In österreichischen Unternehmen
Heimische Führungskräfte warnen vor Verlust wertvollen Know-hows

Ein aktueller Management Report legt eine eklatante Lücke im Wissenstransfer innerhalb österreichischer Unternehmen offen. Acht von zehn Manager:innen sind überzeugt, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte.

Die Sicherung internen Know-hows entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Herausforderung für die Wirtschaft. Laut dem aktuellen Hernstein Management Report konstatieren rund 60 Prozent der befragten Führungskräfte, dass erworbenes Wissen von Mitarbeitenden nur unzureichend an Nachfolger:innen oder innerhalb des Kollegiums weitergegeben werde. Die Studie, für die 1.600 Entscheidungsträger:innen in Österreich und Deutschland befragt wurden (siehe Infobox), zeichnet ein deutliches Bild struktureller Versäumnisse.

Gabriele Fantl, Leiterin des Bereichs Vertrieb und Projektmanagement des Bildungsinstituts Hernstein der FHWien der WKW, sieht hier dringenden Handlungsbedarf. "Wissensweitergabe ist in vielen Unternehmen noch nicht ausreichend strukturell verankert", erklärt Fantl. Wenn Expertise zu stark an einzelne Personen gebunden bleibe, könne dies verschiedene Ursachen haben – etwa fehlende Übergabeprozesse oder begrenzte Ressourcen. Insbesondere das sogenannte Offboarding werde laut der Hernstein-Expertin oft vernachlässigt, wodurch wertvolles Wissen verloren gehe. Ein systematisches Wissensmanagement setze daher eine Unternehmenskultur voraus, die den Austausch fördere und aktiv von der Führungsebene getragen werde.

Hernstein Management Report April 2026© Hernstein Institut

Qualifikationslücken und die Rolle des informellen Lernens

Ein weiteres Kernergebnis der Erhebung betrifft die Qualität von Neueinstellungen. Rund sieben von zehn Führungskräften vertraten die Ansicht, dass neue Mitarbeitende nicht ausreichend qualifiziert in das Unternehmen einträten. Als mögliche Gründe hierfür nannte Fantl den branchenübergreifenden Fachkräftemangel sowie spezifische betriebliche Anforderungen.

Um diese Defizite auszugleichen, setzen Unternehmen verstärkt auf praxisnahe Formate. Während 84 Prozent der Befragten dem "Learning by Doing" sowie dem informellen Austausch eine hohe Bedeutung beimessen – in Österreich liegt dieser Wert mit 88 Prozent sogar noch über dem deutschen Niveau –, bleiben auch formale Formate essenziell. Interne Schulungen wurden von 75 Prozent als wichtig erachtet. Fantl betonte in diesem Zusammenhang, dass der informelle Austausch zwar die Zusammenarbeit stärke, jedoch oft von Einzelpersonen abhänge. Ohne klare Standards bestehe das Risiko, dass Wissen nicht systematisch gesichert werde.

Hernstein Management Report April 2026
© Hernstein Institut

Weiterbildung als Notwendigkeit und Gehaltsfaktor

Angesichts der rasanten Marktveränderungen erachten drei Viertel der Befragten eine laufende Weiterbildung für unerlässlich. Neben der steigenden Komplexität von Prozessen gewinnen vor allem Soft Skills an Relevanz. Auch die finanzielle Komponente spielt eine Rolle: "Acht von zehn Führungskräften sind der Ansicht, dass Weiterbildung mit mehr Gehalt verbunden sein sollte", so die Hernstein-Expertin.

Hernstein Management Report April 2026© Hernstein Institut

Trotz der hohen Relevanz identifiziert die Studie auch Barrieren. Als Hauptgründe für eine sinkende Bedeutung von Weiterbildungsmaßnahmen in manchen Betrieben wurden hohe Kosten (21 %) sowie ein Mangel an passenden Angeboten (19 %) angeführt. Bei den Inhalten herrsche indes Einigkeit: Ganz oben auf der Wunschliste der Manager:innen stehen soziale Kompetenzen sowie Krisen- und Konfliktmanagement, wobei Präsenzformate weiterhin klar bevorzugt würden.

www.hernstein.at

Über den Report

Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Entscheidungsträger:innen.

  • Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmer:innen befragt (1.000 in Deutschland, 600 in Österreich).
  • Die Erhebung wurde als Online-Befragung durch Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung durchgeführt.
  • Die maximale Schwankungsbreite liegt bei +/- 2,5 Prozent.

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Über den Report

Der Hernstein Management Report erhebt seit über 20 Jahren ein jährliches Stimmungsbild unter Entscheidungsträger:innen.

  • Für die aktuelle Ausgabe wurden 1.600 Führungskräfte sowie Unternehmer:innen befragt (1.000 in Deutschland, 600 in Österreich).
  • Die Erhebung wurde als Online-Befragung durch Triple M Matzka Markt- und Meinungsforschung durchgeführt.
  • Die maximale Schwankungsbreite liegt bei +/- 2,5 Prozent.

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