LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Arnitz, Sie sprechen von einer Revolution im regionalen Journalismus. Ist das nicht etwas hoch gegriffen?
Thomas Arnitz: Wenn man bedenkt, dass wir an einem Wochenende tausend Trainerinterviews automatisiert führen und veröffentlichen können, dann ist das durchaus revolutionär. Im Amateurfußball finden allein im Kampfmannschaftsbereich rund 1.200 Spiele pro Wochenende statt. Diese Breite journalistisch abzubilden, war bisher schlicht unmöglich. Genau das ändert sich jetzt.
LEADERSNET: Wie kam es eigentlich zu dieser Idee?
Arnitz: Der Amateurfußball lebt von Emotionen, Analysen und Persönlichkeiten. Über 2.000 Vereine liefern Woche für Woche spannende Geschichten. Aber realistisch betrachtet konnten wir bisher nur einen Bruchteil davon ausführlich redaktionell begleiten. Ende 2024 habe ich begonnen, intensiv darüber nachzudenken, wie wir diese Lücke schließen können – ohne die Qualität zu gefährden. Daraus entstand die Vision einer Voice-KI, die Interviews selbstständig führt und daraus qualitativ hochwertige Berichte mit Statements erstellt.
LEADERSNET: Wie funktioniert das System konkret?
Arnitz: Nach dem Spiel erhält der zuständige Trainer oder Funktionär eine WhatsApp-Nachricht und kann seinen gewünschten Anrufzeitpunkt und seine präferierte Sprache auswählen. Unsere KI ruft dann automatisch an und führt ein strukturiertes Interview – natürlich, situativ angepasst und professionell. Unmittelbar danach wird das Gespräch verarbeitet und in einen fertigen Spielbericht mit Originalzitaten umgewandelt. Innerhalb weniger Minuten steht ein veröffentlichungsfertiger Artikel bereit. Die Kontaktperson kann diesen vorab nochmals prüfen oder bei Bedarf adaptieren. Das heißt: KI-basierte Prüfmechanismen und das "Human-in-the-Loop"-Prinzip sichern Qualität und Tonalität.
LEADERSNET: Viele Menschen sind bei KI skeptisch. Wie reagieren die Trainer?
Arnitz: Anfangs natürlich mit Skepsis – das ist völlig normal. Aber die Erfahrung zeigt: Nach dem ersten Gespräch überwiegt die Begeisterung. Viele sind überrascht, wie natürlich das Interview wirkt. Besonders geschätzt wird die Flexibilität – man kann den Anruf sofort annehmen oder später zurückrufen. Und dass man das eigene Statement noch einmal gegenlesen kann, schafft zusätzlich Vertrauen.
LEADERSNET: Wie aufwendig war die Entwicklung?
Arnitz: Extrem intensiv. Zwischen April und November habe ich persönlich über 300 Verbesserungsvorschläge eingebracht. An manchen Wochenenden gingen 20 bis 25 Stunden nur ins Testing. Es war uns wichtig, nicht nur technisch zu funktionieren, sondern journalistisch sauber zu arbeiten. Unsere Entwickler unter der Leitung von IT-Chef Michael Lattner haben hier exzellente Arbeit geleistet. Wir haben jeden Prozessschritt mehrfach abgesichert, um Qualität und Verlässlichkeit sicherzustellen.
LEADERSNET: Wo steht das Projekt aktuell?
Arnitz: Die ersten Tests starteten im September 2025 im Burgenland, anschließend folgten Kärnten, Salzburg und Teile Niederösterreichs. Bereits am letzten Spieltag der Herbstsaison Anfang November 2025 konnten wir aus 400 Spielen insgesamt 360 Spielberichte mit Originalzitaten veröffentlichen – eine Quote, die im Amateurfußball europaweit einzigartig ist. Mit einem derart überwältigenden Engagement hatten wir zu Beginn nicht gerechnet. Ab Mitte März 2026 rollen wir das System österreichweit aus und machen es für alle rund 2.000 Fußballvereine verfügbar.
LEADERSNET: Wo liegt der größte Mehrwert?
Arnitz: Sichtbarkeit. Tausende Vereine und zehntausende Spieler erhalten nun regelmäßig eine mediale Bühne. Das stärkt nicht nur die Vereine selbst, sondern den gesamten Amateurfußball. Gleichzeitig entstehen Berichte in wenigen Minuten – schnell, strukturiert und qualitativ hochwertig. Bis zu 150 Telefonate können zurzeit bereits parallel geführt werden, theoretisch sind weit über 1.000 Spiele pro Wochenende abbildbar.
LEADERSNET: Ist das Modell auch auf andere Bereiche übertragbar?
Arnitz: Absolut. Die Technologie ist überall einsetzbar, wo strukturierte Interviews effizient erhoben, ausgewertet und publiziert werden sollen – in Unternehmen, im Kundenservice, im Sport, in Verbänden oder im Medienbereich. Das System ist bewusst skalierbar konzipiert und kann als White-Label-Lösung lizenziert werden. Medienhäuser, Organisationen oder Unternehmen erhalten eine vollständig gebrandete Version inklusive individueller Anpassungen. Wir bieten ein flexibles Lizenzmodell – von regionalen Anwendungen bis hin zu nationalen Plattformlösungen. Interessenten können sich jederzeit direkt an mich wenden, z.B. via LinkedIn.
LEADERSNET: Was bedeutet dieses Projekt persönlich für Sie?
Arnitz: Es zeigt, dass Innovation und Journalismus kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Richtig eingesetzt, kann Technologie die journalistische Qualität stärken und die Reichweite erhöhen. Durch die Automatisierung wiederkehrender Abläufe entstehen neue Freiräume, die in zusätzliche Inhalte, größere Reichweite und eine gesteigerte Qualität investiert werden können – dies ermöglicht nachhaltige Wertschöpfung im redaktionellen Prozess. Wir haben immer versucht, First Mover zu sein – mit dem Live-Ticker, mit der Ligaportal-App, mit datenbasierter Berichterstattung, und jetzt mit der Voice-KI. Dieser Schritt fühlt sich wie der nächste logische Meilenstein an.
LEADERSNET: Ein abschließender Blick in die Zukunft?
Arnitz: Ich bin überzeugt, dass wir erst am Anfang stehen. Wenn man sieht, wie schnell sich die Technologie entwickelt, eröffnen sich enorme Möglichkeiten. Unser Anspruch bleibt derselbe: mehr Sichtbarkeit für den Amateurfußball – effizient und professionell.
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