Energiepreise steigen rasant
Iran-Krieg: Österreich richtet "Taskforce Versorgungssicherheit" ein

| Tobias Seifried 
| 02.03.2026

Nach den Angriffen Israels und den USA sowie der Sperre der Straße von Hormus sind die Preise von Öl und Gas stark gestiegen. Während Expert:innen vor weiteren Preissprüngen warnen, sieht der Wirtschaftsminister die Versorgung derzeit gesichert.

Die Eskalation im Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran sorgt an den internationalen Rohstoffmärkten für erhebliche Turbulenzen. Zum Wochenauftakt sprang der europäische Großhandelspreis für Erdgas um rund 25 Prozent nach oben – der stärkste Anstieg seit August 2023. Auch der Ölpreis legte zu Handelsbeginn am Montag um etwa zehn Prozent zu.

Straße von Hormus

Auslöser der Marktreaktionen ist unter anderem die Einschränkung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Engstellen des globalen Energiehandels. Am Montag wurde sie vom Iran komplett blockiert. Rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte passiert täglich die Meerenge am Persischen Golf. Schifffahrtsdaten zufolge gingen zuletzt rund 150 Tanker vor Anker. Fachleute warnen, dass jede länger andauernde Störung die Energiepreise weiter steigen lassen und die internationalen Märkte zusätzlich verunsichern könnte.

Auch große Förderländer wie Irak, Kuwait und Saudi-Arabien exportieren ihr Öl über diese Route. Selbst der Iran ist für Lieferungen – insbesondere nach China – auf diesen Seeweg angewiesen. Laut Einschätzung von Analyst:innen der Investmentbank Goldman Sachs könnte sich der europäische Gaspreis mehr als verdoppeln, sollte der Schiffsverkehr einen Monat lang vollständig eingestellt werden.

Vor diesem Hintergrund betonte die OMV, die Versorgung ihrer Kund:innen mit Öl und Gas sei aktuell gesichert. Betroffene Mengen könnten über alternative Bezugsquellen ersetzt werden. Auf die Gasversorgung habe die Situation in der Straße von Hormus derzeit keinen unmittelbaren Einfluss. Für den Fall einer länger andauernden Einschränkung würden jedoch alternative Szenarien vorbereitet.

Ministerium sieht keine akute Gefährdung

Auch aus dem zuständigen Ministerium kommt vorerst Entwarnung. Wirtschafts- und Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer erklärt: "Für Österreich besteht derzeit kein Anlass zur Sorge, unsere Versorgung ist gesichert. Weder der Iran noch die Straße von Hormus sind für unsere unmittelbare Versorgungssicherheit entscheidend."

Die Ausgangslage sei heute eine andere als zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022. Man habe "keine direkte Abhängigkeit vom Iran" und sei insgesamt deutlich breiter diversifiziert und damit resilienter aufgestellt, so Hattmannsdorfer.

Wie stark sich die jüngsten Entwicklungen auf die Energiepreise für Konsument:innen auswirken werden, lasse sich derzeit noch nicht seriös abschätzen. Die aktuellen Marktausschläge seien bei geopolitischen Spannungen dieser Art nicht ungewöhnlich. Entscheidend sei, strukturelle Entwicklungen im Blick zu behalten und sich nicht von kurzfristiger Volatilität treiben zu lassen.

"Taskforce Versorgungssicherheit" angekündigt

Um die Lage engmaschig zu beobachten, kündigte Hattmannsdorfer die Einrichtung einer "Taskforce Versorgungssicherheit" im Wirtschaftsministerium an. Diese soll unter Einbindung anerkannter Expert:innen sowie Institutionen wie der E-Control und dem Lieferketteninstitut ASCII die Versorgungslage und Preisentwicklungen laufend analysieren.

"Wir nehmen die Situation ernst", betont der Minister. Ziel sei es, frühzeitig auf mögliche Marktverwerfungen reagieren zu können und Transparenz über die weitere Entwicklung herzustellen.

Schwierige Prognosen

Angesichts vergleichsweise niedriger europäischer Gasreserven nach dem Winter und des anstehenden Auffüllens der Speicher für die kommende Heizperiode bleibt die Lage an den Energiemärkten fragil. Ob es bei kurzfristigen Preissprüngen bleibt oder sich die geopolitische Eskalation in dauerhaft höheren Energiepreisen niederschlägt, dürfte wesentlich vom weiteren Verlauf der Situation rund um die Straße von Hormus abhängen.

www.bmwet.gv.at

www.omv.at

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