Interview mit Nena Brockhaus
"Empowerment heißt: Verantwortung teilen, Wissen teilen, Macht teilen."

| Redaktion 
| 26.04.2026

Nena Brockhaus ist Autorin, Unternehmerin und Journalistin. Im LEADERSNET-Interview spricht sie u. a. über Erfahrung älterer Generationen als Wettbewerbsvorteil, über "Cross-Generation-Empowerment" und darüber, was Führungspersönlichkeiten tun müssen, um nicht den Anschluss zu verlieren. 

Im Rahmen des 23. Informationstags der Wiener Versicherungsmakler im Palais Ferstel drehte sich unter dem Leitthema "Cross-Generation Empowerment" alles um die Frage, wie Unternehmen die Stärken erfahrener Führungskräfte mit den Perspektiven der jungen Generation verbinden können (LEADERSNET berichtete). Über 500 Branchenvertreter:innen diskutierten dabei, warum der generationenübergreifende Dialog zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. Am Rande der Veranstaltung sprach LEADERSNET mit der Autorin, Unternehmerin und Journalistin Nena Brockhaus u. a. über die Notwendigkeit, das Miteinander der Generationen als strategischen Erfolgsfaktor zu retablieren und darüber, die Expertise älterer Generationen als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. 

  • Nena Brockhaus im Interview

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Brockhaus, warum haben Sie genau diese Generation ins Rampenlicht gestellt – wo doch meist nur von Zukunft und Wandel die Rede ist?

Nena Brockhaus: Weil wir dringend eine Korrektur brauchen. Wir romantisieren das Neue, das Junge, das Disruptive – und vergessen dabei jene, die dieses Land geprägt, Krisen gemeistert und Verantwortung getragen haben. Die "alten, weisen Männer" stehen für Haltung, Konsequenz, Substanz. Es geht mir nicht um Nostalgie. Sondern um Gerechtigkeit im Diskurs. Wir müssen aufhören, Erfahrung wie ein Auslaufmodell zu behandeln. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil – wenn wir sie intelligent mit dem Zukunftsdrang der Jüngeren verbinden.

LEADERSNET: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Versäumnisse im Generationendialog – und wie kommen wir raus aus dieser Trennung?

Brockhaus: Das größte Versäumnis? Wir haben aus einem Miteinander ein Gegeneinander gemacht. Jung gegen Alt – als wäre das ein naturgegebenes Spannungsfeld. Dabei entsteht echter Fortschritt nur dort, wo beide Seiten zusammenkommen: Mut trifft Gelassenheit, Tempo trifft Tiefgang, Innovation trifft Erfahrung. Die Lösung ist glasklar: weg von Parallelwelten, hin zu gemeinsamen Entscheidungsräumen. Wir brauchen generationenübergreifende Teams, die sich reiben dürfen – aber vor allem voneinander profitieren.

LEADERSNET: Wie gelingt Cross-Generation Empowerment konkret – jenseits von schönen Worten?

Brockhaus: Indem wir es endlich tun. Empowerment heißt: Verantwortung teilen, Wissen teilen, Macht teilen. Die Älteren müssen nicht loslassen, sondern weitergeben. Und die Jüngeren müssen verstehen, dass Erfahrung kein Bremsklotz ist, sondern ein Navigationssystem. Erfolgreiche Unternehmen setzen längst auf Mentoring statt Mikromanagement, auf Dialog statt Durchsagen, auf gemischte Teams statt Altersinseln. Das schafft Räume, in denen beide Seiten wachsen – und zwar nicht theoretisch, sondern messbar.

LEADERSNET: Warum ist Cross-Generation Empowerment ein echter Business-Booster?

Brockhaus: Weil es Wirkung hat. Punkt. Unternehmen mit generationenübergreifenden Teams entscheiden klüger, innovieren schneller und überstehen Krisen stabiler. Warum? Weil unterschiedliche Perspektiven Reibung erzeugen – und Reibung ist der Rohstoff für Fortschritt. Die Jungen pushen, die Erfahrenen präzisieren. Die einen experimentieren, die anderen erden. Wer diesen Mix strategisch nutzt, bekommt bessere Ergebnisse und eine Unternehmenskultur, die nicht nur Zukunft verspricht, sondern Zukunft kann.

LEADERSNET: Was sollten erfahrene Führungspersönlichkeiten tun, um nicht den Anschluss zu verlieren?

Brockhaus: Ganz einfach: neugierig bleiben. Die wichtigste Führungsqualität unserer Zeit ist nicht Perfektion, sondern Lernfähigkeit. Wer glaubt, sich auf früheren Erfolg ausruhen zu können, irrt gewaltig. Erfahrene Führungskräfte sollten heute mehr fragen als sagen, mehr zuhören als verkünden und sich bewusst challengen lassen. Gleichzeitig dürfen sie ihren USP nicht vergessen: Sie sind Werteanker. Junge Talente suchen keine Chef:innen, sie suchen Orientierung. Und genau da liegt die Stärke der Erfahrenen.

LEADERSNET: Warum ist dieser Generationen-Mix gerade für die Versicherungswirtschaft entscheidend?

Brockhaus: Weil diese Branche von Vertrauen lebt. Vertrauen entsteht durch Kontinuität – aber auch durch Modernität. Kund:innen wollen digitale Tools und persönliche Nähe. Sie erwarten Innovation und Expertise. Das kann keine Generation allein liefern. Junge Makler:innen bringen frischen Wind und neue Kommunikationswege, die Erfahrenen bringen Glaubwürdigkeit und Marktgespür. Erst zusammen entsteht das, was die Branche braucht: Zukunft, die trägt.

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.wiener-versicherungsmakler.at

www.nena-brockhaus.com

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