten Jahres lief die Closed-Beta-Version, das heißt, wir haben gemeinsam mit sieben Unternehmen intensiv getestet, gelernt und das Produkt weiterentwickelt. Und wir freuen uns besonders, dass das Feedback durchwegs sehr positiv ist, sowohl von Unternehmens- und HR-Verantwortlichen als auch von Mitarbeiter:innen und unseren Expert:innen. Deshalb kann ich sagen: Wir sind total auf Kurs und dieses Jahr steht ganz klar im Zeichen von Wachstum.

LEADERSNET: Sie bezeichnen den Digital Healthclub oft auch als eine Art "Streamingplattform für die Gesundheit". Wie schaffen Sie es konkret, trockene medizinische Fakten in Content zu verwandeln?

Thier: Der My Digital Healthclub ist eine B2B-Plattform und App, die mentale und körperliche Gesundheit miteinander verbindet. Wir decken aktuell 14 Themenfelder ab, haben bereits über 500 Videos im Angebot und wachsen laufend weiter. Was uns dabei besonders wichtig ist, dass die Inhalte komplett werbefrei und auf allen Devices jederzeit konsumierbar sind. Das Interface ist bewusst einfach und intuitiv aufgebaut, sodass man sich sofort zurechtfindet. 
Unser Ziel ist es, sogenannte "Gesundheitssnacks" zu schaffen, also kurze, leicht zugängliche Inhalte, die man unkompliziert in den Alltag integrieren kann. Kurz gesagt: Wir wollen Gesundheit niederschwellig und für alle zugänglich machen.

LEADERSNET: Gesundheit ist ein sensibles Thema. Wie nehmen Sie den Mitarbeiter:innen, die die Plattform nutzen, die Angst, dass Arbeitgeber:innen durch die Nutzung Einblicke in den persönlichen Gesundheitszustand bekommen?

Thier: Datenschutz steht bei uns an oberster Stelle. Bei uns muss niemand persönliche Daten preisgeben. Die Anmeldung erfolgt ausschließlich über die Firmen-Mail-Adresse. Den Account kann jede:r ganz frei benennen, auch mit einem Fantasienamen. Ganz wichtig ist, dass wir nicht sehen, wer sich welche Inhalte anschaut. Wir arbeiten ausschließlich mit anonymisierten, aggregierten Daten, also zum Beispiel, welche Themen insgesamt am häufigsten geklickt 
werden. Das eröffnet Unternehmen spannende Möglichkeiten: wenn etwa Rückenübungen besonders gefragt sind, können gezielt weitere Maßnahmen oder Angebote in puncto ergonomische Arbeitsplätze gesetzt werden. Oder man holt genau die Expert:innen, die besonders oft geklickt werden, als Keynote Speaker:innen ins Unternehmen. Unsere Haltung ist dabei ganz klar: Die Daten gehören den Nutzer:innen. Punkt. Und wir merken auch, wenn 
man so transparent ist, und nichts versteckt, entsteht Vertrauen erstaunlich schnell.

LEADERSNET: Zudem betonen Sie, dass Gesundheitsvorsorge kein Soloprojekt ist. Wie kann der Digital Healthclub dazu beitragen, das staatliche Gesundheitssystem langfristig zu entlasten?

Thier: Wir verstehen uns ganz klar als Präventions- und Longevity-Plattform. Unser Ziel ist es, Gesundheitskompetenz aufzubauen und für Unternehmen wie auch für Nutzer:innen ein verlässlicher Partner zu sein. Was uns dabei besonders wichtig ist: hinter unseren Inhalten stehen echte Menschen, hochqualifizierte Expert:innen mit fundierten Ausbildungen und einer echten Leidenschaft für Gesundheitsthemen. Genau diese Kombination aus fachlicher 
Qualität und persönlichem Engagement macht für uns den Unterschied.

LEADERSNET: Der Digital Healthclub hat in kurzer Zeit namhafte Partner wie Generali gewonnen. Welche strategischen Partnerschaften stehen als Nächstes an? Gibt es eine Partnerschaft, die Sie sich wünschen?

Thier: Die richtigen Partner an seiner Seite zu haben ist wesentlich. Deshalb wollen wir genau dorthin, wo Menschen ihren Alltag verbringen, in Unternehmen, zu Versicherungen und in den Bildungsbereich. Für uns sind vor allem jene Partner spannend, die Gesundheit nicht nur "anbieten", sondern sie wirklich ernst nehmen und langfristig denken.

LEADERSNET: Journalist:innen wollen ja immer die Wahrheit wissen. Was war die härteste Wahrheit, die Sie im ersten Jahr als Health-Unternehmerin über die österreichische Fitness-Moral gelernt haben?

Thier: Die größte Erkenntnis für mich war: Zu Beginn steht immer das Wissen, aber genauso wichtig ist das Ausprobieren und ins Tun kommen. Und gleichzeitig sehe ich, dass genau darin auch die größte Herausforderung liegt: Gesundheit langfristig in den Alltag zu integrieren. Hier setzt der My Digital Healthclub direkt mit unseren, bereits angesprochenen, "Health Content 
Snacks" an. Wenn man dranbleibt, kann das wirklich einen Unterschied machen.

LEADERSNET: Und zu guter Letzt: Unser Gesundheitssystem repariert meistens erst, wenn es kaputt ist. Wenn der Digital Healthclub ein Medikament wäre – welche Nebenwirkungen hätte er (außer akuter Lebensfreude und weniger Krankenständen)?

Thier: Die "Nebenwirkungen" wären definitiv mehr Eigenverantwortung und im besten Fall ein spürbarer Zugewinn an Energie, mentaler Klarheit und ein deutlich besseres Körpergefühl.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.digitalhealthclub.at

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