Großes Interesse herrschte bei der jüngsten Ausgabe der Business-Talk-Reihe "Reden in der Eden" der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation Wien. Die Historikerin und Digital-Humanities-Forscherin Emily Kate Genatowski (siehe Infobox) war gemeinsam mit dem humanoiden Roboter Tova in die Wiener Eden Bar gekommen und berichtete dort über ein Forschungsprojekt, das ihr Einblicke in die praktische Mensch-Roboter-Interaktion ermöglichte.
Vom Forschungsinteresse zum Selbstversuch
Während Künstliche Intelligenz bereits zahlreiche Arbeitsabläufe verändert und den Alltag vieler Menschen prägt, zeichnen sich mit humanoiden Robotern weitere Entwicklungen ab. Vor allem in China, wo entsprechende Modelle bereits vor der Serienproduktion stehen, werde sichtbar, wie technologische Entwicklungen künftig auch das tägliche Leben beeinflussen könnten.
Für Emily Kate Genatowski war dies Anlass, sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Weil zahlreiche Fragen zu humanoiden Robotern von Herstellerseite nicht ausreichend beantwortet worden seien, entschied sie sich für einen ungewöhnlichen Praxistest. Ein Jahr lang lebte sie gemeinsam mit dem Roboter Tova in Wien.
"Die Ingenieursarbeit konzentriert sich auf Skills und Funktionalität. Mich hat aber primär interessiert, wie man einen Roboter in reale Lebenswelten integrieren kann. Da ich ein neugieriger Mensch bin, habe ich versucht, diese Forschungslücke mit meinem Experiment zu schließen", sagt Genatowski.
Im Zuge des Experiments seien zahlreiche Fragen aufgetaucht, die weit über technische Aspekte hinausgehen würden. So habe die Forscherin unter anderem untersucht, wie ein Roboter auf einen Hund reagiert, wer haftet, wenn ein Roboter einen Gegenstand beschädigt, oder ob für einen humanoiden Begleiter in öffentlichen Verkehrsmitteln eigene Regelungen gelten müssten.
Fehlende Regeln für neue Technologien
Viele dieser Fragen könnten derzeit nur eingeschränkt beantwortet werden. Nach Einschätzungen von Genatowski fehlen bislang die rechtlichen Grundlagen für den Umgang mit KI-gesteuerten Robotern im Alltag. Dabei gehe es ihrer Ansicht nach nicht um individuelle Vorlieben, sondern um gesellschaftliche Rahmenbedingungen. "Wenn ich mir heute einen Roboter anschaffe, dann betrifft das auch meine Nachbar:innen. Vor allem in Hinblick auf rechtliche Standards, die für alle gelten müssen", so die Historikerin.
Ob Zutrittsregelungen, Haftungsfragen oder Anforderungen an öffentliche Räume, neue Standards würden letztlich alle Menschen betreffen. Deshalb plädiere die Forscherin dafür, möglichst viele Perspektiven in die Diskussion über Robotik einzubeziehen.
Zugleich verwies sie darauf, dass auch Roboter den jeweiligen nationalen Rechtsordnungen unterliegen würden. Während innerhalb der Europäischen Union etwa die Vorgabe der Datenschutz-Grundverordnung einzuhalten seien, würden in China deutlich lockerere Regelungen gelten. In den USA wiederum kämen andere rechtliche Rahmenbedingungen zur Anwendung. Viele dieser Systeme müssten erst geschaffen beziehungsweise weiterentwickelt werden, um den technologischen Fortschritt begleiten zu können.
Wenn KI-Agenten zu Konsumentscheidern werden
Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war das sogenannte Agentic Marketing. Darunter wird die zunehmende Rolle von KI-Agenten verstanden, die Kaufentscheidungen beeinflussen, vorbereiten oder teilweise selbstständig treffen können.
Für Unternehmen bedeute das, Informationen künftig nicht nur für Menschen aufzubereiten. Inhalte müssten zunehmend auch von KI-Systemen verstanden, verarbeitet und bevorzugt ausgewählt werden können. Dass dadurch emotionale Markenkommunikation an Bedeutung verlieren werde, hält Genatowski allerdings für unwahrscheinlich.
"Humanoide Roboter werden zwar Aufgaben wie den Einkauf übernehmen, aber sie handeln im Auftrag von Menschen. Mit Sicherheit werden in Zukunft KI-Agenten – auch in Form von Robotern – unsere Kaufentscheidungen ergänzen", so Genatowski.
Sie glaube jedoch nicht, dass Menschen ihre Entscheidungsfreiheit vollständig an Maschinen abgeben würden. Vielmehr könne sie sich vorstellen, dass sich Entwicklungen künftig auch wieder in die entgegengesetzte Richtung bewegen könnten.
Viele Fragen bleiben offen
Trotz der rasanten technologischen Entwicklung seien zahlreiche Themen weiterhin ungeklärt. Das betreffe sowohl die Datensicherheit als auch Fragen der physischen Sicherheit im Umgang mit Robotern.
Mit ihrem Selbstversuch habe Genatowski jedoch einen wichtigen Diskurs angestoßen und dazu beigetragen, die gesellschaftlichen Auswirkungen humanoider Robotik greifbarer zu machen.
Austausch in der Eden Bar
Beim anschließenden Networking nutzten zahlreiche Vertreter:innen aus Wirtschaft, Werbung, Kommunikation und Medien die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Unter den Gästen waren unter anderem Roland Grafl (Fachgruppen Obmann Stv. und Business Support), Jürgen Bauer (Omnes Werbe GmbH), Louisa Böhringer (Personal Branding), Jürgen Columbini (GF Unique Werbeagentur), Birgit Fenderl (Moderatorin), Jörg Fessler (GF Unique Werbeagentur), Maximilian Griehlser (Nova Kreativagentur), Leonhard Höller (Advertisery), Christian Kaiser (Kontext kommunikation), Ralf-Wolfgang Lothert (Unternehmer), Stefanie Massak-Bachbauer (Austrian Business Agency GmbH), Eva Mandl (FG Werbung und Marktkommunikation Wien und GF Himmelhoch), Maria Pflug-Hofmayr (Werbeagentur meta-physik), Mario Rossori (Rossori Music und Promotion), Petra Postl (Raiffeisenbank), Caro Strasnik (Fotografin), Alexandra Vetrovsky-Brychta (DMVÖ Präsidentin und CGO Celum), Lisa Weber (Grafik), Günter Weninger (GF Ambient Art) und Brigitte Wimmer (Kontext kommunikation).
Die nächsten Ausgaben von "Reden in der Eden" sind am 17. September und 24. November 2026 geplant.
LEADERSNET war bei der Veranstaltung. Einen Eindruck können Sie sich hier machen.
www.werbungwien.at
www.wko.at/wien
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