Unter dem Motto "Rulebreaker – mit Anstand gegen den Stand der Dinge" lud der Senat der Wirtschaft zum traditionellen Neujahrsempfang in die Festsäle der Universität Wien. Mehr als 300 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medien folgten der Einladung. Zudem wurden im Rahmen der Veranstaltung 24 neue Senator:innen in den Senat der Wirtschaft berufen (Siehe Infobox).
Verantwortung, Haltung und Mut
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Auseinandersetzung mit der Frage, wie Verantwortung, Haltung und Mut in Zeiten tiefgreifender wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und geopolitischer Umbrüche gelebt werden können. Der Senat der Wirtschaft betonte, dass bestehende Systeme zunehmend an ihre Grenzen stoßen würden. Umso wichtiger sei es, Verantwortung nicht zu delegieren, sondern aktiv zu übernehmen und gewohnte Denk- und Handlungsmuster kritisch zu hinterfragen.
"Gerade in diesen schwierigen und komplexen Zeiten, international wie auch national, ist es notwendig, dass jede:r Einzelne sowie jedes Unternehmen Verantwortung übernimmt. Und zwar mit Mut und Zuversicht. Nur so kann es gelingen, aus der derzeit herausfordernden Situation herauszukommen. Das ist unsere Botschaft, und viele Menschen verstehen das auch. Betrachtet man die Vielzahl innovativer kleiner und mittlerer Unternehmen in Österreich, zeigt sich, dass wir gut aufgestellt sind. Nun gilt es, dies auch sichtbar zu machen", sagte Benita Ferrero-Waldner, ehemalige EU-Kommissarin und Präsidentin des Senat der Wirtschaft, gegenüber LEADERSNET.tv.
Europäische Verantwortung und unternehmerische Haltung
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete dann auch Benita Ferrero-Waldner. In ihren Begrüßungsworten und der Keynote verwies sie auf die wachsenden geopolitischen Herausforderungen für die Europäische Union. "Im Jahr 2026 steht die Europäische Union vor der Aufgabe, in einer zunehmend komplexen geopolitischen Landschaft unabhängiger zu werden und ihre Verantwortung gegenüber globalen Großmächten wie den USA, China und Russland strategisch, politisch und wirtschaftlich klar zu definieren und aktiv wahrzunehmen", so die Präsidentin.
Sie betonte, dass Unternehmen als zentrale Akteure des Gemeinwohls eine besondere Rolle einnehmen würden. Mit Mut, Haltung und Verantwortungsbewusstsein gelte es, die wirtschaftliche Entwicklung aktiv mitzugestalten, so Ferrero-Waldner. Zugleich hob sie die Verantwortung der Unternehmen gegenüber ihren Mitarbeiter:innen hervor. Transparente Kommunikation, soziale Absicherung und ein respektvolles Miteinander seien entscheidend für Vertrauen und Zusammenhalt, sowohl innerhalb der Betriebe als auch gegenüber Gesellschaft und Kund:innen. Darüber hinaus verwies Ferrero-Waldner auf das Global-Gateway-Projekt der Europäischen Union, das als nachhaltige und transparente Investitions- und Infrastrukturstrategie neue Chancen für private Unternehmen eröffne und eine Alternative zu chinesischen Initiativen darstelle.
Werte als Orientierung unter Druck
Über die Bedeutung klarer Werte sprach Unternehmer und Spitzensportler Clemens Doppler. Anhand seiner Erfahrungen aus Leistungssport und Unternehmertum verdeutlichte er, dass Haltung, Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein entscheidend seien, um auch unter hohem Leistungsdruck bestehen zu können. Unternehmen müssten ihre Werte nicht nur formulieren, sondern diese konsequent im täglichen Handeln widerspiegeln, erklärte Doppler. Nur so ließen sich bestehende Verhältnisse nachhaltig prägen.
Medien zwischen Einfluss und Verantwortung
Einen kritischen Blick auf die Rolle der Medien warf Kurier-Herausgeberin Martina Salomon. In ihrer Keynote zur "Macht der Medien" thematisierte sie die Verantwortung journalistischer Arbeit im Spannungsfeld zwischen Information, Einordnung und Meinungsmacht. "Journalismus darf keine 'Erziehungsanstalt' sein, sondern muss Orientierung bieten und den offenen Diskurs fördern", hielt Salomon fest. Sie reflektierte zudem den Einfluss sozialer Medien und sprach sich für einen Dialog auf Augenhöhe aus.
