Fotos vom IV OÖ Empfang 2026
Industrie drängt auf Strukturreformen und weniger Regulierung

| Tobias Seifried 
| 17.06.2026

Unter dem Motto "Mut zur Veränderung" lud die IV OÖ zu ihrem jährlichen Empfang. Angesichts wachsender Standortprobleme fordert sie eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und setzt zugleich auf KI und regionale Stärken.

Vor einer voll besetzten Kepler Hall am Campus der Johannes Kepler Universität Linz diskutierte die Industriellenvereinigung Oberösterreich (IV OÖ) beim traditionellen Industrieempfang, bei dem erneut Nina Kraft durch den Abend führte, über die Zukunft des Wirtschaftsstandorts. Trotz geopolitischer Unsicherheiten, wirtschaftlicher Herausforderungen und zunehmenden internationalen Wettbewerbs zeigte sich die Stimmung unter den Vertreter:innen der heimischen Industrie zuversichtlich. Die wirtschaftliche Erholung werde sich in den kommenden Monaten fortsetzen, lautete der Tenor der Veranstaltung.

"Mut zur Veränderung"

Unter dem Motto "Mut zur Veränderung" forderte Thomas Bründl, Präsident der IV OÖ, mehr Freiräume für Unternehmen und weniger staatliche Eingriffe. Österreich habe in den vergangenen Jahren an Attraktivität als Industriestandort verloren, gleichzeitig verfüge Oberösterreich über eine starke industrielle Basis, hohe Innovationskraft und international anerkannte Forschungseinrichtungen. Besonders im Bereich Künstliche Intelligenz habe sich das Bundesland zu einem europäischen Schwerpunkt entwickelt.

Kritisch äußerte sich Bründl zum aktuellen Reformtempo in Österreich. Es brauche Rahmenbedingungen, die Eigenverantwortung stärken und Unternehmen mehr Handlungsspielraum geben. "Mehr Markt und weniger regulatorische Felsbrocken" müssten das Wirtschaften wieder einfacher machen. Zudem sprach sich die IV OÖ für weniger Bürokratie, weniger Berichtspflichten und einfachere Verfahren aus.

Kritik kam auch am Doppelbudget des Bundes auf. Bründl erklärte, dieses zeige "keinen glaubhaften Weg aus der Krise auf" und verschiebe notwendige Entscheidungen in die Zukunft. Die Industriellenvereinigung fordert unter anderem Reformen im Pensions-, Gesundheits- und Verwaltungsbereich.

Dänemark als Vorbild

Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, untermauerte diese Forderungen mit wirtschaftlichen Kennzahlen. Österreich müsse bei der Geschwindigkeit von Veränderungen deutlich zulegen und könne sich dabei an Dänemark orientieren, das den wirtschaftlichen Strukturwandel seit den 2010er-Jahren deutlich rascher vorangetrieben habe. Die Bundesregierung müsse aus seiner Sicht mehr Reformbereitschaft zeigen und notwendige Maßnahmen ambitionierter umsetzen.

Gleichzeitig verwies Helmenstein darauf, dass Oberösterreich seine Entwicklung nicht von Entscheidungen auf Bundesebene abhängig machen dürfe. Statt auf eine Angleichung der Regionen zu setzen, gelte es, bestehende Stärken gezielt auszubauen und neue Wachstumsfelder zu erschließen.

Kritik am "Gold Plating"

Im Energiebereich warnte die IV OÖ vor steigenden Gesamtsystemkosten der Energiewende. Joachim Haindl-Grutsch, Geschäftsführer der IV OÖ, betonte, wettbewerbsfähige Energiepreise und Versorgungssicherheit seien zentrale Voraussetzungen für Beschäftigung, Investitionen und Wohlstand. Bei energiepolitischen Entscheidungen müsse daher stärker auf die Gesamtkosten des Systems geachtet werden.

Kritik übte die Industriellenvereinigung zudem an Österreichs Ziel, bereits 2040 Klimaneutralität zu erreichen. Eine von der IV OÖ beauftragte Studie komme zu dem Ergebnis, dass ein Vorziehen des Ziels gegenüber dem EU-Zeitplan zusätzliche wirtschaftliche Belastungen verursachen könnte. Haindl-Grutsch erklärte, die Bundesregierung schwäche den Standort dadurch zusätzlich und wäre gut beraten, "dieses Gold Plating angesichts der bedrohlichen Lage des Industriestandortes zurückzunehmen".

Hochkarätiges Panel

Dass es mehr Mut zur Veränderung brauche, darin waren sich auch die Teilnehmer der abschließenden Talkrunde einig. Diskutiert haben Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Landeshauptmann Thomas Stelzer, IV-Präsident Georg Knill und IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl.

Einigkeit bestand zudem darin, dass sich Oberösterreich als starke Industrieregion durch verstärkte Investitionen in Forschung, Qualifizierung und neue Technologien widerstandsfähiger aufstellen müsse, um aus der aktuellen Krisenphase gestärkt hervorzugehen. Die finanziellen Voraussetzungen dafür seien aufgrund der langjährigen soliden Budgetpolitik des Landes vorhanden.

Gästeliste

Ebenfalls beim Industrieempfang gesehen wurden unter anderem F. Peter Mitterbauer (Miba), Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauß (Fronius), Stefan Pierer, Landesrat Markus Achleitner, Karl Kletzmaier (Keba), Andreas Klauser (Palfinger), Klaus Kumpfmüller (Hypo Oberösterreich), Stefan Sandberger (Raiffeisenlandesbank Oberösterreich), Gerald Silberhumer (WKO Oberösterreich), Stefan Koch (JKU), Thomas Gegenhuber, Christiane Tusek (JKU), Albert Ortig (Netural), Ulrike Rabmer-Koller, Peter Sticht (Stiwa), Leonhard Schitter (Energie AG), Erich Wiesner (Wiehag), Markus Hofer (NEOS), Clemens Malina-Altzinger (Reform-Werke), Dietmar Prammer sowie Christiane Frauscher.

LEADERSNET war beim Industrieempfang. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.oberoesterreich.iv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV