LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Knechtsberger, Sie sind als Matura-Reiseveranstalter in die Geschichte eingegangen. Wie hat sich Ihr Business verändert?
Alexander Knechtsberger: Rückblickend hatten wir das Glück, in mehreren Bereichen Entwicklungen früh mitzugestalten und Formate aufzubauen, die später prägend geworden sind. Begonnen hat das in den 1990er-Jahren mit Großveranstaltungen an außergewöhnlichen Orten wie dem Rathaus, dem Naturhistorischen Museum, der Börse oder dem MAK – mit Formaten wie den DocLX Uni-Festen, Hi!School Partys oder dem Tuesday 4 Club. Anfang der 2000er-Jahre folgte mit X-Jam die Etablierung von Event-Maturareisen in Österreich und Deutschland. Später kamen Boutiquefestivals in Kroatien, Sansibar, Südafrika und Österreich dazu, ebenso eSports-Festivals und Spielemessen wie die Game City. 2016 haben wir mit der Digitalisierung und dem Vertrieb von City Cards in mittlerweile elf europäischen Städten ein weiteres Geschäftsfeld aufgebaut, und 2024 kam mit der Übernahme der Kunstmesse Parallel ein neuer Bereich dazu.
Ich habe das allerdings nie nur als Eventgeschäft verstanden. Im Kern ging es für uns immer darum, einen direkten Zugang zu relevanten Zielgruppen zu schaffen und diesen Schritt für Schritt zu einer europäischen Plattform weiterzuentwickeln. In diesem Sinn hat sich unser Business im Kern über all die Jahre gar nicht grundlegend verändert. Was sich laufend verändert hat, sind die Produkte und Formate, mit denen wir auf neue Trends, neue Lebenswelten und neue Erwartungen reagieren mussten. Im besten Fall gelingt es dabei nicht nur, Trends zu begleiten, sondern selbst neue Impulse zu setzen. Entscheidend war für uns dabei immer auch Kontinuität: X-Jam gibt es seit 25 Jahren, das Lighthouse Festival seit 13 Jahren, und den Tuesday 4 Club gab es sogar 30 Jahre.
LEADERSNET: Wo DocLX draufsteht, ist Entertainment drinnen. Wie haben sich die Bedürfnisse der Jugend verändert?
Knechtsberger: Gemeinsam mit Marketagent veröffentlichen wir jedes Jahr den Jugend Trend Monitor und setzen uns dabei intensiv mit den Einstellungen und Bedürfnissen dieser Generation auseinander. Spannend ist für mich, dass junge Menschen in vielen Fragen gar nicht so weit von früheren Generationen entfernt sind, wie oft angenommen wird. Auch heute spielen Werte wie Sicherheit, Beziehungen und der Wunsch nach einer stabilen Zukunft eine wichtige Rolle.
Gleichzeitig haben sich die Prioritäten spürbar verschoben. Themen wie Work-Life-Balance sind wichtiger geworden, und Besitz steht oft weniger im Mittelpunkt als Erlebnisse, Emotionen und gemeinsame Erinnerungen. Genau dort setzen wir mit unseren Produkten an. Unser Anspruch ist es, besondere Erlebnisse zu schaffen, die emotional relevant sind und in Erinnerung bleiben. In diesem Sinn haben Erlebnisse für viele junge Menschen heute einen Stellenwert, den früher oft Besitz hatte.
LEADERSNET: Das Angebotsportfolio Ihrer Agentur hat sich diversifiziert. Was bieten Sie mit dem Produkt "City Card Solutions" an?
Knechtsberger: 2016 haben wir von der Stadt Wien beziehungsweise WienTourismus den Vertrieb und die Digitalisierung der Vienna City Card übernommen. Diese seit 25 Jahren etablierte Touristenkarte konnten wir von rund vier Prozent Online-Verkäufen auf über 70 Prozent steigern. Auf Basis dieser Entwicklung betreuen wir heute zehn weitere Städte in ganz Europa und haben in Wien zusätzlich unsere eigene Vienna Welcome Card etabliert.
Auch im Städtetourismus setzen wir bewusst auf die Verbindung von Erlebnis und Nachhaltigkeit, um neue Zielgruppen anzusprechen. Unser Ziel ist es, in diesem Bereich jedes Jahr fünf bis zehn weitere Städte dazuzugewinnen und die Skalierungsmöglichkeiten konsequent zu nutzen.
LEADERSNET: Die Vienna Welcome Card ist ein Produkt Ihres Hauses – was kann diese?
Knechtsberger: Aus unserer langjährigen Erfahrung mit zehn unterschiedlichen Städtekarten in Europa ist der Wunsch entstanden, für Wien ein besonders starkes Gesamtprodukt zu entwickeln. Die Vienna Welcome Card vereint viele Vorteile, die sich bei City Cards europaweit bewährt haben, und setzt vor allem auf nachhaltige Mobilität in Verbindung mit dem einzigartigen öffentlichen Verkehrsnetz der Wiener Linien.
Die öffentlichen Verkehrsmittel können vollständig genutzt werden, dazu kommen Rabatte, Fast Lanes und weitere Vorteile bei wichtigen Sehenswürdigkeiten, Lokalen und Geschäften. Außerdem gibt es Schnittstellen, über die Eintrittskarten direkt gekauft werden können. Ein wesentlicher USP ist aus meiner Sicht auch die digitale Nutzung: Alles kann in einer App einfach aktiviert und verwendet werden.
LEADERSNET: Was ist der Unterschied zwischen X-Jam und Lighthouse Festival?
Knechtsberger: Das sind zwei völlig unterschiedliche Formate, die im Grunde nur gemeinsam haben, dass sie auf derselben exklusiven Halbinsel Lanterna in Kroatien stattfinden. Das Lighthouse Festival gibt es darüber hinaus auch auf Sansibar, in Kapstadt und in Bad Gastein.
X-Jam ist die größte Maturareise Europas mit über 7.500 Absolvent:innen. Das Lighthouse Festival zählt zu den Top-Boutiquefestivals Europas und bringt mehr als 200 DJs zusammen. Auch die Zielgruppen sind klar unterschiedlich: X-Jam richtet sich an 17- bis 19-Jährige, das Lighthouse Festival an ein Publikum zwischen 25 und 35 Jahren.
LEADERSNET: Ihr Geschäft lebt von Vertrauen und Partnerschaften. Gibt es Sponsoringpartner, die einst Ihre X-Jam-Kund:innen waren?
Knechtsberger: Dadurch, dass ich 1991 mit dem Business begonnen habe und darüber hinaus 20 Jahre an der FH Wien als Lektor für Eventmarketing tätig war, war die Wahrscheinlichkeit natürlich groß, dass viele spätere Marketingleiter:innen mit unserem Portfolio oder meinen Lehrveranstaltungen in Berührung gekommen sind. Daraus haben sich über die Jahre zahlreiche langfristige Kontakte und Partnerschaften entwickelt.
Deshalb waren im Laufe der Zeit auch nahezu alle relevanten Industriezweige und Markenartikel einmal Partner von DocLX, und viele davon sind es bis heute geblieben. Dabei geht es nicht nur um Vertrauen und gewachsene Beziehungen, sondern auch um den klaren Nachweis, dass man mit dem DocLX-Portfolio Gen Z und andere Zielgruppen direkt erreichen und sich ihnen gegenüber glaubwürdig präsentieren kann.
LEADERSNET: Sie sind auch im Eventmarketing für Firmen tätig. Was ist dabei Ihre Einzigartigkeit?
Knechtsberger: Das hat sich ursprünglich eher zufällig ergeben, weil uns große Partner vor Jahren gefragt haben, ob wir auch ihre Mitarbeiterevents, Incentive-Veranstaltungen, Roadshows oder Jubiläumsveranstaltungen übernehmen können. Unser Ansatz war dabei von Anfang an, nicht einfach klassische B2B-Veranstaltungen abzuwickeln, sondern auch in diesem Bereich besondere Erlebnisse zu schaffen.
Dadurch, dass wir selbst über viele Jahre starke Marken aufgebaut und emotional aufgeladen haben, bringen wir eine Erfahrung mit, die in dieser Form am Markt selten ist. Genau dieses Know-how setzen wir heute auch im B2B-Bereich ein, um Marken nicht nur sichtbar, sondern tatsächlich erlebbar zu machen.
