Vorläufige Generaldirektorin
Neue ORF-Interims-Chefin Ingrid Thurnher verspricht volle Transparenz

| Redaktion 
| 12.03.2026

Der ORF-Stiftungsrat hat die derzeitige Radiodirektorin mit der vorläufigen Leitung des öffentlich-rechtlichen Medienhauses betraut. In der Sitzung wurden auch die Gerüchte über die Rolle von Pius Strobl in der "Causa Weißmann" thematisiert.

Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (LEADERSNET berichtete) fand sich der ORF-Stiftungsrat am Donnerstagvormittag zu einer Sitzung zusammen, um die interimistische Nachfolge an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienhauses zu klären. Dabei wurde ORF-Radiodirektorin Ingrid Thurnher vom 35-köpfigen obersten Gremium einstimmig mit der vorläufigen Führung der Geschäfte betraut.

Parallel dazu kündigte Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer an, dass die Ausschreibung für eine Übergangsbesetzung des Generaldirektorenpostens bis zum Jahresende in Kürze erfolgen soll. Kurz darauf, Anfang Mai, soll zudem bereits das Verfahren für die reguläre fünfjährige Funktionsperiode starten, die 2027 beginnt. 

"Volle Transparenz"

"Macht bedeutet Verantwortung", so Thurnher nach der Entscheidung. "Mit dieser Verantwortung werde ich darauf schauen, dass es keine Form von Machtmissbrauch – egal, in welche Richtung – in diesem Unternehmen mehr geben darf."

Am Abend in der ZIB2 versprach sie dann noch volle Transparenz bei der Aufklärung diverser Vorwürfe gegen hochrangige ORF-Manager sowie in der "Causa Weißmann". Das sei man als öffentlich-rechtlicher Sender allen Seher:innen und Gebührenzahler:innen schuldig, sagte sie im Gespräch mit Moderator Martin Thür. Erreicht werden soll das mit einer externen Kommission, in der nur unternehmensfremde Expert:innen sitzen sollen, so Thurnher.

"Alles auf den Tisch"

Hintergrund des Führungswechsels sind Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die in der vergangenen Woche gegen den bisherigen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann erhoben wurden. Dieser wies die Anschuldigungen zwar entschieden zurück, erklärte am Sonntag aber dennoch seinen Rücktritt. Der ORF-Stiftungsrat kündigte in der Folge an, die Causa umfassend aufarbeiten zu wollen, und forderte eine "umfassende Aufklärung" der Vorwürfe (LEADERSNET berichtete). Für Weißmann gilt die Unschuldsvermutung.

Vor diesem Hintergrund trat Stiftungsrat Peter Westenthaler noch vor Sitzungsstart am Donnerstag vor die zahlreich erschienenen Medienvertreter:innen und verlangte, dass "alles auf den Tisch" müsse. Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat sieht den Ruf des Senders durch die Causa "angeschlagen, um nicht zu sagen, zerstört". Im Rahmen der Sitzung wollte er schließlich auch die Gerüchte rund um die Rolle des ORF-Managers Pius Strobl thematisieren.

Strobl wies eigene Rolle in der Causa zurück

Dieser wiederum hatte sich inzwischen selbst dazu in einem Interview mit dem Standard geäußert: Darin bestätigte er, dass Weißmann eine ihm vom früheren ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vertraglich zugesicherte Pensionsregelung nicht habe umsetzen wollen. Sollte es dabei bleiben, müsste er diese nach seinem Ausscheiden aus dem ORF Ende 2026 einklagen. Allerdings betonte Strobl, dass die letzte Korrespondenz zu diesem Thema bereits im Jahr 2023 stattgefunden habe und die gegen Weißmann erhobenen Vorwürfe in keinem Zusammenhang mit seiner beruflichen Tätigkeit stünden.

Darüber hinaus bestätigte Strobl, dass er denselben Anwalt wie jene Frau habe, die sich mit den gegen Weißmann gerichteten Vorwürfen an die Stiftungsratsspitze gewandt hatte. Den Vorwurf, er habe sie zur Erhebung der Anschuldigungen motiviert, wies er jedoch zurück. "Die betroffene Frau braucht(e) meine Motivation nicht, sondern nur ihren persönlichen großen Mut für diesen Schritt", so Strobl im Standard-Interview.

