Philipp Maderthaner im Interview
"Führung heißt nicht, der Schlauste im Raum zu sein"

| Redaktion 
| 16.04.2026

Im LEADERSNET-Interview spricht Unternehmer und Strategieberater Philipp Maderthaner über moderne Führung in Zeiten von Generationenwandel, Digitalisierung und steigenden Anforderungen an Unternehmen. Außerdem erklärt er, weshalb etablierte Leader von der jungen Generation lernen müssen und wie Firmen den Generationsmix als Wettbewerbsvorteil nutzen können.

Im Rahmen des 23. Informationstags der Wiener Versicherungsmakler im Palais Ferstel drehte sich unter dem Leitthema "Cross-Generation Empowerment" alles um die Frage, wie Unternehmen die Stärken erfahrener Führungskräfte mit den Perspektiven der jungen Generation verbinden können (LEADERSNET berichtete). Über 500 Branchenvertreter:innen diskutierten dabei, warum der generationenübergreifende Dialog zum entscheidenden Erfolgsfaktor wird. Am Rande der Veranstaltung sprach LEADERSNET mit Unternehmer und Strategieberater Philipp Maderthaner über moderne Führung, Lernfähigkeit und den Generationsmix als Wettbewerbsvorteil.

  • Philipp Maderthaner im Interview

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Maderthaner, warum ist es aus Ihrer Sicht so wichtig, dass erfahrene Führungspersönlichkeiten bewusst auch von der jungen Generation lernen?

Philipp Maderthaner: Weil die Welt nicht langsamer wird, nur weil wir schon lange dabei sind. Erfahrung ist Gold wert, aber sie wird gefährlich, wenn sie zur Ausrede wird: "So haben wir's immer gemacht." Die junge Generation bringt oft das mit, was wir Etablierten im Alltag verlieren: Lernhunger, Unbefangenheit und ein extrem gutes Gespür dafür, wie Kommunikation, Tools und Tempo heute wirklich funktionieren. Und ehrlich: Führung heißt nicht, der Schlauste im Raum zu sein, sondern die Richtung zu halten und schneller zu lernen als der Markt. Wer das nicht kann, wird geführt – von der Realität.

LEADERSNET: Was sind aus Ihrer Sicht die stärksten Assets der jungen Generation – und was können etablierte Leader daraus konkret mitnehmen?

Maderthaner: Die junge Generation hat drei richtig starke Assets: Sie hat einen extremen Lernhunger, sie denkt viel weniger in Titel und mehr in Fähigkeiten, und sie ist gnadenlos sensibel für Kultur und Sinn. Die kommen nicht, um "einen Job zu haben", sondern um zu wachsen, dazuzugehören und an etwas mitzuwirken, das sich nach Bedeutung anfühlt. Etablierte Leader können daraus konkret mitnehmen: weniger Anspruchsdenken, mehr Angebot an Entwicklung, und eine Kultur, die wie eine Ehrenamtsorganisation funktioniert – Begeisterung, Überzeugung, klare Werte. Dann ziehen junge Talente mit, und zwar freiwillig.

LEADERSNET: Was bedeutet das konkret für die Zusammenarbeit im Alltag – zum Beispiel im Führungsteam oder Projektumfeld?

Maderthaner: Ganz konkret heißt das: Im Alltag brauchen Sie zwei Dinge gleichzeitig – Beziehung und Klarheit. Die Etablierten bringen oft Stabilität, Standards und Urteilskraft. Die Jungen bringen Tempo und Experimentierfreude. Damit das nicht knallt, muss im Führungsteam gnadenlos klar sein, wer wofür entscheidet, welche Erwartungen gelten und welche Werte nicht verhandelbar sind. Und parallel brauchen Sie echte Nähe: regelmäßige One-on-Ones, ehrliches Interesse, Feedback ohne Drama. Kultur entsteht nicht durch Slogans, sondern durch dieses tägliche "so machen wir das hier".

LEADERSNET: Wo tun sich etablierte Führungskräfte Ihrer Erfahrung nach am schwersten im Umgang mit der jungen Generation – und was würden Sie ihnen raten?

Maderthaner: Etablierte Führungskräfte tun sich am schwersten dort, wo sie glauben, sie müssten zwischen "klar führen" und "jung verstehen" wählen. Dann werden sie entweder weich aus Angst vor Kündigungen oder zynisch nach dem Motto "die wollen eh nix hackln". Beides killt Kultur. Mein Rat ist recht simpel: Zeichnen Sie ein klares Bild, wofür das Team steht, welche Standards nicht verhandelbar sind und warum das Sinn macht. Und dann drehen Sie das Spiel um: Nicht fragen "Was will die Gen Z?", sondern zeigen, was sie hier lernen, beitragen und werden kann. Klarheit plus echte Entwicklung zieht die Richtigen an.

LEADERSNET: Was ist Ihr Appell an Unternehmen, die den Generationsmix nicht nur leben, sondern strategisch nutzen wollen?

Maderthaner: Mein Appell ist simpel: Hören Sie auf, "Generation Z" wie ein HR-Thema zu behandeln, und machen Sie daraus eine Wettbewerbsstrategie. Wir haben weniger Menschen am Arbeitsmarkt, gleichzeitig steigen die Ansprüche – Sie können sich kulturelle Reibungsverluste nicht mehr leisten. Die Etablierten müssen lernen, echte Lernkurven, Zugehörigkeit und Sinn zu liefern, statt nur Geld und Titel. Und die Jungen müssen verstehen: Herausragende Ergebnisse kommen nicht aus Wunschdenken, sondern aus Commitment.

www.philippmaderthaner.com

www.wiener-versicherungsmakler.at

Zur Person

Philipp Maderthaner ist Unternehmer, Strategieberater und einer der profiliertesten Leadership-Vordenker im deutschsprachigen Raum. Bekannt wurde er als Gründer der Agentur Campaigning Bureau und mit seinem Beratungsansatz "Business Gladiators Consulting". Mit seinem Podcast "Philipp Maderthaner Unplugged" erreicht er wöchentlich zehntausende Führungskräfte. In Vorträgen und Beratungsprojekten beschäftigt er sich mit Leadership, Unternehmertum und der Fähigkeit zur ständigen Transformation.

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Philipp Maderthaner ist Unternehmer, Strategieberater und einer der profiliertesten Leadership-Vordenker im deutschsprachigen Raum. Bekannt wurde er als Gründer der Agentur Campaigning Bureau und mit seinem Beratungsansatz "Business Gladiators Consulting". Mit seinem Podcast "Philipp Maderthaner Unplugged" erreicht er wöchentlich zehntausende Führungskräfte. In Vorträgen und Beratungsprojekten beschäftigt er sich mit Leadership, Unternehmertum und der Fähigkeit zur ständigen Transformation.

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