Laut aktueller Umfrage
Jeder zweite Mann fühlt sich durch Frauenförderung benachteiligt

Laut einer aktuellen Studie klaffen die Ansichten über Gleichstellung und Karrierechancen zwischen den Geschlechtern deutlich auseinander. Zudem zweifeln besonders junge Arbeitnehmer:innen daran, dass Leistung tatsächlich belohnt wird.

Wer Leistung bringt, soll beruflich vorankommen – doch genau dieses Versprechen verliert für viele Menschen in Österreich offenbar an Glaubwürdigkeit, wie eine aktuelle, repräsentative Studie von PwC Österreich, Weconomy und Ketchum (siehe Infobox) zeigt. Besonders kritisch fällt der Blick der jungen Generation aus: So fühlen sich 84 Prozent der 14- bis 19-jährigen Arbeitnehmer:innen vom Arbeitsmarkt ausgenutzt. Beklagt werden unter anderem mangelnde Wertschätzung, eine zu hohe Arbeitsbelastung, zu wenig Gehalt und fehlende Aufstiegschancen. Bei den 50- bis 59-Jährigen teilen hingegen "nur" 42 Prozent dieses Gefühl.

Gleichstellung bleibt oft Anspruch statt Alltag

Untersucht wurden in der Studie darüber hinaus auch Fragen rund um Themen wie Gleichstellung, Rollenbilder, Führungsambitionen und Diskriminierung. Bei ersterem offenbart sich eine deutliche Kluft zwischen Wahrnehmung und Anspruch. Während nur ein Drittel der Frauen (33 %) der Meinung ist, dass in Österreich bereits genug für Gleichstellung getan wurde, sieht das die Hälfte der Männer (50 %) so. Gleichzeitig geben 51 Prozent der Männer an, sich durch Frauenförderung benachteiligt zu fühlen. Dass Frauen grundsätzlich dieselben Karrierechancen haben sollten wie Männer, ist dennoch für 90 Prozent der Befragten klar.

"Gleichstellung wird heute oft symbolisch unterstützt. Sobald es aber um Macht, Einfluss oder strukturelle Veränderungen geht, entstehen Widerstände", erklärt Barbara Redlein, Partnerin & DEI Lead bei PwC Österreich. "Fast jede:r Zweite gibt an, dass im eigenen Unternehmen zwar viel zu Gleichstellung und Vielfalt kommuniziert wird, im Arbeitsalltag aber wenig davon spürbar ist. Das Problem liegt also nicht an fehlender Ambition, sondern an fehlender Konsequenz."

Traditionelle Rollenbilder feiern auf Social Media ein Comeback

Auch abseits formaler Karrierefragen zeigt die Studie, wie stark alte Rollenbilder weiterhin wirken. So sind rund drei Viertel der Befragten (76 %) überzeugt, dass Österreich noch immer von klassischen Vorstellungen geprägt ist, wonach Männer als Hauptverdiener gelten und Frauen vor allem für Kinder und Haushalt zuständig sind. Dabei sieht mehr als die Hälfte (54 %) soziale Medien wie TikTok, Instagram und Co. als Verstärker traditioneller Rollenbilder. Bei den 14- bis 19-Jährigen liegt dieser Anteil sogar bei 73 Prozent.

"Trends wie Tradwives oder Alpha-Male-Content machen überholte Geschlechterbilder massentauglich. Wenn Karriere im echten Leben mit Diskriminierung und Doppelbelastung verbunden ist, während Social Media den Rückzug ins Private glorifiziert, schlägt sich das auch in den Karriereambitionen der Next Gen nieder", erläutert Lola Zweimüller, Account Manager und DEI Lead bei Ketchum, mit Blick auf die Studienzahlen. Demnach würden sich nämlich rund vier von zehn Befragten (41 %) am liebsten ausschließlich Familie und Haushalt widmen. Besonders hoch ist dieser Anteil bei Millennials (51 %) und der Gen Z (44 %).

Karrierewege bleiben von Hürden geprägt

Passend dazu geben gerade einmal 25 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer an, eine Führungsposition anzustreben oder bereits innezuhaben. Grund dafür sind aber oftmals nicht mangelnde Karriereambitionen, sondern strukturelle Unterschiede und ein differenziertes Bewerbungsverhalten zwischen den Geschlechtern. Laut der Studie bewerben sich etwa sechs von zehn Männern (60 %) auch dann auf Stellen, wenn sie nicht alle Anforderungen erfüllen. Bei Frauen sind es 50 Prozent.

"Dieser 'Confidence Gap' entsteht nicht, weil Frauen weniger können, sondern weil sie anders sozialisiert werden. Von klein auf lernen Mädchen, vorsichtig zu sein und erst zu handeln, wenn sie sicher sind. Burschen dagegen werden darin bestärkt, Risiken einzugehen und sich gegenseitig nach vorne zu schieben. Das Ergebnis sehen wir in den Bewerbungszahlen für Führungspositionen, das uns wertvolle Köpfe kostet", ordnet Hermann Sporrer, Geschäftsführer und Co-Founder von Weconomy, ein.

Diskriminierungserfahrungen immer noch keine Seltenheit

Nicht zuletzt verdeutlichen die Studienergebnisse, dass sichtbare Vielfalt noch nicht mit echter Chancengleichheit gleichzusetzen ist. Immerhin haben bereits 29 Prozent der Befragten laut eigenen Angaben schon einmal erlebt, dass Kolleg:innen wegen ihres Alters diskriminiert wurden. Auch Diskriminierungserfahrungen hinsichtlich der Herkunft (26 %) oder der sexuellen Orientierung (23 %) sind keine Seltenheit. Wenig verwunderlich hält sich gerade bei der Gen Z der Eindruck, dass sich die eigene sexuelle Orientierung oder Identität negativ auf die Karriere auswirken kann, wie 31 Prozent dieser Altersgruppe berichten.

"Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten werden mit anderen Erwartungen und Hürden konfrontiert, egal, wie viel geleistet wird. Für viele LGBTQIA+-Personen ist Authentizität am Arbeitsplatz beispielsweise noch immer ein Risiko. Gerade im Pride Month müssen wir das klar aussprechen und hinsehen", appellieren die Studienautor:innen abschließend.

www.pwc.at

www.weconomy.media

www.ketchum.at

Über die Studie

Die von PwC, Weconomy und der Kommunikationsagentur Ketchum in Auftrag gegebene Studie liefert aktuelle Erkenntnisse dazu, wie Menschen in Österreich Gleichstellung, Karrierechancen, Rollenbilder und Diversität im Arbeitsumfeld wahrnehmen. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage des Marketagent Instituts, die im Mai 2026 unter 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in ganz Österreich durchgeführt wurde. Die Ausgangsstichprobe wurde gewichtet und ist repräsentativ für die österreichische Gesamtbevölkerung.

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Über die Studie

Die von PwC, Weconomy und der Kommunikationsagentur Ketchum in Auftrag gegebene Studie liefert aktuelle Erkenntnisse dazu, wie Menschen in Österreich Gleichstellung, Karrierechancen, Rollenbilder und Diversität im Arbeitsumfeld wahrnehmen. Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage des Marketagent Instituts, die im Mai 2026 unter 1.000 Personen im Alter zwischen 14 und 75 Jahren in ganz Österreich durchgeführt wurde. Die Ausgangsstichprobe wurde gewichtet und ist repräsentativ für die österreichische Gesamtbevölkerung.

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