Viel Neues ist mit Corona in die Arbeitswelt gekommen und wird auch bleiben. Viel Altes muss weichen. Das zieht einen Prozess der Veränderung nach sich, der in einem neuen Führungsanspruch resultiert. Gerade in dynamischen Zeiten sorgt die Neubewertung der eigenen Führungsgrundsätze anhand dieser vier Leitbilder für mehr Klarheit und Weitblick.
Unternehmen müssen jetzt Schritt halten
Mit den Auswirkungen müssen Führungsverantwortliche über alle Lebensbereiche hinweg noch immer kämpfen. Gleichzeitig hat die Pandemie in vielen Unternehmen digitale Prozesse beschleunigt und so "New Work" im Arbeitsalltag etabliert. Das Problem dabei? "Manager:innen wie Mitarbeiter:innen hinken nach dem vielerorts abrupten Wechsel ins Home- oder Hybridoffice, häufig strukturell, mental und auch wertemäßig hinterher", erklärt Führungskräfteexpertin Veronika Aumaier. Eine Situation, die auf alle Ebenen Einfluss nimmt und nur von der Führungskraft selbst gelöst werden kann.
1. New Structure – Ein klares Framework gibt Sicherheit
Die Grundessenz von New Work ist es, mit starren Strukturen zu brechen und Agilität und Flexibilität zu fördern. Die Digitalisierung ist der zentrale Träger, das Team selbstbestimmter arbeiten zu lassen, ungebunden von Ort und Zeit. "Wesentlich ist, dass die Verantwortlichen hier auch für die notwendigen Rahmenbedingungen sorgen", betont Aumaier. Das beginnt operativ bei der Arbeitsplatzausstattung, schnellen IT-Verbindungen, Regelungen zur Datensicherheit und rechtlichen Parametern für Remote Work.
Darüber hinaus muss die Führungskraft strukturelle und inhaltliche Fragen klären: Wie verändert hybrides Arbeiten den Umgang mit Arbeitszeiten und Zeiterfassung? Ist Desksharing bei uns sinnvoll? Welche neuen Schwerpunkte müssen wir vor Ort im Büro setzen? etc. "Die Arbeit im Unternehmen gilt jetzt vordergründig dem Austausch und der Kommunikation. Man geht ins Büro, um seine Kollegen zu treffen, sich für Lösungen auszutauschen und das große Ganze im Blick zu halten", so die Coachingexpertin.
2. New Leadership – Mit Vertrauen zu mehr Stabilität
"Als Führungskraft muss ich mir im Klaren sein, dass sich durch die fortschreitende Digitalisierung auch die Spielregeln für die Führung ändern. New Leadership bedeutet in erster Linie Kontrolle aufzugeben. Sowohl im Sinne der Aufgabenerfüllung als auch im Beistand zur emotionalen Stabilität", meint Aumaier. Denn klassische hierarchische Modelle und Mikromanagement funktionieren nicht mehr. Vielmehr kommt es darauf an (digitale) Strukturen zu schaffen, die den Dialog mit Angestellten fördern und für mehr Mitbestimmung und Eigeninitiative sorgen.
Der Vorteil: Die Führungskraft gewinnt freie Ressourcen, die sie in eine gezielte Kommunikation, eine generelle Steuerung und in die langfristige Ausrichtung des Unternehmens legen kann.
3. New Mindset – Die innere Haltung steuert das Verhalten
Für eine neue Führungskultur im Unternehmen braucht das Topmanagement ein Mindset, das von zeitgemäßen Kompetenzen getragen wird: Offenheit für Neues, Zutrauen und Vertrauen, Sinn für Systeme und Strukturen, Lösungsorientierung und Ergebnisorientierung. Wurde bisher verstärkt über Vorgaben und Kontrolle geführt, erfordert das nicht nur einen Mindset Change beim einzelnen Individuum, sondern im gesamten Unternehmen.
Eine positive innere Haltung gegenüber New Work ist maßgeblich: "Um Verhalten zu ändern, braucht es Ideen und Einstellungen dazu, welches Verhalten gewünscht und wie es zu erreichen ist. Um ins tatsächliche Tun zu kommen, ist meist begleitendes Coaching erforderlich", so Aumaier. Dieser Prozess führt schlussendlich zu einer gesteigerten persönlichen Resilienz in Zeiten von Unsicherheit und Krisen.
4. New Culture – Gelebte Werte sorgen für Orientierung im Team
New Work löst im Team eine Fülle an Aktionen und Reaktionen aus. Jede und jeder Einzelne ist intensiv gefordert, weil er an Sicherheit verliert. Zudem können die neuen Regeln und Strukturen nicht von allen gleich schnell und gut gelebt werden. Umso wichtiger ist das Mindset der Führungskraft. Der Grundsatz lautet: "So wie die Führungskraft denkt und agiert, so agieren auch die Teammitglieder", erklärt die Expertin.
"Die volle Überzeugung der Führungskraft ist der Schlüsselfaktor, damit New Work im Team greifen kann. Durch eine entsprechende Wertehaltung und Arbeitskultur muss diese auf das gesamte Team übertragen werden. Somit hält man seine Mitarbeiter:innen zufrieden und fördert den Zusammenhalt im Team trotz Homeoffice."
New Work auf den Punkt gebracht
Aus der Summe dieser vier Leitbilder resultiert der neue Anspruch an Führungskräfte für die kommenden Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. "Führungskräfte müssen diese Ansätze in ihrem Denken und Handeln verankern. Nur so bleiben Unternehmen auch langfristig für Mitarbeiter:innen attraktiv und gewährleisten gleichzeitig eine kontinuierliche Weiterentwicklung", so Aumaier. Diese Fülle an Neuerungen zu etablieren, birgt zahlreiche Herausforderungen. Da hilft oft ein Blick von außen. Für Führungskräfte ist es sinnvoll, interne und externe Partner mit an Bord zu holen, um den komplexen Wandel in der Arbeitswelt nachhaltig zu meistern. (et)
www.aumaier-coaching.com
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