Fotos von der VÖP-Konferenz
Privatsender drängen auf Reformen und neue Fördermodelle

| Tobias Seifried 
| 31.05.2026

Bei der VÖP-Konferenz "Next Level Medienpolitik" forderten Medienvertreter:innen rasche politische Maßnahmen zur Stärkung des privaten Rundfunks und des Medienstandorts Österreich.

Bei der Fachkonferenz "Next Level Medienpolitik" des Verbands Österreichischer Privatsender (VÖP) diskutierten Vertreter:innen aus Medien, Politik und Regulierung über die Zukunft des privaten Rundfunks und die Absicherung des Medienstandorts Österreich.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Medienvielfalt, journalistische Qualität und wirtschaftliche Stabilität heimischer Medien angesichts wachsender Konkurrenz durch internationale Plattformen gesichert werden können. Mehrere Teilnehmer:innen warnten vor einer zunehmend existenzbedrohenden Situation für private Medienunternehmen. Gründe seien unter anderem sinkende Werbeerlöse, steigende Kosten sowie hoher Investitionsdruck durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz.

Stimmen aus Politik und Wissenschaft

Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler kündigte eine Neuausrichtung der Medienförderung an. Künftig solle der Fokus stärker auf Qualitätsjournalismus, digitalen Geschäftsmodellen sowie der Absicherung journalistischer Arbeitsplätze liegen. "Öffentliche Mittel nach dem Gießkannenprinzip ist nicht das Zukunftskonzept", sagte Babler. Zudem wolle die Bundesregierung die Sichtbarkeit österreichischer Medienangebote auf Plattformen und Endgeräten verbessern.

Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll bezeichnete die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz als historische Disruption mit Chancen und Risiken zugleich. Europa müsse seine digitale Souveränität stärken und regulatorische Antworten auf die Marktmacht globaler Plattformen finden. Die digitale Transformation sei "schaffbar", müsse aber rasch angegangen werden, so Pröll.

Der Medienwissenschafter Martin Andree warnte in seiner Keynote vor einer zunehmenden Monopolisierung digitaler Öffentlichkeit durch internationale Tech-Konzerne. Wenige Plattformen würden mittlerweile den Großteil digitaler Aufmerksamkeit kontrollieren und damit sowohl die wirtschaftliche Basis als auch die Sichtbarkeit journalistischer Medien gefährden. Andree forderte unter anderem offene Standards, Interoperabilität sowie strengere regulatorische Vorgaben für Plattformen.

Facettenreiche Diskussion

An der anschließenden Paneldiskussion nahmen neben den medienpolitischen Sprechern der Regierungsparteien – Klaus Seltenheim (SPÖ), Nico Marchetti (ÖVP) und Henrike Brandstötter (NEOS) – auch Ingrid Thurnher (ORF), Maximilian Dasch (VÖZ) und Christian Stögmüller (VÖP) teil. Dabei wurde auf die wirtschaftlichen und demokratiepolitischen Herausforderungen durch globale Plattformkonzerne hingewiesen. Gefordert wurden unter anderem die Verlängerung des Digitaltransformationsfonds, die Förderung digitaler Geschäftsmodelle sowie Kooperationen zwischen ORF und privaten Medien.

RTR-Geschäftsführer Wolfgang Struber betonte in seinem Impulsreferat, Medienförderung dürfe nicht allein der Bestandssicherung dienen, sondern müsse gezielt Vielfalt, Unabhängigkeit und digitale Zukunftsfähigkeit fördern. Professionelle redaktionelle Medien seien angesichts von Desinformation und algorithmisch gesteuerten Informationsräumen wichtiger denn je.

Im anschließenden Panel diskutierten Marlene Beran (ServusTV), Lorenz Cuturi (Wimmer Medienhaus) und erneut Wolfgang Struber über den demokratischen Wert unabhängiger Medien. Hervorgehoben wurde insbesondere die Bedeutung regionaler und lokaler Medienangebote sowie die schwierige wirtschaftliche Situation durch den Abfluss von Werbegeldern an internationale Plattformen.

In einer weiteren Paneldiskussion befassten sich Michael Ogris (KommAustria), Falk Zimmermann (Verband Bayerischer Lokalrundfunk), Pia Bambuch (ProSiebenSat.1 PULS4) und Philipp König (kronehit) mit möglichen Kooperationen privater Medienunternehmen. Diskutiert wurden gemeinsame Lösungen bei Technologie, Vermarktung, Streamingplattformen und KI-Infrastruktur. Gleichzeitig kritisierten die Teilnehmer regulatorische Hürden, die Kooperationen erschweren würden.

VÖP-Geschäftsführerin Corinna Drumm sprach in ihren Schlussworten von einer "außerordentlich schwierigen Situation" für den Medienstandort Österreich. Zusätzliche finanzielle Belastungen wie die diskutierte Streaming-Abgabe würden die Branche weiter schwächen und Arbeitsplätze gefährden. Drumm appellierte an die Politik, gezielt jene Medien zu stärken, die mit professionellen Redaktionen und journalistischen Standards zur demokratischen Öffentlichkeit beitragen.

LEADERSNET war bei der Konferenz. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.

www.voep.at

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