WU Wien Studie
"Aktion 20.000" zeigt sich als wirksam bei Reintegration älterer Langzeitarbeitsloser

Wie eine Untersuchung der WU Wien unterstreicht, handle es sich bei dem von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Projekt nicht um eine reine Beschäftigungsmaßnahme, sondern um ein Instrument zur nachhaltigen Eingliederung besonders benachteiligter Erwerbsloser. 

Wie LEADERSNET bereits mit Blick auf die Deloitte "Aging Workforce Survey 2025" berichtete, nutzen heimische Unternehmen trotz wirtschaftlich instabiler Zeiten und Fachkräftemangel kaum das Potenzial der Generation 50+. Das zeigt auch der Xing Arbeitsmarktreport 2025, laut dem viele HR-Verantwortliche Kandidat:innen über 50 sogar ablehnen und das aus kruden Gründen wie etwa vermeintlicher Selbstüberschätzung, fehlender Flexibilität und möglicher familiären Verpflichtungen (LEADERSNET berichtete). Österreich findet sich damit in einem Zustand wieder, in dem sich die Probleme in den kommenden Jahren angesichts der bevorstehenden Pensionswelle der Babyboomer-Generation weiter zuspitzen werden – mit negativen Folgen für die heimische Wirtschaft. 

Herausforderungen für den Arbeitsmarkt

Aufgrund von Stigmatisierung, gesundheitlichen Einschränkungen und des Verlusts beruflicher Netzwerke gehört die Wiedereingliederung älterer, langzeitarbeitsloser Menschen zu den größten Herausforderungen der Arbeitsmarktpolitik. Vor diesem Hintergrund startete die österreichische Bundesregierung im Jahr 2017 das arbeitsmarktpolitische Programm "Aktion 20.000" mit dem Ziel, älteren Langzeitarbeitslosen ab 50 Jahren eine staatlich garantierte, vollständig geförderte Beschäftigung von bis zu zwei Jahren zu ermöglichen. Angenommen haben das Angebot insgesamt 3.800 Personen. Allerdings wurde die Aktion aufgrund des Regierungswechsels bereits nach sechs Monaten gestoppt. Laufende Teilnahmen wurden trotz alledem bis 2019 fortgeführt. 

Um herauszufinden, wie nachhaltig wirksam die "Aktion 20.000" ist, hat ein internationales Team um Martin Halla von der Wirtschaftsuniversität Wien (WU) eine Studie durchgeführt. Grundlage sind hochqualitative österreichische Verwaltungsdaten, welche vollständige Erwerbsverläufe abbilden. Die strikte Altersgrenze von 50 Jahren habe dabei eine saubere, quasi-experimentelle Evaluierung ermöglicht. Der unerwartete Programmstopp verhindere zudem typische Verzerrungen durch ein sogenanntes "Hineinaltern" in das Programm.

Nachhaltige Beschäftigungseffekte

Die Ergebnisse zeigen, dass während der Programmlaufzeit die Beschäftigung der Teilnehmer:innen naturgemäß stark ansteigt. Entscheidend für die Wirksamkeit von "Aktion 20.000" sei jedoch die Entwicklung danach: zwei Jahre nach Ende der maximalen Förderphase sind ehemalige Teilnehmer:innen um rund 43 Prozent häufiger in regulären, nicht subventionierten Beschäftigungen als vergleichbare Personen knapp unterhalb der Altersgrenze. Die nachhaltigen Effekte entstünden vor allem durch Übergänge in neue Betriebe und Branchen und nicht etwa durch eine Verlängerung subventionierter Beschäftigung, sind sich die Forschenden einig. Zudem habe man keine Hinweise auf Verdrängungseffekte im Hinblick auf Nicht-Teilnehmer:innen sowie keine negativen Effekte auf Familienmitglieder finden können. 

Darüber hinaus habe die Analyse gezeigt, dass die positiven Beschäftigungseffekte bereits nach rund 16 Monaten Programmdauer voll wirksam werden. Das heißt, eine längere Teilnahme liefert kaum zusätzliche Vorteile. Der illustrative Kosten-Nutzen-Vergleich legt nahe, dass innerhalb der ersten vier Jahre nach Programmstart rund 68 Prozent der direkten Programmkosten durch zusätzliche Beschäftigungen sowie höhere Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge kompensiert werden. Für die Forschenden erscheint angesichts des durchschnittlichen Eintrittsalters von 54,6 Jahren ein vollständiger fiskalischer Ausgleich über den weiteren Erwerbsverlauf plausibel. 

Mehr als eine reine Beschäftigungsmaßnahme

Die Wissenschaftler:innen sind sich einig, dass "Aktion 20.000" keine reine Beschäftigungsmaßnahme war, sondern ein wirksames Instrument zur nachhaltigen Reintegration besonders benachteiligter Arbeitsloser. "Jobgarantie-Programme können funktionieren, wenn sie gut umgesetzt sind, ausreichend lange dauern und echten Zugang zum regulären Arbeitsmarkt ermöglichen. Die Erkenntnisse sind sowohl für Österreich als auch für die internationale Debatte über Jobgarantien und aktive Arbeitsmarktpolitik von Bedeutung", so Halla, der in den Studienergebnissen ein klares Signal sieht. 

Mehr zur Studie finden Sie hier.

www.wu.ac.at

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