International gefragt
Wiener Unternehmen entwickelt Software zur Hochwasser-Simulation

| Larissa Bilovits 
| 23.02.2026

Mit "scenarify" hat das Wiener Forschungszentrum VRVis eine Software geschaffen, die Hochwasser- und Starkregenereignisse realitätsnah in 3D abbilden können und zeigen soll, welche konkreten Gebäude im Ernstfall gefährdet sind. Das Interesse daran ist auch international groß.

In den vergangenen Jahren haben Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hagel oder Hochwasser hierzulande drastisch zugenommen und treten mit immer größerer Intensität auf. Eines der jüngsten Beispiele dafür war das tausendjährliche Hochwasser im Herbst 2024 (LEADERSNET berichtete), das vor allem Wien und Niederösterreich in großen Teilen lahmlegte. Um auf ebensolche Ereignisse künftig noch besser vorbereitet zu sein, hat das Wiener Forschungszentrum VRVis (Vienna Research Center for Visual Computing) mit "scenarify" eine spezielle Simulationssoftware entwickelt, die Hochwasser- und Starkregenereignisse realitätsnah in 3D abbilden können soll.

Simulation für einzelne Gebäude

Im Fokus von "scenarify" steht nicht die Vorhersage von Extremwetterereignissen, sondern die Simulation ihrer möglichen Auswirkungen – damit soll eine Grundlage geschaffen werden, um rechtzeitig gezielte Schutzmaßnahmen zu ergreifen. So kann etwa dargestellt werden, wie sich ein hundertjährliches Regenereignis konkret auf einzelne Gebäude in Wien auswirken würde. Eine farbliche Kennzeichnung macht dabei das Gefährdungsausmaß sichtbar: Rot steht für eine hohe Gefährdung, Gelb für eine moderate, während nicht eingefärbte Bereiche als ungefährdet gelten.

Digitaler Zwilling für Rheinland-Pfalz

Die Software "scenarify" wird seit mehr als 15 Jahren entwickelt und unter anderem vom Landwirtschaftsministerium sowie der Stadt Wien finanziert. Auch international stößt die Technologie auf großes Interesse: Für das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz wurde kürzlich mit dem "HydroZwilling RLP" ein digitaler Zwilling geschaffen, der hydrologische Grunddaten mit laufend ergänztem lokalem Wissen aus den Gemeinden kombiniert. Dadurch können aktuelle bauliche Gegebenheiten wie neue Gebäude oder infrastrukturelle Veränderungen laufend in die Simulation einfließen, wodurch die Genauigkeit kontinuierlich steige und die Anwendung für Planung und Vorsorge zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Der digitale Zwilling dient dabei nicht nur Behörden und Fachstellen, sondern richtet sich bewusst auch an die Bevölkerung: Die anschauliche dreidimensionale Darstellung von möglichen Hochwasserfolgen soll Risiken greifbarer machen und das Gefahrenbewusstsein sowie die Eigenvorsorge stärken. Gleichzeitig soll das System die kommunale Planung und den präventiven Katastrophenschutz unterstützen und dazu beitragen, Hochwasserschutzmaßnahmen besser zu koordinieren und langfristig wirksamer umzusetzen.

www.vrvis.at

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