Fotos 9. Deutsch-Österreichisches Technologieforum
"Unsicherheit führt zu Innovation – wir leben in der innovativsten Zeit"

Beim 9. Deutsch-Österreichischen Technologieforum in Wien drehte sich alles um "Wachstum durch Wandel". Hochkarätige Expert:innen und CEOs sehen KI, autonome Systeme und Datendurchgängigkeit als Schlüsseltechnologien für die Wettbewerbsfähigkeit.

Unter dem Leitthema "Wachstum durch Technologie, Wissen und Wandel gestalten" versammelten sich hochkarätige Vertreter:innen aus Wirtschaft, Forschung und Politik am 11. und 12. März zum neunten Deutsch-Österreichischen Technologieforum. Im Fokus der zweitägigen Veranstaltung standen die transformative Kraft der Künstlichen Intelligenz (KI), neue Geschäftsmodelle sowie die Notwendigkeit globalen Denkens zur Sicherung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit.

Auftakt mit der Tec-Night 

Den feierlichen Beginn des Forums markierte die Tec-Night am Mittwochabend. Gastgeber Hans Dieter Pötsch, Präsident der Deutschen Handelskammer in Österreich (DHK), unterstrich bei der Eröffnung die Bedeutung des Austauschs: "Das Deutsch-Österreichische Technologieforum ist der Ort, an dem Innovation und Wettbewerbsfähigkeit spürbar werden." Er forderte zudem, Technologie als "geopolitische Infrastruktur" zu begreifen, was eine umfassende Modernisierung des Bildungssystems voraussetze.

Vito Cecere, Deutscher Botschafter in Österreich, und Henriette Spyra, Leiterin der Sektion III Innovation und Technologie im Bundesministerium für Innovation, verwiesen auf die Definition strategischer Schlüsseltechnologien – von Quantentechnologie bis hin zu klimaneutraler Mobilität. Spyra betonte, dass für den Projekterfolg nicht allein die Höhe der Mittel entscheidend sei, sondern ein Wechsel hin zu einer "Impact-Logik" sowie die Förderung von Diversität.

Höhepunkt der Tec-Night war die Keynote "KI verändert alles – außer die Physik: die neue Disruption im Automobilsektor" von Nikolai Ardey, Executive Director der Volkswagen Group Innovation. Dabei betonte er die Rolle der KI als elementaren Bestandteil künftiger Fahrzeuge. Besonders bei Fahrerassistenzsystemen und dem autonomen Fahren sei KI der entscheidende Faktor. "Herausforderung ist die nötige Rechenpower. Was heute die PS sind, wird in Zukunft die Rechenleistung sein", betonte Ardey. Während man heute von 200 Tops (Trillion Operations Per Second) spreche, werde man künftig 1.000 oder 2.000 benötigen. Laut ihm zeichne sich eine "Plattform Fusion" ab, bei der das gesamte Fahrzeug durch KI betrieben werde. Ziel sei die Entwicklung von "Automotive Foundation Modellen", die auf massiven Datenmengen vortrainiert werden. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion erörterte Ardey gemeinsam mit Henriette Spyra und Jens Poggenburg (AVL List) die Synergien zwischen Industrie, Politik und Forschung.

Potenziale für die Industrie

Am Donnerstag wurde das Forum mit Vorträgen, Panels und Diskussionen fortgesetzt. Die wirtschaftlichen Dimensionen der KI-Implementierung wurden durch Christoph Knogler (KEBA Group) verdeutlicht. Er verwies auf Studien, wonach KI das Bruttoinlandsprodukt in den kommenden zehn Jahren um 18 Prozent steigern könne; die Industriellenvereinigung prognostiziere gar eine Produktivitätssteigerung von 40 Prozent. Ein konkreter Use Case sei die Reduktion des manuellen Prüfaufwands um bis zu 70 Prozent.

Sandra Stein (Fraunhofer Austria) sieht in den herausfordernden Zeiten auch etwas Positives: "Unsicherheit führt zu Innovation, wir leben in der innovativsten Zeit der Menschheit." Sie sieht drei zentrale Herausforderungen: Energie, Lieferkettenunsicherheit und Investitionslähmungen. Fraunhofer setze hier mit neuen Methoden an wie der energieoptimierten Produktionsplanung oder KI-Tools zur Lieferketten-Analyse, so Stein. Gerhard Dimmler (Engel Austria) skizzierte den Weg zur KI-Integration in fünf Schritten, wobei er insbesondere eine klare Data Governance und die Einführung von "GenAI" hervorhob.

Neue Wege in Handwerk und Logistik

Dass KI auch traditionelle Branchen transformiert, zeigte Michael Petschnig (RPM Gebäudemonitoring): "Handwerksbetriebe müssen sich neu erfinden." Durch die Aufbereitung komplexer Datenmengen bei Bauausschreibungen schaffe man Mehrwert für die Kund:innen. Weitere Impulse lieferten Georg Schett (Fraunhofer Austria) und Franz Zagler (Spar Österreich) zum Thema "Digitaler Zwilling" in der Lieferkette sowie Michael Lackner (Dr. Sasse Facility Management), der den Einsatz humanoider Roboter in der Reinigungsbranche thematisierte.

Den Abschluss bildeten Einblicke von Peter Amend (Zeiss Digital Partners) in datenbasierte Insights sowie von Klaus Buchwald (Siltronic) zur Stärkung des europäischen Chip-Marktes. Rainhill Freitas (Airbus Defence and Space) resümierte, dass gemeinsame europäische Initiativen unverzichtbar seien, um die Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts nachhaltig zu festigen.

LEADERSNET war bei der Tec-Night. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.oesterreich.ahk.de

www.fraunhofer.at

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