Freitag, 10. April: Am Freitagvormittag wurden die Frühjahrsprognosen 2026 des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo) und des Instituts für Höhere Studien (IHS) in Wien präsentiert. Ihre Einschätzungen und Berechnungen haben stets enormes Gewicht und dienen unter anderem auch dem Finanzminister als Grundlage für die Erstellung des Staatsbudgets. Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr und IHS-Direktor Holger Bonin stellten die Ergebnisse gemeinsam mit Wifo-Budgetexpertin Margit Schratzenstaller und IHS-Prognosechef Helmut Hofer vor. Im Zentrum stand der Krieg im Iran, der die wirtschaftlichen Aussichten massiv eintrübt und aufgrund der außergewöhnlich hohen Unsicherheit die Berechnung mehrerer Szenarien erforderlich machte.
Laut beiden Instituten befindet sich die österreichische Wirtschaft zwar in einer Phase vorsichtiger Erholung, bleibt jedoch anfällig für externe Schocks – insbesondere durch steigende Energiepreise und eine anhaltend gedämpfte Investitionsdynamik.
Iran-Krieg bremst Österreichs Wirtschaft
Den Prognosen zufolge verläuft die wirtschaftliche Erholung in Österreich deutlich schwächer als erhofft. Sowohl das Wifo als auch das IHS sehen die Konjunktur durch den Iran-Krieg und die daraus resultierenden Energiepreisschübe erheblich unter Druck.
Nach zwei Jahren der Rezession konnte die Wirtschaftsleistung 2025 zwar leicht zulegen, doch die Dynamik ließ bereits gegen Jahresende spürbar nach. Für 2026 erwarten beide Institute lediglich moderates Wachstum: Das WIFO geht im Hauptszenario von 0,9 Prozent aus, während das IHS mit 0,5 Prozent noch vorsichtiger prognostiziert. Für 2027 rechnen die Institute mit einer leichten Beschleunigung, die jedoch ebenfalls verhalten bleibt.
So sehen die drei Szenarien des Wifo aus:

Energiepreise als zentrales Risiko
Als entscheidender Belastungsfaktor gilt der kräftige Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Gabriel Felbermayr spricht von außergewöhnlichen Dimensionen: "Wir sprechen also von einem Preisschub von 60 Prozent." Ein solcher Anstieg wirke sich unmittelbar auf Produktion, Konsum und Investitionen aus und könne das Wachstum deutlich dämpfen.
Zugleich verwies Felbermayr darauf, dass es sich um "importierte Inflation" handle, die kaum durch nationale Maßnahmen beeinflusst werden könne. Diese Entwicklung verschärfe die ohnehin angespannte Lage, da sie die Kaufkraft der Haushalte schmälere, ohne positive Impulse für die heimische Wertschöpfung zu setzen.
Auch das IHS hebt die zentrale Rolle der Energiepreise hervor. Holger Bonin betonte, dass die Unsicherheit über die weitere Preisentwicklung die Prognose mit erheblichen Risiken behaftet mache. Insbesondere energieintensive Branchen seien überdurchschnittlich betroffen.
Inflation bleibt hartnäckig
Die Teuerung gehe zwar grundsätzlich zurück, bleibe jedoch höher als noch in früheren Prognosen erwartet. Laut Wifo liegt die Inflation 2026 im Hauptszenario bei 2,7 Prozent, könnte im ungünstigen Fall jedoch deutlich über vier Prozent steigen.
Das IHS erwartet mit 2,9 Prozent ebenfalls eine vergleichsweise hohe Inflation für 2026. Erst 2027 dürfte sich die Teuerung wieder stärker dem Zielwert von zwei Prozent annähern. Beide Institute sehen in den Energiepreisen sowie im Dienstleistungssektor wesentliche Treiber.
Felbermayr warnt, der reale Wohlstandsgewinn bleibe gering: "Der Realwert des BIP wächst in unserem Hauptszenario nur um 0,3 Prozent." Im pessimistischen Szenario könne die Kaufkraft sogar sinken.
Konsum und Investitionen gedämpft
Die erhöhte Unsicherheit wirkt sich deutlich auf das Verhalten von Haushalten und Unternehmen aus. Laut Wifo bleibt der private Konsum schwach, während die Investitionstätigkeit nur zögerlich anzieht. Im pessimistischen Szenario könnten die Investitionen sogar rückläufig sein.
Ähnlich fällt die Einschätzung des IHS aus, laut dem die Bruttoanlageinvestitionen 2026 weitgehend stagnieren und sich erst 2027 moderat erholen dürften. Hintergrund sind laut Institut hohe Finanzierungskosten, unsichere Absatzperspektiven und die volatile Energiepreisentwicklung.
So sieht die Hauptprognose des IHS aus:

Arbeitsmarkt mit verzögerter Reaktion
Am Arbeitsmarkt zeigt sich die schwache Konjunktur mit zeitlicher Verzögerung. Während die Beschäftigung zunächst noch leicht wächst, rechnen beide Institute mittelfristig mit steigender Arbeitslosigkeit.
Das IHS prognostiziert für 2026 eine Arbeitslosenquote von 7,5 Prozent. Erst 2027 könnte sich die Lage wieder etwas entspannen. Auch das WIFO geht davon aus, dass sich die Arbeitsmarktsituation nur langsam verbessert.
Industrie und Bau besonders betroffen
Besonders stark unter Druck stehen den Ökonom:innen zufolge Industrie und Bauwirtschaft. Die Nachfrage nach Investitionsgütern bleibe schwach, während steigende Kosten die Margen belasteten. Gleichzeitig wirke die schwache Baukonjunktur weiterhin dämpfend auf die Gesamtwirtschaft.
Laut IHS dürfte sich die industrielle Produktion nur langsam erholen, da internationale Nachfrageimpulse fehlen. Auch strukturelle Faktoren – etwa die hohe Energieabhängigkeit Österreichs – verstärkten die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks.
Wirtschaftspolitik vor schwierigen Entscheidungen
Angesichts der angespannten Lage sehen beide Institute wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf. Kurzfristig gehe es darum, die Inflation zu begrenzen und besonders betroffene Haushalte gezielt zu entlasten.
Langfristig betont der Wifo-Direktor die Notwendigkeit struktureller Maßnahmen, insbesondere im Energiebereich. Gleichzeitig warnt er vor breit angelegten, nicht gegenfinanzierten Maßnahmen, die zusätzliche Belastungen für die öffentlichen Finanzen mit sich bringen könnten.
Das IHS unterstreicht ebenfalls die Bedeutung verlässlicher wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen. Holger Bonin wies darauf hin, dass Planungssicherheit für Unternehmen in der aktuellen Situation entscheidend sei, um Investitionen wieder anzukurbeln.
Unsicherheit bleibt dominierend
Insgesamt überwiegt ein vorsichtiger Grundton. Beide Institute gehen zwar von einer Fortsetzung der Erholung aus, betonen jedoch die erheblichen Abwärtsrisiken aufgrund der hohen Unsicherheit im Iran-Krieg. Felbermayr fasste die Lage pointiert zusammen: "Der Ausblick ist also nicht gut."
Welches der berechneten Szenarien eintreffen wird, werden wir wohl bei der Präsentation der Wifo & IHS Sommerprognose sehen, die Ende Juni 2026 vorgestellt wird.
www.wifo.ac.at
www.ihs.ac.at
Kommentar veröffentlichen