Geschäftsordnung soll angepasst werden

Abseits davon beschäftigte sich der Stiftungsrat in der Sitzung auch mit Änderungen an der eigenen Geschäftsordnung. Ziel der geplanten Anpassungen ist eine straffere Führung der Debatten: Künftig sollen bei anhaltenden Störungen etwa Ordnungsrufe ausgesprochen oder im Extremfall auch das Rederecht entzogen werden können. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, Sitzungen zur Beruhigung der Situation vorübergehend zu unterbrechen.

Kritik daran kam auch hier von Westenthaler, der befürchtet, dass mit der neuen Geschäftsordnung eine "Diktatur ausbricht". Vorsitzender Lederer wies diese Darstellung bereits im Vorfeld zurück und betonte, dass es sich bei den Änderungen nicht um ein "Alleinwerk" handle, sondern ihnen eine breite Diskussion innerhalb des Gremiums vorausgegangen sei.

www.orf.at

Über Ingrid Thurnher

Ingrid Thurnher startete ihre Laufbahn beim ORF im Jahr 1985. Ein Jahr später wechselte sie in den Aktuellen Dienst des ORF-Landesstudios Niederösterreich, wo sie bis 1991 als Redakteurin tätig war. In dieser Zeit moderierte sie unter anderem Formate wie "Land und Leute", "Österreich-Bild", "Österreich heute" und "Niederösterreich heute" sowie verschiedene Informationssendungen im Radio.

Zwischen 1991 und 1994 arbeitete die gebürtige Bludenzerin als Redakteurin in der Radio-Innenpolitik und moderierte die Ö1-Journale. Danach wechselte sie zur "ZIB 2", die sie von 1995 bis 2007 präsentierte. Anschließend gehörte sie von April 2007 bis März 2008 auch zum Moderatorenteam der "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr.

Von März 2008 bis Ende 2016 führte Thurnher durch die Diskussionsformate "Im Zentrum" und "Runder Tisch". Darüber hinaus moderierte sie im ORF auch mehrere politische TV-Konfrontationen, etwa im Zuge der Nationalratswahl 2013 sowie der Bundespräsidentenwahl 2016. Zwischen 2009 und 2011 war sie zudem Gastgeberin der ORF-"Sommergespräche".

Ab Jänner 2017 übernahm Thurnher die Funktion der Chefredakteurin von ORF III. Seit 1. Jänner 2022 steht sie als ORF-Radiodirektorin an der Spitze der Hörfunk-Sparte des öffentlich-rechtlichen Senders.

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Über Ingrid Thurnher

Ingrid Thurnher startete ihre Laufbahn beim ORF im Jahr 1985. Ein Jahr später wechselte sie in den Aktuellen Dienst des ORF-Landesstudios Niederösterreich, wo sie bis 1991 als Redakteurin tätig war. In dieser Zeit moderierte sie unter anderem Formate wie "Land und Leute", "Österreich-Bild", "Österreich heute" und "Niederösterreich heute" sowie verschiedene Informationssendungen im Radio.

Zwischen 1991 und 1994 arbeitete die gebürtige Bludenzerin als Redakteurin in der Radio-Innenpolitik und moderierte die Ö1-Journale. Danach wechselte sie zur "ZIB 2", die sie von 1995 bis 2007 präsentierte. Anschließend gehörte sie von April 2007 bis März 2008 auch zum Moderatorenteam der "Zeit im Bild" um 19.30 Uhr.

Von März 2008 bis Ende 2016 führte Thurnher durch die Diskussionsformate "Im Zentrum" und "Runder Tisch". Darüber hinaus moderierte sie im ORF auch mehrere politische TV-Konfrontationen, etwa im Zuge der Nationalratswahl 2013 sowie der Bundespräsidentenwahl 2016. Zwischen 2009 und 2011 war sie zudem Gastgeberin der ORF-"Sommergespräche".

Ab Jänner 2017 übernahm Thurnher die Funktion der Chefredakteurin von ORF III. Seit 1. Jänner 2022 steht sie als ORF-Radiodirektorin an der Spitze der Hörfunk-Sparte des öffentlich-rechtlichen Senders.

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