Unternehmerische Konsequenz statt Symbolik
Für konsequentes, wertebasiertes Unternehmertum plädierte Heini Staudinger, Geschäftsführer der GEA Waldviertler und ehemaliger Präsidentschaftskandidat. Unternehmerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung seien untrennbar miteinander verbunden, betonte Staudinger. Er sprach sich dafür aus, Verantwortung auch dann zu übernehmen, wenn dies mit Widerständen verbunden sei. Zur Untermauerung seiner Haltung zitierte er Marie von Ebner-Eschenbach: "Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit."
Offener Dialog zwischen Politik und Wirtschaft
Höhepunkt des Nachmittags war die Podiumsdiskussion "Politik versus Wirtschaft oder Versagen versus Verantwortung?", moderiert von Kurier-Wirtschaftsressortleiter Robert Kleedorfer. Gemeinsam mit Georg Dornauer, Karl-Heinz Strauss, Hanno Lorenz, Heini Staudinger und Hans Harrer wurde kontrovers über die wirtschaftspolitische Lage in Österreich diskutiert.
Karl-Heinz Strauss erklärte, Österreich habe kein Einnahmen-, sondern ein Ausgabenproblem. Wohlstand entstehe nicht durch Umverteilung, sondern durch Leistung, Arbeit und Produktion. Hanno Lorenz forderte eine klare Zukunftsvision und betonte, es sei weniger entscheidend, welche Reformen umgesetzt würden, sondern dass endlich ins Handeln gekommen werde. Georg Dornauer warnte vor Blockadehaltung und sprach sich für überparteiliche Lösungsansätze aus.
Hans Harrer kritisierte insbesondere den fehlenden Kapitalmarkt in Österreich. Ohne entsprechende Rahmenbedingungen wie Behaltefristen, Investitionsabschreibungen oder ein kapitalbasiertes Pensionssystem fehle es Unternehmen an notwendigen Finanzierungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, was Innovation und Wachstum bremse.
Einigkeit bestand darin, dass es einen echten Multistakeholderprozess brauche, in dem Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln.
Verantwortung als Auftrag
Den Schlusspunkt setzte Hans Harrer mit einer klaren Botschaft. Verantwortung sei kein Schlagwort, sondern eine Pflicht. Ohne Mut, Konsequenz und eigenes Handeln seien weder wirtschaftliche Stärke noch gesellschaftlicher Zusammenhalt möglich, hielt er fest.
"Wie wollen wir Veränderungen gemeinsam mit den Menschen umsetzen? Indem wir mit ihnen sprechen und ihnen ein Angebot machen, sich aktiv an Veränderung und Wandel zu beteiligen. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, uns dem Wandel zu stellen, selbst ins Handeln zu kommen und dadurch andere mitzunehmen oder ihnen zu folgen zu ermöglichen. So entsteht gesellschaftliche Veränderung. Durch bloßes Zuschauen, Wegsehen oder Angst wird sich nichts verändern", so Harrer abschließend gegenüber LEADERSNET.tv.
Interviewpartner:innen
LEADERSNET.tv holte neben Benita Ferrero-Waldner (Präsidentin Senat der Wirtschaft Österreich) und Hans Harrer (Vorstandsvorsitzender Senat der Wirtschaft Österreich), auch noch Clemens Doppler (Keynote-Speaker & Unternehmer, Sportbox GmbH), Mahdi Allagha (Mitglied der Geschäftsleitung Senat der Wirtschaft Österreich), Wolfgang Kradischnig (CEO Delta AG), Konrad Wilczynski (Unternehmer Sportbox GmbH), Harald Millenkovics (Geschäftsführer Arthrex Austria GesmbH), Alexandra Reisinger-Supper (Geschäftsführerin Vermarktung Profil), Gabriela-Maria Straka (Landeskoordinatorin respACT), Heinrich Staudinger (Geschäftsführer GEA Waldviertler Werkstätten GmbH) und Martina Salomon (Journalistin & Herausgeberin Kurier) vor die Kamera.
Einen Eindruck von der Veranstaltung können Sie sich hier machen.
www.senat.at
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