Mit einem klaren Fokus auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven stand der traditionelle Neujahrsempfang der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) im Palais Niederösterreich im Zeichen von Zuversicht und Reformbedarf. Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik, Sozialpartnerschaft und öffentlichem Leben nutzten den Jahresauftakt für eine Standortbestimmung.
Unter den Ehrengästen befanden sich Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner, Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Staatssekretärin Elisabeth Zehetner sowie Jochen Danninger, Generalsekretär der Wirtschaftskammer Österreich. Moderiert wurde die Veranstaltung von Kristina Sprenger.
Wirtschaft als Teil der Lösung
WKNÖ-Präsident Wolfgang Ecker zeichnete ein nüchternes Bild der aktuellen Lage. "Viele Unternehmer:innen kämpfen derzeit nicht um Wachstum, sondern um Stabilität, um Planbarkeit und Zuversicht", sagte er. Hohe Kosten, bürokratische Hürden und Investitionsunsicherheit würden die Betriebe stark belasten. Zugleich betonte Ecker die Rolle der Wirtschaft als stabilisierenden Faktor: Wirtschaft sei "immer Teil der Lösung". Dafür brauche es mehr unternehmerische Freiheit, verlässliche Rahmenbedingungen und eine konsequente Entlastung. Als Interessenvertretung wolle die WKNÖ den Betrieben eine starke Stimme geben und Verantwortung für wirtschaftliche Stabilität und sozialen Zusammenhalt übernehmen.
Auch Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hob die Bedeutung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Rückblickend auf das abgelaufene Jahr sagte sie, der Zusammenhalt habe durch eine schwierige Phase getragen, in der Unternehmer:innen große Verantwortung für Arbeitsplätze und Wertschöpfung übernommen hätten. Für die kommenden Monate gelte es, mit Mut und Optimismus voranzugehen. Niederösterreich leiste dazu seinen Beitrag, etwa durch Verwaltungsreformen, mit denen jedes sechste Landesgesetz entbürokratisiert worden sei. Zudem würden Betriebsanlagengenehmigungsverfahren um rund dreißig Prozent beschleunigt. Die entscheidenden Hebel lägen jedoch auf Bundesebene: notwendig seien sinkende Lohnnebenkosten ab 2027, niedrigere Energiekosten, die Verlängerung des Industriestrompreises bis 2030 sowie weitere Schritte zur Entbürokratisierung.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer sprach trotz weiterhin herausfordernder Rahmenbedingungen von ersten Anzeichen eines Aufschwungs. Ziel sei es, dass 2026 "das Jahr der Wirtschaft, der Leistung, des Wettbewerbs und der Zuversicht" werde. Als zentrale Vorhaben nannte er die Reform des Strommarktes, deren Auswirkungen Unternehmen bereits mit der nächsten Abrechnung spüren sollen, die Umsetzung einer Industriestrategie sowie eine Reform der Gewerbeordnung im Anlagenrecht. Mehr Freiheit und weniger staatliche Hürden seien aus seiner Sicht entscheidend, um den Standort zu stärken.
Mut und Zuversicht
Aus Sicht der Wirtschaftskammer Österreich plädierte Generalsekretär Jochen Danninger für Vertrauen in das eigene Können. Die Botschaft für das neue Jahr laute Mut und Zuversicht, sagte er. Nach drei Jahren der Belastung gehe er davon aus, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung wieder nach oben bewege. Die Wirtschaftskammer werde die Unternehmer:innen dabei weiterhin bestmöglich unterstützen.
Auch Staatssekretärin Elisabeth Zehetner zeigte sich optimistisch. Die Prognosen hätten sich zuletzt aufgehellt, für das kommende Jahr werde ein Wachstum von über einem Prozent erwartet, wie sie ausführte. Dies könne einen Aufschwung einleiten, der Zuversicht in den Betrieben schaffe. Besonders im Tourismus sei die Nachfrage stabil, auch der Wintertourismus in Niederösterreich entwickle sich positiv. Insgesamt rechne sie daher mit einem guten Jahr 2026 für die Unternehmen.
Auf Landesebene verwies WKNÖ-Direktor Johannes Schedlbauer auf strukturellen Handlungsbedarf. Entscheidend seien geeignete Rahmenbedingungen, insbesondere bei den Energiepreisen, der Inflation sowie den aus seiner Sicht zu hohen Lohnnebenkosten. In all diesen Bereichen bestehe weiterhin Nachholbedarf.
Zukunftsprozess und Tradition
Im Rahmen des Empfangs stellte Wolfgang Ecker zudem den bereits gestarteten Zukunftsprozess "Aufbruch 2026" vor. Dieser sei keine Reaktion auf aktuelle Debatten, sondern Ergebnis eines länger angelegten Reformvorhabens. Ziel sei es, die Organisation effizienter, transparenter und stärker an den Bedürfnissen der Unternehmer:innen auszurichten. Man habe Kritik aufgegriffen und konkrete Schritte gesetzt; weitere würden folgen.
Traditionell sorgten die niederösterreichischen Rauchfangkehrer für einen symbolischen Akzent. Angeführt von Landesinnungsmeister Matthias Vetiska brachten sie Glückwünsche für das neue Jahr. Der Brauch, an den goldenen Knöpfen zu drehen, solle Glück bringen – allerdings, so Vetiska mit einem Augenzwinkern, "nicht nur in eine Richtung, sondern ein bisschen vor und zurück".
Interviewpartner:innen
Neben Wolfgang Ecker, Johanna Mikl-Leitner, Wolfgang Hattmannsdorfer, Elisabeth Zehetner, Jochen Danninger, Johannes Schedlbauer und Matthias Vetiska holte LEADERSNET.tv auch Alexandra Höfer (Direktorin-Stellvertreterin WKNÖ), Maria Gindl (Direktorin-Stellvertreterin WKNÖ), Thomas Schaden (Vizepräsident WKNÖ), Christian Moser (Vizepräsident WKNÖ), Monika Eisenhuber (Vizepräsidentin WKNÖ), Thomas Salzer (Vizepräsident WKNÖ), Harald Servus (Abgeordneter zum Nationalrat und Direktor Wirtschaftsbund NÖ), Leopold Dirnegger (Notariat Dirnegger & Partner), Alexander Kiennast (Geschäftsführer Kiennast Lebensmittelgroßhandels GmbH), Carmen Jeitler-Cincelli (Bürgermeisterin der Stadt Baden und Abgeordnete zum Nationalrat), Markus Wieser (Präsident Arbeiterkammer Niederösterreich), Othmar Karas (Präsident des European Forum Alpbach), Alexander Biach (Generaldirektor Sozialversicherung der Selbständigen), Michaela Roither (Geschäftsführerin IV Niederösterreich) sowie Kristina Sprenger (Schauspielerin und Moderatorin) vor die Kamera.
Fotos vom Neujahrsempfang sehen Sie in den Galerien hier und hier.
www.wko.at/noe
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