Fotos vom Tourismustag 2026
Österreichs Tourismus startet große KI-Offensive

Eine neue Strategie für Künstliche Intelligenz und Internationalisierung soll den Strukturwandel in der Branche begleiten. Vorgestellt wurden die Pläne vom Ministerium, der WKÖ und der Österreich Werbung beim Tourismustag.

Beim Pressegespräch anlässlich des Österreichischen Tourismustages (ÖTT) erörterten hochrangige Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft die strategische Ausrichtung der heimischen Urlaubsbranche. Angesichts des technologischen Wandels durch Künstliche Intelligenz und verschobener internationaler Marktlogiken legten Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Staatssekretärin Elisabeth Zehetner, WKÖ-Präsidentin Martha Schultz sowie Österreich-Werbung-Geschäftsführerin Astrid Steharnig-Staudinger die Leitlinien zur Sicherung der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit dar.

Weichenstellung durch "Vision T"

Im Mittelpunkt der Erörterungen standen drei eng miteinander verzahnte Zukunftsthemen: der technologische Fortschritt durch Künstliche Intelligenz, die veränderten Ansprüche der zukünftigen Gästegenerationen – insbesondere der Generation Z – sowie die weitere Internationalisierung des österreichischen Tourismusstandorts.

Als strategische Grundlage dient hierbei das aktuelle Regierungsprogramm in Kombination mit dem am Vortag präsentierten Zukunftsbild "Vision T". Auf dieser Basis hat das Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) die Österreich Werbung damit beauftragt, einen dedizierten KI-Fahrplan für die Branche zu entwickeln und die weltweite Marktbearbeitung neu auszurichten. Um diese Internationalisierung systematisch im Tourismusmarketing zu verankern, wird künftig ein modifiziertes Märktebewertungsmodell eingesetzt.

Einsatz von KI zur Stärkung des Marktes

Laut Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer werde Künstliche Intelligenz "die Spielregeln im internationalen Wettbewerb grundlegend verändern". Wer künftig sichtbar bleiben und neue Gäste gewinnen wolle, müsse die Entwicklung aktiv mitgestalten. Mit einem eigenen KI-Fahrplan und einem neuen Märktebewertungsmodell gebe man daher den Startschuss für die nächste Phase des internationalen Tourismusmarketings. "Unser Ziel ist klar: Österreich soll nicht nur zu den beliebtesten Reisezielen der Welt zählen, sondern auch zu den innovativsten und wettbewerbsfähigsten Tourismusstandorten", so Hattmannsdorfer.

Zielgruppe: Gen Z

Die Untersuchung "Reisen der Gen Z" der Österreich Werbung liefert daher konkrete Kennzahlen zu den künftigen Gästegruppen. Demnach umfasst die Zielgruppe in den europäischen Kernmärkten Österreichs rund 48 Millionen Menschen und zeichnet sich durch eine überdurchschnittliche Reiseaktivität aus. Für das Tourismusmarketing relevant ist das kurze Buchungsfenster: Nahezu 50 Prozent der Reisen werden erst in den letzten vier Wochen vor dem Start geplant. Bei der Entscheidungsfindung dominieren digitale Plattformen und das persönliche Umfeld, während das Produktinteresse stark in Richtung authentischer und aktiver Erlebnisse tendiert.

Laut Staatssekretärin Elisabeth Zehetner bietet die "Vision T" einen "klaren Kompass für die Zukunft des Tourismus in Österreich". Da die Gen Z die künftigen Gäste, Mitarbeitenden und Unternehmer:innen stelle, spiele sie eine Schlüsselrolle. "Wer die Zukunft unserer Konjunkturlokomotive Tourismus gestalten will, muss ihre Erwartungen verstehen und sie aktiv in die Gestaltung einbinden", forderte Zehetner. Mit dem neuen Beteiligungsformat "GenZ goes GenT" schaffe man nun Möglichkeiten, junge Menschen direkt in tourismuspolitische Entscheidungen einzubringen. Die vorliegende Studie liefere dafür die notwendigen Erkenntnisse zur zukunftsfiten Weiterentwicklung des Standorts.

