Fotos & Video "Peter & Paul"
"Wir müssen 'Made in Europe' stärken, ohne bei Innovation zurückzufallen"

In der neuen "Peter & Paul"-Sendung sprechen Martin Resel (Stv. Vorstandsvorsitzender & CCO Enterprise, A1) und Andreas J. Wagner (CEO, SAP Österreich) u. a. über Europas digitale Abhängigkeiten, den Schutz sensibler Unternehmensdaten und den Spagat zwischen Sicherheit, Kosten und Innovationsfähigkeit.

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Digitale Souveränität – Wer kontrolliert unsere Daten?". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Martin Resel (Stv. Vorstandsvorsitzender & CCO Enterprise, A1) und Andreas J. Wagner (CEO, SAP Österreich). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten der Hofburg Vienna.

Digitale Infrastruktur als Grundlage

Martin Resel ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender & CCO Enterprise von A1. Das Unternehmen zählt zu den führenden Kommunikationsanbietern Österreichs und bietet unter anderem Sprachtelefonie, Internetzugang, digitales Kabelfernsehen sowie Daten-, IT-, Wholesale-, Business- und Payment-Lösungen an. Laut eigenen Angaben betreut A1 rund 7,1 Millionen Kund:innen und beschäftigt etwa 6.000 Mitarbeitende.

Laut Resel sei digitale Datensouveränität für die österreichische Wirtschaft ein zentrales Thema. "Bei Souveränität geht es grundsätzlich um Selbstbestimmtheit." Konkret betreffe das etwa die Frage, wo Daten gespeichert werden, wer darauf zugreifen darf, ob sie gelöscht werden können und welchen Rechtssystemen sie unterliegen. In diesem Zusammenhang verweist Resel auf die digitale Infrastruktur von A1, die Glasfaser- und Mobilfunknetze, eigene Security Operations Center sowie Rechenzentren in Österreich umfasst. "Wir stellen sicher, dass keine ausländische Regierung und auch sonst niemand unbefugt auf diese Daten zugreifen kann. Damit bilden wir das Rückgrat der Wirtschaft", so der A1-CCO-Enterprise.

Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Lage sieht Resel Europa gefordert, digitale Abhängigkeiten stärker zu hinterfragen. In den vergangenen Jahrzehnten hätten vor allem die USA und China eine Vorreiterrolle übernommen, was in einem stärker globalisierten und friedlicheren Umfeld weniger problematisch gewesen sei. Heute gehe es jedoch darum, kritische Anwendungen und Daten bewusster einzuordnen. "Es ist ganz wichtig, dass wir als Europa investieren, 'Made in Europe' stärker machen und Abhängigkeiten von nicht-europäischen Herstellern durchbrechen", so Resel. Gleichzeitig dürfe Europa dabei nicht bei Innovation zurückfallen. Bestehende Lösungen aus anderen Weltregionen sollten nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber auch nicht unreflektiert genutzt werden. Besonders kritisch seien etwa Bank-, Gesundheits- oder Unternehmensdaten sowie geistiges Eigentum. "Für diese ganz kritischen Applikationen sollten wir tunlichst auf europäische Hersteller setzen."

Daten als strategische Frage

Auch Andreas J. Wagner, CEO von SAP Österreich, sieht digitale Souveränität als zentrale Frage für Europas Wirtschaft und ordnet ein, welche Rolle europäische Technologieanbieter dabei spielen. SAP steht ursprünglich für "Systemanalyse Programmentwicklung" und zählt heute zu den weltweit führenden Anbietern von Anwendungen und KI für Unternehmen. Die Software kommt vor allem dort zum Einsatz, wo Geschäftsprozesse und Daten aus unterschiedlichen Bereichen wie Finanzwesen, Beschaffung, Personalwesen, Lieferkette oder Customer Experience zusammengeführt werden sollen. Ziel sei es, Unternehmen eine einheitliche Sicht auf geschäftskritische Daten zu ermöglichen und damit Abläufe effizienter, transparenter und besser steuerbar zu machen. In Österreich beschäftigt SAP rund 700 Mitarbeiter:innen.

Wagner sieht Europa im Bereich Datensicherheit und digitale Souveränität ebenfalls in einer deutlichen Abhängigkeit von den USA und teilweise auch von China. Das zeige sich laut ihm unter anderem bei der KI-Rechenleistung, von der ein Großteil in den USA und China liege. Eine vollständige Abschottung sei derzeit aber weder realistisch noch sinnvoll. "Wir müssen unsere Daten gezielt segmentieren und entscheiden, wo es sinnvoll ist, wirklich souverän zu agieren – und wo es sinnvoll ist, international zu bleiben, um wettbewerbsfähig zu sein", so der SAP-Österreich-CEO. Souveränität habe dabei mehrere Ebenen: Neben Daten- und Rechtssouveränität gehe es auch darum, wer Rechenzentren betreibt und wo Anwendungen sowie Infrastruktur tatsächlich entstehen.

Für Unternehmen bedeute das laut ihm, ihre Daten nach Kritikalität zu unterscheiden. Besonders sensible Informationen müssten anders behandelt werden als weniger kritische Datenbestände, um Sicherheit und Innovationsfähigkeit miteinander zu verbinden. "Wer alles sichern will, der sichert gar nichts", betont Wagner. Zugleich sei klar, dass der Umgang mit Daten künftig noch stärker über Wettbewerbsfähigkeit entscheiden werde. Europa verfüge über einen enormen Datenschatz, müsse diesen aber sowohl schützen als auch produktiv nutzbar machen. "Wir müssen uns in Europa emanzipieren sowie stärker und unabhängiger werden."

Souveränität wird zur Standortfrage

Die Debatte um digitale Souveränität ist aus Sicht von Resel und Wagner aber auch eine Kostenfrage. Europäische Lösungen, zusätzliche Sicherheitsprozesse und Modelle, bei denen Daten in der EU bleiben, seien mit Mehraufwand verbunden. Resel formuliert es als Grundsatzentscheidung: "Was ist mir Souveränität wert?" Diese Frage stelle sich nicht nur Unternehmen und der Staat, sondern auch Privatkund:innen, etwa bei der Wahl von Plattformen, Anbietern und digitalen Services.

Zugleich sehen beide im Aufbau europäischer Souveränität auch einen Bedarf an Know-how und Arbeitskräften. Wagner verweist darauf, dass KI in der IT zwar bereits Produktivitätsgewinne ermögliche, etwa indem Berater:innen durch KI-Unterstützung Zeit sparen. Resel betont jedoch, dass Europa für mehr digitale Eigenständigkeit zusätzliche Expert:innen benötige: "Wir brauchen diese Arbeitskräfte in Europa wie einen Bissen Brot."

Nicht zuletzt sei laut Wagner auch die Politik gefordert, passende Rahmenbedingungen zu schaffen. Europa verfüge mit Planungs- und Rechtssicherheit über einen wichtigen Standortvorteil, müsse Regulierung aber so gestalten, dass Innovation nicht ausgebremst werde. Gleichzeitig brauche es in besonders kritischen Bereichen klare Sicherheitsstandards. "Es darf nicht zu stark reguliert werden, aber in den kritischen Bereichen muss Sicherheit da sein", sagt Wagner. Digitale Souveränität werde damit nicht nur zur technischen Frage, sondern auch zu einer wirtschafts- und standortpolitischen Aufgabe.

Was Martin Resel und Andreas J. Wagner zum Thema "Digitale Souveränität – Wer kontrolliert unsere Daten?" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal von der feierlichen Gala zum 40-jährigen Bestehen von SAP.

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.a1.net

www.sap.com

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