Flucht in die Kühle
"Coolcation" befeuert Boom am deutschen Ferienimmobilienmarkt

| Julia Weninger 
| 11.04.2026

Von den Sylter Dünen bis zu den bayerischen Gipfeln: Der deutsche Markt für Zweitwohnsitze erweist sich als hochgradig resilient. Während Rekordpreise von bis zu 35 Millionen Euro erzielt werden, sorgt ein neues Klimaphänomen für zusätzlichen Rückenwind. 

Der deutsche Ferienimmobilienmarkt trotzt der gesamtwirtschaftlichen Wetterlage mit bemerkenswerter Beständigkeit. Laut dem aktuellen "Ferienimmobilien Marktbericht Deutschland 2026" von Engel & Völkers, der bereits zum 13. Mal die 42 wichtigsten Standorte analysiert, bleibt die Nachfrage nach erstklassigen Objekten ungebrochen. Getrieben wird diese Entwicklung nicht nur durch den Wunsch nach langfristiger Vermögenssicherung, sondern auch durch einen neuen Reisetrend: die sogenannte "Coolcation".

Immer mehr Urlauber suchen gezielt nach moderaten Temperaturen und ziehen die Nord- oder Ostsee den hitzeintensiven mediterranen Destinationen vor. Dieser Wandel im Reiseverhalten wirkt sich unmittelbar auf den Immobilienmarkt aus. "Vom aktuellen Trend der Coolcation, bei dem Urlauber gezielt nach kühleren Urlaubszielen suchen und diese zum Beispiel heißen mediterranen Destinationen vorziehen, profitieren insbesondere Eigentümer von Ferienimmobilien an den Küsten", erklärt Till-Fabian Zalewski, CEO DACH von Engel & Völkers.

Der Nachfrageüberhang wirkt sich unmittelbar auf die Preisentwicklung aus: In den Bayerischen Alpen sind die durchschnittlichen Angebotspreise für Ferienwohnungen im vergangenen Jahr an einigen Standorten um rund 10 Prozent gestiegen.

Premiumlagen setzen Preismaßstäbe

Die höchsten Preise für Ferienhäuser werden weiterhin an den bayerischen Seen sowie auf der Insel Sylt erzielt. Die Kombination aus exklusiver Lage und begrenzter Verfügbarkeit sorgt für ein Preisniveau deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt.

Auf Sylt werden laut Engel & Völkers Spitzenpreise von bis zu 29 Millionen Euro für Ausnahmeobjekte in Toplagen erreicht. Am Starnberger See liegen außergewöhnliche Liebhaberobjekte bei bis zu 35 Millionen Euro, während am Tegernsee Preise von bis zu 25 Millionen Euro erzielt werden. Auch der Bodensee zählt zu den hochpreisigen Regionen: In Konstanz werden für erstklassige Objekte bis zu elf Millionen Euro aufgerufen, in der Region rund um Überlingen und Meersburg bis zu zehnMillionen Euro.

Im Segment der Ferienwohnungen führen ebenfalls die Nordseeküste und die bayerischen Seen das Ranking an. Auf Norderney erreichen Wohnungen in sehr guter Lage Preise von bis zu 25.000 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Sylt mit bis zu 22.000 Euro pro Quadratmeter. In den Bayerischen Alpen werden am Tegernsee bis zu 20.000 Euro pro Quadratmeter erzielt, am Starnberger See bis zu 18.000 Euro und in Konstanz bis zu 16.000 Euro.

Energieeffizienz wird zum Schlüsselfaktor

Neben Lage und Preis rückt die Qualität der Immobilie zunehmend in den Fokus. Energieeffizienz und Sanierungsstand haben sich in den vergangenen Jahren zu zentralen Entscheidungskriterien entwickelt.

"Käufer sind für die energetische Substanz hochgradig sensibilisiert und fordern Transparenz über künftige Betriebskosten und Wertentwicklungsaussichten", sagt Zalewski. "Der Markt differenziert sich dadurch verstärkt in Ready-to-use-Investments und Revitalisierungsprojekte."

Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Ausstattung und Design. Hochwertige Materialien, moderne Technologie und ein durchdachtes, regional geprägtes Gestaltungskonzept werden von Käufern ebenso erwartet wie von Urlaubern.

Regulierung verknappt das Angebot

Die Angebotsseite wird zunehmend durch regulatorische Eingriffe beeinflusst. Restriktive Maßnahmen wie Zweckentfremdungsverbote, Begrenzungen von Zweitwohnsitzen oder strengere Bebauungspläne erschweren vielerorts die Schaffung neuen Wohnraums in touristisch attraktiven Lagen.

"Ferienwohnungen werden im Allgemeinen zu einem immer knapper werdenden Luxus. Der Wert von Immobilien in Toplagen, die unbeschränkt genutzt oder vermietet werden dürfen, steigt deutlich", so Zalewski.

Ausblick: Stabilität auf hohem Niveau

Für das laufende Jahr rechnet Engel & Völkers mit einer Fortsetzung der aktuellen Entwicklung. Während das Premiumsegment in den Toplagen weiterhin von Angebotsknappheit geprägt bleibt und moderate Preissteigerungen verzeichnet, ist in guten und mittleren Lagen eine Konsolidierung zu erwarten.

"Für 2026 erwarten wir eine Fortsetzung des stabilen Trends, wobei die Nachfrage insbesondere in den Top-Destinationen wieder spürbar anzieht und das knappe Angebot weiterhin übersteigen wird", resümiert Zalewski. "Vor dem Hintergrund der vielerorts immer komplexer werdenden Regulierung sollten sich Interessenten von Ferienimmobilien in jedem Fall durch einen fachkundigen Immobilienberater vor Ort beraten lassen."

www.engelvoelkers.com

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