Aion-UT-Produktion bei Magna
Dieser kompakte China-Stromer rollt jetzt in Österreich vom Band

Mit dem Produktionsstart eines weiteren E-Autos von GAC bei Magna wird erneut ein Impuls für Wertschöpfung und Beschäftigung am heimischen Wirtschaftsstandort gesetzt. Wir zeigen, was der kompakte Elektriker bietet.

Der steirische Automobilstandort rückt weiter in den Fokus internationaler Hersteller. Wie bereits berichtet, befindet sich Magna in einer Phase der strategischen Neuausrichtung, in der neue Partnerschaften – insbesondere mit chinesischen E-Auto-Produzenten – eine zentrale Rolle spielen und die Auslastung des Werks nachhaltig sichern sollen. Vor dem Hintergrund einer insgesamt schwächelnden europäischen Automobil- und Zulieferindustrie ist dies ein positives Signal für den heimischen Wirtschaftsstandort.

Mit dem Produktionsstart des kompakten Elektromodells Aion UT des chinesischen Herstellers GAC wird diese Entwicklung nun erneut sichtbar. Sein Elektro-SUV Aion V wird bereits in der Steiermark montiert, zudem setzen auch XPeng und Mercedes auf die Qualitäten der Magna-Leute in Graz (LEADERSNET berichtete). 

GAC Aion UTDer Produktionsstart bei Magna in Graz wurde gefeiert © GAC

Lokale Produktion als strategischer Schritt

GAC verfolgt mit der Fertigung in Österreich eine klare Lokalisierungsstrategie. Entwicklung und Design stammen aus einem europäischen Team in Mailand, während die Produktion bei Magna erfolgt. Dadurch soll eine stärkere Marktnähe sowie eine effizientere Integration in europäische Lieferketten erreicht werden. Das Unternehmen nutzt dabei bewusst die bestehende industrielle Infrastruktur und Fertigungskompetenz des steirischen Auftragsfertigers. Ziel sei es, Qualität, Effizienz und Prozesssicherheit zu gewährleisten sowie schneller auf Marktanforderungen reagieren zu können. Branchenkenner:innen werten dies als Aufbau eines eigenständigen Europa-Set-ups, das über den reinen Vertrieb hinausgeht.

Was bietet der China-Stromer?

  • Kompaktklasse im Visier

Der Aion UT ist als zentrales Modell für die europäische Expansion von GAC positioniert. Mit einer Länge von 4,27 Metern, einer Breite von 1,85 Metern und einer Höhe von rund 1,58 Metern ist er im klassischen Kompaktsegment angesiedelt und tritt damit gegen etablierte Elektromodelle wie VW ID.3, Cupra Born, Volvo EX30, MG4 Electric, Kia EV3, Peugeot E-2008 oder Hyundai Kona Elektro an. Der Radstand von 2.750 Millimetern sorgt für ein im Verhältnis großzügiges Raumangebot, das laut Hersteller auch im Fond ausreichend Platz für Personen bis etwa 1,85 Meter Körpergröße bietet. Das Kofferraumvolumen liegt bei 440 Litern und lässt sich durch Umlegen der Rücksitzlehnen auf bis zu 1.600 Liter erweitern.

GAC Aion UT© GAC

Gestalterisch setzt das Modell bewusst auf Zurückhaltung. GAC-Designer Stéphane Janin erklärt: "Wir wollten kein lautes Design, sondern ein klares." Entsprechend verzichtet das Fahrzeug auf markante Sicken und setzt auf glatte Flächen, versenkte Türgriffe sowie eine klare Linienführung. LED-Scheinwerfer mit Pixel-Elementen, ein markantes Frontdesign sowie C-förmige Rückleuchten prägen das Erscheinungsbild.

  • Technische Daten

In der Europa-Version verfügt der Aion UT über einen permanentmagneterregten Synchronmotor an der Vorderachse mit 150 kW (204 PS) und einem maximalen Drehmoment von 210 Nm. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Eingang-Getriebe auf die Vorderräder. Den Sprint von 0 auf 100 km/h absolviert das rund 1,6 Tonnen schwere Fahrzeug in 7,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 160 km/h elektronisch begrenzt.