Die Studie "Reisen der Gen Z" finden Sie hier

Menschlicher Faktor bleibt trotz KI entscheidend

WKÖ-Präsidentin Martha Schultz betonte, dass der Erfolg des österreichischen Tourismus in den Betrieben durch das Engagement von Eigentümer:innen und Mitarbeitenden entstehe. Angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Kosten und internationalem Wettbewerb müssten die Chancen von Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz und neuen Märkten konsequent genutzt werden. Dadurch ließen sich Wertschöpfung, Beschäftigung und Lebensqualität in den Regionen langfristig sichern. Die Wirtschaftskammer unterstütze die Betriebe hierbei mit Information, Weiterbildung und der Marktexpertise der Außenwirtschaft Austria. "KI kann Betriebe entlasten und neue Möglichkeiten eröffnen – den entscheidenden Unterschied machen aber weiterhin die Menschen, die Qualität, Persönlichkeit und österreichische Gastfreundschaft erlebbar machen", so Schultz. 

Neues Reiseverhalten notiert

Parallel zu den veränderten Erwartungen der Gäste verschiebt Künstliche Intelligenz die Mechanismen bei der Reiseplanung und -buchung. Die Untersuchung "KI und Reisen" verdeutlicht, dass Technologie in sämtlichen Phasen der Customer Journey an Relevanz gewinnt. In einigen Märkten greifen bereits über 40 Prozent der Reisenden bei der Inspiration, der Detailplanung oder direkt während des Aufenthalts auf KI-Anwendungen zurück. Diese Entwicklung verändert die Informationsverarbeitung grundlegend, da Entscheidungen zunehmend außerhalb klassischer Suchmaschinen oder etablierter Buchungsplattformen fallen. Für das touristische Marketing resultiert daraus die Notwendigkeit, Kommunikationsstrategien anzupassen und die Datenqualität sowie die Sichtbarkeit in KI-Systemen und sozialen Netzwerken zu priorisieren. 

Laut Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der Österreich Werbung, entscheiden die Gäste von morgen anders als jene von gestern. Es reiche daher nicht mehr aus, bloß sichtbar zu sein: "Wir müssen dort präsent sein, wo Inspiration entsteht und Reiseentscheidungen getroffen werden: auf Social Media, über Empfehlungen und zunehmend auch in KI-gestützten Anwendungen." Österreich müsse sich dafür nicht neu erfinden, seine Stärken aber für neue Zielgruppen besser herausarbeiten. Als Fundament nannte Steharnig-Staudinger eine KI-Strategie und den Aufbau einer zukunftsfähigen Datenbasis in enger Abstimmung mit dem Tourism Data Space. Zusammen mit weiterentwickelten Marktanalysen schaffe dies die Voraussetzungen, um "Österreichs internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu stärken".

Die Studie "KI und Reisen" finden Sie hier

Österreichischer Tourismustag

Der diesjährige Österreichische Tourismustag, der unter dem Motto "Ein (Er)Lebensgefühl, das bleibt" stattgefunden hatte, diente als zentrale Plattform, um Lösungsansätze für den strukturellen Wandel der Branche zu erörtern. Rund 900 Vertreter:innen aus der Tourismuswirtschaft, der Forschung und den politischen Entscheidungsgremien folgten der gemeinsamen Einladung des Bundesministeriums, der Wirtschaftskammer und der Österreich Werbung. Im Fokus der Fachvorträge und Keynotes standen die Erschließung neuer Zielgruppen sowie technologische Transformationsprozesse. Die Veranstaltung setzte damit datenbasierte Impulse, um den österreichischen Tourismus an die veränderten globalen Rahmenbedingungen anzupassen.

Einen Eindruck vom Österreichischen Tourismustag können Sie mittels Galerie gewinnen. 

www.b2b.austria.info

www.bmwet.gv.at

www.wko.at

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