Studie der Vetmed Wien
Wie Raben Wölfe bei der Nahrungssuche strategisch nutzen

| Larissa Bilovits 
| 16.03.2026

Eine neue Studie der Vetmed Wien zeigt, dass die Vögel bei der Nahrungssuche offenbar deutlich strategischer vorgehen als bislang angenommen. Demnach folgen sie Wölfen nicht einfach nur, sondern steuern gezielt jene Gebiete an, in denen die Chancen auf Aas besonders hoch sind.

Raben gelten seit jeher als typische Begleiter von Orten, an denen Beutetiere gerissen oder Kadaver zurückgelassen werden, weswegen viele Menschen sie mit Unglück oder gar dem Tod in Verbindung bringen. Dass die Vögel dabei nicht bloß opportunistisch den Spuren von Raubtieren folgen, sondern offenbar sehr gezielt jene Gebiete aufsuchen, in denen sich Nahrung besonders häufig finden lässt, zeigt nun eine im Fachjournal Science veröffentlichte Studie unter der Leitung von Matthias Loretto vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmed Wien. Auf Basis monatelang ausgewerteter Bewegungsdaten von Wölfen und Raben im Yellowstone-Nationalpark kamen die Forschenden nämlich zu dem Schluss, dass Raben bei der Suche nach Aas deutlich strategischer vorgehen als bisher angenommen.

Raben lernen mit der Zeit dazu

Lange ging man davon aus, dass Raben vor allem deshalb erfolgreich an Aas gelangen, weil sie den Wolfsrudeln schlichtweg folgten. Die neuen Beobachtungen sprechen jedoch gegen diese einfache Erklärung. Denn die Tiere halten sich offenbar nicht dauerhaft in der Nähe der Wölfe auf, sondern tauchen teils überraschend gezielt an Orten auf, an denen kurz zuvor Beute gerissen wurde. Gerade diese direkten Flüge über größere Distanzen waren für das Forschungsteam ein Hinweis darauf, dass hinter dem Verhalten mehr steckt als bloßes Hinterherfliegen, wie der Studienleiter erklärte.

Bei der genaueren Auswertung zeigte sich dann, dass Wolfsrisse nicht zufällig über die Landschaft verteilt sind. Vielmehr gibt es Gebiete, in denen die Wölfe statistisch häufiger erfolgreich jagen als anderswo. Diese Orte würden sich die Raben im Laufe der Zeit merken und diese gezielt ansteuern, meinen die Forschenden. 

Sparen Zeit und Energie für wichtigere Dinge

Für die Raben bringe dieses Verhalten nach Einschätzung des Forschungsteams gleich mehrere Vorteile mit sich. Wenn sie nicht ständig einem bestimmten Wolfsrudel folgen, sondern gezielt nur jene Gebiete aufsuchen, in denen sich Nahrung mit hoher Wahrscheinlichkeit finden lässt, bleiben sie deutlich flexibler. So sind sie nicht vom Jagderfolg einer einzigen Gruppe abhängig und vermeiden es, Zeit und Energie an Orten zu verlieren, an denen sich die Suche am Ende nicht auszahlt. Die eingesparte Zeit können die Tiere stattdessen für andere wichtige Aufgaben nutzen, etwa zur Verteidigung ihres Reviers oder bei der Partnersuche.

Auch wenn diese Strategie nicht in jedem einzelnen Fall aufgehen muss und Fehleinschätzungen möglich sind, dürfte sie sich insgesamt lohnen. Für die Forschenden ist das ein weiterer Hinweis darauf, dass Raben über deutlich komplexere Fähigkeiten verfügen, als ihnen lange zugeschrieben wurde.

Die gesamte Studie können Sie hier nachlesen. 

www.vetmeduni.ac.at

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