GAC Aion UT© GAC

Die Energie liefert eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP) mit rund 60 bis 62 kWh Kapazität, die eine Reichweite von bis zu 430 Kilometern nach WLTP ermöglichen soll. Geladen wird serienmäßig mit bis zu elf kW Wechselstrom, während die maximale DC-Ladeleistung bei eher mäßigen 87 kW liegt. Damit dauert der Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent rund 32 Minuten. Zusätzlich steht eine Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) mit bis zu 3,3 kW zur Verfügung.

GAC hat laut eigenen Angaben auf ein ausgewogenes Gesamtpaket gesetzt, statt den Markteintritt über aggressive Preisstrategien zu forcieren. Mit einem Einstiegspreis von rund 27.990 Euro positioniert sich das Modell am unteren Wettbewerbsumfeld etablierter Kompakt-Stromer. Bei den meisten anderen Herstellern bekommt man dafür ein um eine Klasse weiter unten angesiedeltes Fahrzeug.

  • Umfangreiche Ausstattung und europäische Anpassungen

Wie man es von chinesischen Herstellern gewohnt ist, bietet bereits die Basisversion eine umfangreiche Serienausstattung. Dazu zählen u.a. 17-Zoll-Leichtmetallräder, LED-Lichtsysteme, elektrisch einstellbare und beheizbare Vordersitze, ein beheizbares Lenkrad, Klimaautomatik sowie eine Wärmepumpe. Im Innenraum kommen ein digitales Kombiinstrument mit rund 8,9 Zoll sowie ein zentraler 14,6-Zoll-Touchscreen zum Einsatz, über den wesentliche Fahrzeugfunktionen gesteuert werden. Hier wären ein paar mehr echte Tasten und Schalter jedoch wünschenswert. Smartphones lassen sich kabellos via Apple CarPlay und Android Auto integrieren.

GAC Aion UT© GAC

Für Europa wurde GAC zufolge die elektronische Architektur auf eine weiterentwickelte Plattform umgestellt, um Anforderungen bei Assistenzsystemen, Over-the-Air-Updates sowie Cybersecurity zu erfüllen. Auch Remote-Funktionen per App sind vorgesehen. Bei den Fahrerassistenzsystemen zeigt sich eine klare Ausrichtung auf europäische Standards: Neben Notbrems- und Spurhalteassistent sind unter anderem adaptiver Tempomat, Totwinkelwarner, Querverkehrswarnung, eine automatische Notruffunktion (eCall) sowie eine 360-Grad-Kamera serienmäßig verfügbar. Hier bleibt zu hoffen, dass die Systeme gut funktionieren und nicht ständig unbegründet Alarm schlagen, wie man es häufig bei chinesischen Herstellern sieht.

Bedeutung für den Standort

Mit dem Produktionsstart des Aion UT unterstreicht Magna einmal mehr seine Rolle als flexibler Fertigungspartner für internationale Hersteller. Für den Standort Graz bedeutet dies zusätzliche Auslastung in einer Phase des Umbruchs. Gleichzeitig zeigt sich ein struktureller Trend: Chinesische Hersteller setzen zunehmend auf lokale Produktion in Europa, um Marktnähe zu erhöhen, regulatorische Hürden wie Strafzölle zu umgehen und Lieferketten zu stabilisieren. Konkurrent BYD setzt auf eine ähnliche Strategie und startet in wenigen Wochen seine Produktion in einem ganz neu errichteten Werk in Ungarn, bei dem übrigens die voestalpine in Linz zu den Hauptzulieferern zählt (LEADERSNET berichtete). 

Ob sich der Aion UT langfristig im europäischen Markt etablieren kann, wird wesentlich von Faktoren wie Preisentwicklung, Verfügbarkeit und Servicequalität abhängen. Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist die Produktion jedoch bereits jetzt ein klares Signal – und ein weiterer Schritt in Richtung internationaler Industrievernetzung.

Markteinführung

Beim Marktstart gibt es für heimische Interessent:innen noch einen Haken. Denn obwohl der China-Stromer in Österreich gebaut wird, ist er zunächst (ab dem 2. Quartal 2026) nur in Finnland, Griechenland, Polen und Portugal eingeführt. GAC hat aber bereits angekündigt, dass weitere europäische Märkte folgen. 

www.magna.com

www.gacgroup.com

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV