Unsicherheit prägt derzeit die Stimmung unter den Österreicher:innen – und das wirkt sich spürbar auf den Blick in die Zukunft aus. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Vorsorgestudie 2026 von Erste Bank, Sparkassen und der Wiener Städtischen, die am Dienstag von Sonja Brandtmayer (Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung), Gerda Holzinger-Burgstaller (Vorstandsvorsitzende der Erste Bank) und Paul Eiselsberg (Studienautor, IMAS International) im Wiener Ringturm präsentiert wurde.
Demnach rechnen 61 Prozent der Bevölkerung in den kommenden Monaten mit einer Verschlechterung von Wirtschaft und Lebensqualität, während 28 Prozent von gleichbleibenden Verhältnissen ausgehen und nur neun Prozent eine Verbesserung erwarten. Parallel dazu wächst das Misstrauen gegenüber einer ausreichend hohen staatlichen Pension, was den Trend zur privaten Vorsorge weiter verstärkt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und globaler geopolitischer Unsicherheiten. Besonders groß ist nun die Bereitschaft, in zentralen Lebensbereichen privat finanziell vorzusorgen: 67 Prozent nennen die Gesundheit als wichtigste Priorität (+5 % gegenüber 2025), gefolgt von der Pension mit 61 Prozent (+7 %) und einer finanziellen Reserve für Krisenfälle mit 60 Prozent (+4 %). Dahinter rangieren das Thema Wohnen mit 55 Prozent (+9 %) sowie für jede:n Zweite:n die Absicherung der Familie (+2 %).
Immer weniger Vertrauen in staatliche Pension
Gefragt nach den wichtigsten Motiven für private Vorsorge, zeigt sich vor allem ein wachsendes Misstrauen gegenüber dem staatlichen Pensionssystem. So geben 48 Prozent der Österreicher:innen an, nicht mehr daran zu glauben, dass der Staat langfristig ein verlässlicher Partner in der Altersabsicherung bleibt. Ebenso viele nennen mögliche Schicksalsschläge als zentralen Beweggrund, finanziell vorzusorgen. Weitere 45 Prozent wollen ihr persönliches Risiko reduzieren – mit dem Ziel, sich auch im Ruhestand den gewohnten Lebensstandard leisten zu können.
Laut Sonja Brandtmayer, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen, spiegle dies die aktuellen gesellschaftlichen Debatten wider: "Drei Viertel der Befragten zweifeln demnach daran, später eine ausreichend hohe Pension vom Staat zu erhalten. Dass bereits heute jeder vierte Steuereuro in die Stützung der öffentlichen Pensionen fließt, verunsichert mittlerweile 8 von 10 Befragten in Österreich." Für jede:n Sechste:n ist die Konsequenz dementsprechend bereits klar: Sie gehen davon aus, auch im Ruhestand weiter arbeiten zu müssen, um ihren Lebensstandard halten zu können.
Sparbuch verliert an Bedeutung
Bei den genutzten Vorsorgeformen setzen viele Österreicher:innen weiterhin auf Klassiker, wobei das Sparkonto am häufigsten genannt wird (51 %), gefolgt von Lebensversicherungen (38 %) sowie Wertpapieren und Fondssparplänen (25 %). Dahinter liegen Bausparen (24 %), Gold (17 %) und Immobilien (16 %). Auffällig ist jedoch eine Verschiebung: Während das Sparkonto erstmals an Bedeutung verliert, gewinnen Lebensversicherungen sowie Fonds- und Wertpapierlösungen an Beliebtheit.
Erfreulich sei auch die Höhe des Betrages, den die Menschen im Schnitt pro Monat bereit sind, für ihre persönliche Pensionsvorsorge zu investieren, meint Gerda Holzinger-Burgstaller, Vorstandsvorsitzende der Erste Bank Oesterreich: "Trotz der wirtschaftlichen Anspannungen bewegt sich dieser mit 225 Euro auf einem hohen Niveau." Männer legen dabei mit durchschnittlich 265 Euro deutlich mehr zurück als Frauen mit 179 Euro, was aber angesichts des nach wie vor großen Gender Pay Gaps wenig verwunderlich ist.
Große Angst vor der Altersarmut
Ebenfalls zeigt die Studie, dass das Thema Altersarmut weiterhin viele Menschen in Österreich belastet: 39 Prozent halten es für wahrscheinlich, später selbst davon betroffen zu sein. Als wirksamste Gegenmaßnahmen gelten aus Sicht der Befragten vor allem eine möglichst frühe private Vorsorge (86 %) sowie eine stärkere staatliche Förderung privater Modelle (77 %). Entsprechend verhalten fällt auch das Urteil über das staatliche Pensionssystem aus – nur 46 Prozent zeigen sich damit zufrieden, 44 Prozent nicht. Besonders deutlich ist die Unzufriedenheit bei Frauen (50 %; Männer: 39 %), die deutlich häufiger von Altersarmut betroffen sind. "Angesichts dieses Umfelds ist es wenig überraschend, dass Vorsorge an Bedeutung gewinnt. Für 90 Prozent der Befragten hat private Vorsorge einen sehr hohen bzw. hohen Stellenwert", so die beiden Finanzexpertinnen unisono.
Nur die Hälfte weiß über Pensionskonto Bescheid
Seit nunmehr 20 Jahren soll das Pensionskonto allen nach dem 1. Jänner 1955 Geborenen mehr Planungssicherheit bieten – bekannt ist es jedoch nur rund der Hälfte der Österreicher:innen. Auch die Zufriedenheit mit dem eigenen Guthaben ist verhalten: Nur etwa jede:r Zweite, der sein:ihr Guthaben kennt, zeigt sich damit sehr oder eher zufrieden, während 45 Prozent unzufrieden sind.
Bei der erwarteten Höhe der künftigen Bruttopension nennen die Befragten übrigens im Schnitt 2.023 Euro pro Monat. Männer rechnen mit 2.254 Euro, Frauen hingegen mit 1.748 Euro.
Mehr Informationen über die Studie finden Sie in unserer Infobox.
LEADERSNET war bei der Pressekonferenz dabei. Eindrücke finden Sie in unserer Galerie.
www.sparkasse.at
www.wienerstaedtische.at
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