Private Vorsorge im Aufwind
Wertpapierbesitz der Österreicher erreicht neuen Höchststand

| Tobias Seifried 
| 15.03.2026

Laut dem Aktienbarometer 2026 investieren bereits über 30 Prozent der Bevölkerung in Aktien, ETFs, Anleihen & Co. Angesichts sinkenden Vertrauens ins staatliche Pensionssystem fordern Expert:innen nun politische Weichenstellungen und steuerliche Anreize.

Die Bedeutung des Kapitalmarkts für die private Vermögensbildung in Österreich nimmt stetig zu. Laut dem aktuellen Aktienbarometer – einer Gemeinschaftsstudie der Industriellenvereinigung (IV), des Aktienforums und der Wiener Börse – sind mittlerweile 31 Prozent der Menschen in Österreich in Aktien, Anleihen, Investmentfonds oder ETFs investiert. Damit hat fast jede:r dritte Bürger:in den Weg an die Börse gefunden, was laut Expert:innen verdeutliche, dass die Wertpapieranlage längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist.

Anlageform im Dienst der Altersvorsorge

Erhoben wurden die Daten von Marktforscher Peter Hajek. Sie unterstreichen, dass vor allem der Wunsch nach langfristigem Vermögensaufbau (81 %) und der Sicherung der Pension (62 %) als Hauptmotive dienen. IV-Generalsekretär Christoph Neumayer führt dies unter anderem auf eine zunehmende Skepsis gegenüber der staatlichen Altersvorsorge zurück. Er erläutert, dass das Vertrauen in die Kapitalmärkte trotz eines volatilen Vorjahres gestiegen sei. Zudem hätten die Digitalisierung und einfachere Anlageoptionen wie ETFs den Zugang zu Investments attraktiver gestaltet.

Forderung nach steuerlichen Entlastungen

Kritik übt Neumayer an den aktuellen Rahmenbedingungen. Wer durch private Vorsorge die Sozialsysteme entlaste, dürfe dafür nicht bestraft werden. "Es braucht steuerliche Entlastungen wie zum Beispiel eigene Vorsorgedepots", fordert der Generalsekretär. Er betont zudem, dass Widerstand gegen solche Maßnahmen nicht das Großkapital treffe, sondern jene Bürger:innen, die eigenverantwortlich für ihre Zukunft vorsorgen möchten.

Österreich im internationalen Vergleich

Im europäischen Kontext bleibt Österreich jedoch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Während nordische Länder massiv auf kapitalmarktorientierte Modelle setzen, liege der entsprechende Wert in Österreich bei weniger als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Angelika Sommer-Hemetsberger, Präsidentin des Aktienforums, weist darauf hin, dass bereits 1,3 Millionen Menschen mit einem Nettoeinkommen von unter 3.000 Euro Wertpapiere besitzen. Die Bevölkerung sei in ihrem Handeln bereits deutlich weiter als die politische Gestaltung, welche nach wie vor zögere, das volle Potenzial auszuschöpfen.

Plädoyer für systemische Weichenstellungen

Auch Christoph Boschan, CEO der Wiener Börse, sieht dringenden Handlungsbedarf. Er gibt zu bedenken, dass ein modernes Vorsorgesystem Renditen für die Anleger:innen generiere, Kapital für Unternehmen bereitstelle und gleichzeitig den Staat entlaste. Während Länder wie Schweden, Dänemark oder Polen den Kapitalmarkt aktiv für die Zukunftssicherung nutzen, verweigere sich Österreich bisher einer Ergänzung des Umlagemodells. "Was Österreich fehlt, ist nicht Wissen, sondern Mut zu System-Entscheidungen, die unseren Wohlstand langfristig sichern", konstatiert Boschan. Angesichts von 340 Milliarden Euro, die unverzinst auf Sparkonten liegen, sei die Zeit für eine Transformation des Vorsorgemodells gekommen.

www.iv.at

www.wienerborse.at

www.aktienforum.org

Hauptergebnisse des Aktienbarometers 2026

  • Verbreitung: Rund 31 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren (ca. 2,4 Millionen Menschen) besitzen Wertpapiere.

  • Anlageformen: Führend sind Investmentfonds und ETFs (24 Prozent), gefolgt von Aktien (18 Prozent) und Anleihen (11 Prozent).

  • Potenzial: Etwa 19 Prozent der Nicht-Anleger:innen (ca. 1,4 Millionen Personen) können sich einen künftigen Einstieg vorstellen.

  • Barrieren: Ein als gering eingeschätztes Finanzwissen sowie eine ausgeprägte Risikoaversion bleiben die größten Hürden.

  • Motivation: Mehr als die Hälfte der Befragten zweifelt an der ausreichenden Höhe der staatlichen Pension, was besonders Jüngere zur privaten Vorsorge bewegt

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Hauptergebnisse des Aktienbarometers 2026

  • Verbreitung: Rund 31 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren (ca. 2,4 Millionen Menschen) besitzen Wertpapiere.

  • Anlageformen: Führend sind Investmentfonds und ETFs (24 Prozent), gefolgt von Aktien (18 Prozent) und Anleihen (11 Prozent).

  • Potenzial: Etwa 19 Prozent der Nicht-Anleger:innen (ca. 1,4 Millionen Personen) können sich einen künftigen Einstieg vorstellen.

  • Barrieren: Ein als gering eingeschätztes Finanzwissen sowie eine ausgeprägte Risikoaversion bleiben die größten Hürden.

  • Motivation: Mehr als die Hälfte der Befragten zweifelt an der ausreichenden Höhe der staatlichen Pension, was besonders Jüngere zur privaten Vorsorge bewegt

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