Das Consultingunternehmen RegioPlan hat die Entwicklung der Retailmieten während der Corona-Pandemie unter die Lupe genommen. Fazit: Aktuell werden die Retailmieten in Österreich durch zwei Trends bestimmt.
Potenzielle Mieter gewinnen an Macht
Der erste Trend sei die Nachverhandlung bestehender Mietverträge. Trend Nr. 2 – der Rückgang der erzielbaren Mieten bei Neuverträgen – sei ebenfalls durch Corona befeuert werden. Beides habe langfristig Auswirkungen auf das Mieter-Vermieter-Verhältnis und letztlich auf die Handelsstruktur, sind die Experten bei RegioPlan überzeugt.
Für 2020 wurden nach derzeit vorliegenden Informationen etwa 15 bis 17 Prozent aller Mietverträge im Retailbereich temporär, plus circa zwölf Prozent nachhaltig, reduziert. Dazu kommt, dass sich aufgrund der geringer werdenden Nachfrage an Handelsflächen generell die Situation in Richtung Käufermarkt verändert habe. Dies würde bedeuten, dass die potenziellen Mieter zunehmend an Macht gewinnen.
2020 nur wenige Mietabschlüsse
Die durchschnittliche Verkaufsfläche pro Geschäftslokal bei den Neuvermietungen sank um etwa acht Prozent, ebenso ging die vereinbarte Mindestvertragsdauer leicht zurück. Insbesondere bei Shopping Malls und Retail Parks sank zudem der Anteil an umsatzabhängigen Mietvereinbarungen signifikant. Insgesamt könne für das Coronajahr 2020 von einem Mietentgang für die österreichischen Shopping Malls und Fachmarktzentren von insgesamt mindestens 260 Millionen Euro ausgegangen werden.
Samantha Riepl, CEO von RegioPlan Consulting, meint dazu: "Ja, die Einzelhandelsflächen in Österreich befinden sich auf dem Rückzug und werden in den nächsten Jahren weiterhin um drei bis vier Prozent jährlich schrumpfen. Doch das bedeutet keineswegs den Niedergang der Handelszonen, denn es ergeben sich Chancen für andere, ergänzende Nutzungsformen: Mischnutzungen mit Freizeit, Entertainment, Arbeiten, Büro, Gesundheitseinrichtungen, Logistik etc. Allerdings: Die erzielbaren Mieterträge liegen in diesen Nutzungsformen oft deutlich unter der Erwartungshaltung. Zudem ist der Aufwand des Asset-Managements und das Betreiber- risiko entsprechend höher. Um diese Herausforderungen bewältigen zu können, braucht es einerseits viel mehr Flexibilität der Vermieter und Endinvestoren und andererseits Kooperationen auf allen Ebenen: Mieter, Vermieter, Städte. Letztlich können wir uns als Konsumen- ten freuen: Die Shopping Places in Österreich werden wieder multifunktionaler, also vielfäl- tiger und urbaner werden." (as)
www.regioplan.eu
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