KEYaccount: Wie würden Sie die aktuelle Situation der österreichischen Fleisch- und Wurstbranche beschreiben? Wo sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen?
Schmiedbauer: Die klassischen Themen wie Energiepreise, Lohnkosten oder Fachkräftemangel begleiten uns seit Jahren. Das ist unser tägliches Geschäft, damit müssen wir umgehen. Was mir mehr Sorgen macht, ist die geopolitische Gesamtsituation und die Wettbewerbsfähigkeit Europas. Wir haben eine enorme Bürokratie und gleichzeitig viele Unsicherheiten weltweit. Das bremst uns stärker als die operativen Themen.
KEYaccount: Rechnen Sie damit, dass sich diese Rahmenbedingungen in nächster Zeit spürbar verbessern werden?
Schmiedbauer: Ehrlich gesagt nein. Ich sehe aktuell keinen Grund, warum sich die Situation deutlich entspannen sollte. Im Gegenteil. Es kann durchaus noch schwieriger werden. Wir müssen lernen, mit diesem Umfeld zu arbeiten.
KEYaccount: Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen, dass der Fleischkonsum zuletzt wieder leicht gestiegen ist. War der oft beschworene Rückgang vielleicht übertrieben?
Schmiedbauer: Ich habe mir darüber nie große Sorgen gemacht. Die Menschen essen das, was ihnen schmeckt. Der Konsum schwankt, aber er bricht nicht weg. Was sich verändert hat: Die Konsument:innen greifen bewusster zu. Vielleicht wird weniger oft Wurst gegessen, dafür aber bessere Qualität.
KEYaccount: Spiegelt sich dieses veränderte Konsumverhalten auch in der Entwicklung von Wiesbauer wider?
Schmiedbauer: Ja, absolut. Wir sind in den letzten Jahren leicht gewachsen, während andere Rückgänge verzeichnen. Das liegt daran, dass wir auf hochwertige Produkte setzen. Besonders gut laufen Snack- und Convenience-Produkte. Die klassische Feinkost verliert hingegen an Bedeutung, bleibt aber wichtig.
KEYaccount: Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Verhältnis zwischen Industrie und Handel in den vergangenen Jahren entwickelt?
Schmiedbauer: Es ist weder besser noch schlechter geworden, aber es bleibt schwierig. Der Fokus liegt stark auf Preisverhandlungen. Einkaufsabteilungen haben klare Vorgaben, jedes Jahr Verbesserungen zu erzielen. Das führt dazu, dass oft nur auf Zahlen geschaut wird und weniger auf Qualität oder langfristige Partnerschaft.
KEYaccount: Wenn man auf die Kostenentwicklung blickt: Braucht die Branche aus Ihrer Sicht höhere Preise im Regal?
Schmiedbauer: Die Kosten sind massiv gestiegen, vor allem die Lohnkosten. Gleichzeitig ist es schwierig, das im Regal abzubilden. Das eigentliche Problem ist, dass beim Produzenten zu wenig ankommt. Die Spanne zwischen Einkaufspreis und Verkaufspreis ist oft zu groß.
KEYaccount: Welche Bedeutung haben die Eigenmarken der großen Handelsketten mittlerweile für den Fleisch- und Wurstmarkt?
Schmiedbauer: Ganz klar eine sehr große. Der Marktführer ist gleichzeitig unser größter Kunde und unser größter Mitbewerber. Das ist eine besondere Situation. Eigenmarken haben massiv an Bedeutung gewonnen und prägen den Markt stark. Wir produzieren auch Eigenmarken, aber bewusst in einem sehr kleinen Ausmaß. Unser Fokus liegt klar auf der Marke, weil wir überzeugt sind, dass Marken langfristig den größeren Wert schaffen.
KEYaccount: Stichwort Tierwohl: Welche Rolle spielt dieses Thema aktuell in der Praxis?
Schmiedbauer: Grundsätzlich eine große, aber in der Umsetzung ist es schwierig. Tierwohl bedeutet höhere Kosten, und die müssen jemand bezahlen. Gleichzeitig fehlt oft der entsprechende Rohstoff in ausreichender Menge. Es wird viel darüber gesprochen, aber die Umsetzung ist komplex.
KEYaccount: Wiesbauer setzt auch auf Kooperationen mit anderen Marken. Welche Bedeutung haben solche Partnerschaften für Ihr Unternehmen?
Schmiedbauer: Eine sehr große. Die Zusammenarbeit mit Berglandmilch ist ein gutes Beispiel. Da passt nicht nur das Produkt, sondern auch die Zusammenarbeit auf menschlicher Ebene. Genau so müssen Kooperationen funktionieren.
KEYaccount: Wird es in Zukunft weitere Kooperationen oder neue Projekte in diese Richtung geben?
Schmiedbauer: Es gibt immer Projekte in der Pipeline, auch mit neuen Partnern. Aber wir machen nichts um jeden Preis. Es muss Sinn machen und zum Markt passen.
KEYaccount: Wie wichtig ist Innovation aktuell für ein Unternehmen wie Wiesbauer?
Schmiedbauer: Innovation ist wichtig, aber man darf es nicht übertreiben. Wir haben viele neue Produkte gebracht und konzentrieren uns jetzt darauf, diese zu etablieren. Der Handel fordert Innovation, gibt den Produkten aber oft nicht genug Zeit, sich zu entwickeln.
KEYaccount: Wenn Sie nach vorne blicken: Wie wird sich die Branche in den kommenden fünf Jahren verändern?
Schmiedbauer: Ich erwarte eine weitere Konsolidierung. Einige kleinere, aber auch größere Betriebe werden verschwinden. Das hat wirtschaftliche Gründe und oft auch mit Nachfolgefragen zu tun.
KEYaccount: Und wo sehen Sie Wiesbauer selbst in diesem Umfeld in fünf Jahren?
Schmiedbauer: Ich sehe uns moderat wachsend, vor allem im Wurstbereich. Aber nur, wenn wir auch wieder vernünftig Geld verdienen. Wachstum um jeden Preis ist für mich kein Ziel.
www.wiesbauer.at
Kommentar veröffentlichen