LEADERSNET: Warum sind Live-Erlebnisse – nach wie vor – unschlagbar?
Knechtsberger: Ich glaube, die Pandemie hat vielen Menschen sehr deutlich vor Augen geführt, welchen Wert persönlicher Kontakt und gemeinsames Erleben haben. Eventmarketing wird seither oft auch als Live-Marketing bezeichnet, weil genau dieser Live-Faktor für uns alle einen besonderen Stellenwert hat.
Gleichzeitig stehen Live-Events heute in Konkurrenz zu einer enormen Zahl an Eindrücken, die uns täglich über Instagram, TikTok und andere Plattformen begegnen. Auch wenn wir diese Erlebnisse nur digital sehen, prägen sie unsere Erwartungen. Deshalb müssen Live-Events heute noch stärker, emotionaler und überraschender sein. Für mich ist das eine tägliche Herausforderung und zugleich etwas, das mir nach wie vor große Freude macht, wenn wir neue Trends entdecken und daraus besondere Erlebnisse für unsere Gäste schaffen.
LEADERSNET: Ihre Formate haben Kultstatus erreicht – wie wichtig ist Community-Building für Ihren langfristigen Erfolg?
Knechtsberger: Diesen Kultstatus haben wir uns über viele Jahre mit viel Arbeit und großer Kontinuität aufgebaut. Für unser Geschäftsmodell, das stark auf dem direkten Zugang zu Gen Z und anderen Zielgruppen basiert, ist Community-Building zentral. Seit 1991 hatten wir über drei Millionen Besucher:innen auf unseren Eventformaten und zusätzlich rund zwei Millionen Menschen, die unsere anderen Produkte genutzt haben.
Daraus sind Plattformen entstanden, die ein Vielfaches an Interaktion mit diesen Menschen ermöglicht haben und unsere Community bis heute wachsen lassen. Diese Community ist natürlich auch wirtschaftlich relevant, weil sie die Grundlage dafür schafft, dass wir uns weiterentwickeln und in neue Projekte investieren können.
LEADERSNET: Wie passt der Erwerb der Kunstmesse Parallel in das DocLX-Portfolio?
Knechtsberger: Das hat sich in gewisser Weise aus einem persönlichen Interesse heraus entwickelt, weil ich mich seit vielen Jahren intensiv für den Kunstmarkt interessiere und selbst leidenschaftlich Kunst sammle. Als sich die Möglichkeit ergeben hat, die Mehrheit an der Parallel zu übernehmen, habe ich sofort zugegriffen.
Auch hier war unser Zugang, das klassische Kunstmessenformat weiterzudenken und für ein breiteres Publikum zu öffnen. Entstanden ist daraus eine Kombination aus Messe, Festival, Performance, Auktion und Gastrohappening. Gleichzeitig haben wir die Zugangsschwelle bewusst gesenkt und die Messe einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Nach drei Jahren ist es uns gelungen, Parallel als einzige wirklich relevante Kunstmesse in Österreich zu positionieren und auch in Paris bereits Fuß zu fassen.
LEADERSNET: Gerade in der jungen Zielgruppe herrscht große Unsicherheit aufgrund der geopolitischen Unruhen. Dürfen wir uns auf die Zukunft freuen oder müssen wir diese mit großem Respekt erwarten?
Knechtsberger: Ich bin grundsätzlich ein großer Optimist und glaube daran, dass wir trotz der aktuellen Unsicherheiten positiv in die Zukunft blicken können. Wir leben in einer Zeit, die von globalen Herausforderungen, tiefgreifenden Veränderungen und viel Dynamik geprägt ist. Umso wichtiger ist es, der Zukunft mit Respekt, aber auch mit Zuversicht zu begegnen. Ich bin überzeugt, dass uns Innovationen – vor allem im Bereich KI und neuer Technologien – viele neue Möglichkeiten eröffnen werden. Deshalb sehe ich die Zukunft trotz aller Herausforderungen positiv und glaube auch, dass wir bei DocLX noch viele neue Produkte entwickeln können.
LEADERSNET: Vielen Dank!
www.doclx.com
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