Nach jahrelanger Gratis-Nutzung: Jetzt bittet Wikipedia die Tech-Giganten groß zur Kasse

Google, Amazon und Co. sollen künftig für neue Business-Lösung Wikimedia Enterprise zahlen und so ihren Beitrag zum Erhalt der kostenlosen Online-Enzyklopädie leisten.

Ob für die schnelle Recherche aus dem Handgelenk oder sogar als komprimiertes Wissens-Backup für das ein oder andere Referat in der Schule: Die frei zugängliche und editierbare Online-Enzyklopädie Wikipedia wird seit ihrem Launch vor 20 Jahren im Jahr 2001 tagtäglich von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt genutzt.

Doch trotz ihrer hohen Nutzungsraten ist die Wissensplattform von individuellen Spenden und Zuschüssen abhängig, um sich zu erhalten. Wenn es darum geht, dass hier öffentlich zugängliches Wissen, von privaten Usern für private User aufbereitet, zur Verfügung gestellt und finanziert wird, ist das eine Sache. Doch wenn sich Big-Tech-Konzerne wie Amazon, Apple, Facebook oder Google dieser Informationen bedienen, um diese quasi als kostenlosen Schummelzettel für ihre Plattformen und virtuellen Assistenten zu nutzen, ohne etwas dafür zu geben, dann wird es unfair, so Wikipedia.

Online-Enzyklopädie als B2B-Version

Um diesem Umstand entgegenzusteuern, hat Wikipedia nun den Launch einer kommerziellen speziell für die B2B-Nutzung ausgelegten, Version der Online-Enzyklopädie angekündigt. Unter dem Namen "Wikimedia Enterprise" sollen die bereits bestverdienenden Big Player nun zur Kasse gebeten werden.

Besonders stark ins Bewusstsein rückt die ungerechte Verteilung des Gewinns aus Wikipedia-Wissen durch den Vergleich mit dem Aufstieg von Google: Mit der am meisten genutzen Suchmaschine der Welt verband Wikipedia bislang eine Art "unausgesprochene Partnerschaft", wie der Standard es beschreibt. Während Wikipedia Informationen produziert und publiziert, stellt Google diese durch eine prominente Platzierung in den Suchergebnissen Millionen von Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung.

Damit erhalten die Wikipedia-Einträge nicht nur eine hohe Sichtbarkeit, sondern auch eine hohe Reputation: Wie Wired berichtet, festigt Google so den Ruf von Wikipedia als Quelle vertrauenswürdiger Informationen. Auf den ersten Blick eine ideale Symbiose, wenn da nicht die ungleiche finanzielle Vergütung wäre: Denn wenngleich die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen nun schon 20 Jahre andauert, stieg Google in dieser Zeit zum Milliardenkonzern auf, Wikipedia ist aber nach wie vor eine Non-Profit-Organisation.

Kostenpflichtiges Produkt mit maßgeschneiderten Lösungen 

"Wikimedia Enterprise" hat bereits einen eigenen Webauftritt, wenngleich es hier noch nicht viel zu sehen gibt. Der neue Dienst wird mit dem Ziel gelauncht, das durch die kommerzielle Nutzung von Wikipedia entstandene Ungleichgewicht etwas auszugleichen. Die Vertreter von "Wikimedia Enterprise" wollen nun in Dialog mit den betreffenden Konzernen treten, Abmachungen zur Nutzung sollen laut jüngsten Informationen bereits mit Juni in Kraft treten.

Lisa Seitz-Gruwell, Chief Revenue Officer der Wikimedia Foundation, erklärt zudem den Vorteil, der aus einer neuen vertraglichen Beziehung zwischen Unternehmen und der Wissensplattform erwächst: "Eine vertragliche Beziehung macht deutlicher, dass Unternehmen – die einen Mehrwert aus dem freiwilligen Projekt ziehen – etwas zurückgeben sollten. Diese Unternehmen sollen einen Beitrag zum Erhalt der Ressourcen leisten, die ihr Geschäftsmodell mittragen."

Auch den Unternehmenspartnern sollen viele Vorteile aus der Nutzung des neuen kostenpflichtigen Produkt erwachsen: "Wikimedia Enterprise" soll maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die auf die Anforderungen jedes einzelnen Unternehmens zugeschnitten sind. So sollen diese sicherstellen können, dass ihnen stets die aktuellste Version eines Artikels angezeigt wird. Vertragspartner sollen Echtzeit-Änderungen und umfassende Daten in einem kompatiblen Format geliefert bekommen und Zugriff auf Kundenservices wie beispielsweise eine eigene Service-Rufnummer, eine garantierte Liefergeschwindigkeit für Daten und ein Troubleshooting-Expertenteam, das mit der Lösung spezifischer technischer Fehler beauftragt werde, bekommen. Zudem sollen die Daten für Businesskunden nicht auf den hauseigenen Servern gehostet, sondern ausgelagert werden. Hier könnten die Amazon Web Services (AWS) zum Einsatz kommen. (rb)

enterprise.wikimedia.com

www.wikipedia.org

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