Fotos & Video "Peter & Paul"
"Billigprodukte verursachen einen Rattenschwanz an volkswirtschaftlichen Schäden"

In der neuen "Peter & Paul"-Sendung sprechen Rainer Will (Geschäftsführer Handelsverband Österreich) und Christian Will (Verkaufsleiter Makita Werkzeug) u.a. darüber, wer im Onlinehandel derzeit wirklich fair spielt und welche Stellschrauben Politik und Plattformen jetzt drehen müssten, um Wirtschaft und Arbeitsplätze hierzulande langfristig zu sichern. Zudem erklären sie, wie schnell aus einem Schnäppchen ein Risiko werden kann und worauf Konsument:innen bei der Kaufentscheidung achten müssen. 

Die neue Folge "Peter & Paul" dreht sich dieses Mal rund um das Thema "Fair Play im Onlinehandel – Wettbewerb, der uns alle betrifft". Dazu spricht Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) mit seinen beiden Gästen Rainer Will (Geschäftsführer Handelsverband Österreich) und Christian Will (Verkaufsleiter Makita Werkzeug Ges.m.b.H.). Gedreht wurde die aktuelle Folge in den Räumlichkeiten des Innenarchitekturspezialisten Behan & Thurm am Schwarzenbergplatz in Wien, wobei es sich Gastgeberin Sabrina Stückler (CEO Behan & Thurm) nicht nehmen ließ, selbst vorbeizuschauen und ihre Gäste persönlich zu begrüßen.

Onlinehandel als zweischneidiges Schwert

Rainer Will ist Geschäftsführer des Handelsverbands, der seit 1921 als Interessenvertretung sowie Innovationsplattform für den Handel fungiert. Er unterstützt mehr als 4.500 Mitgliedsunternehmen, die gemeinsam rund 85 Prozent des österreichischen Marktes abdecken, bei den Herausforderungen des Strukturwandels und vertritt die Branche gegenüber Politik und Medien. Zum Netzwerk, für das der Handelsverband auch immer wieder Veranstaltungen zum Austausch organisiert, zählen neben Handelsbetrieben auch zahlreiche Partner aus verschiedensten Branchen.

Zum Thema E-Commerce positioniert sich Rainer Will zwiegespalten – einerseits sieht er darin große Chancen für Reichweite und neue Kundengruppen, andererseits warnt er vor massiven volkswirtschaftlichen Schäden durch den starken Zufluss von Billigware aus Drittstaaten. "Also grundsätzlich ist Onlinehandel lediglich eine neue Form des klassischen Handels und daher sehr wertvoll, weil man so ein Tor zur Welt aufstoßen und viele neue Kundengruppen erschließen kann." Gleichzeitig fließe aber ein Großteil der Onlineausgaben ins Ausland ab, oft verbunden mit fragwürdigen Produktionsbedingungen, gefährlichen Inhaltsstoffen und systematischer Unterverzollung.

Überdies warnt Will vor konkreten Folgen für Standorte und Beschäftigung in Österreich: "Das kostet uns nicht nur vitale Ortskerne, sondern auch Arbeitsplätze." Die Auswirkungen seien in allen Gemeinden spürbar, weil weniger lokale Wertschöpfung auch geringere Kommunalsteuern bedeute. Insgesamt sieht er bis zu 100.000 Jobs indirekt betroffen und spricht von hohen Steuerausfällen für den Staat. "Also sagen wir ganz klar: Schaff' nicht deine Tante ab, kauf regional. Denn jeder fünfte Arbeitsplatz in Österreich ist dem Handel zuzuordnen, und der Handel ist mit 72 Prozent aller Angestellten stark weiblich geprägt", hebt der Handelsverband-Geschäftsführer hervor.

Die versteckte Gefahr hinter Chinaware

Dem könne sich Christian Will nur anschließen – er fungiert hierzulande als Verkaufsleiter von Makita, einem international tätigen Hersteller von (vorwiegend Akku-betriebenen) Werkzeugen sowie Elektro- und Gartengeräten mit japanischen Wurzeln und über 100 Jahren Unternehmensgeschichte. Das Unternehmen ist weltweit mit mehr als 40 Tochtergesellschaften vertreten und produziert neben Japan auch in Ländern wie China, Großbritannien und Rumänien. In Österreich besteht Makita seit 1981, hat heute seinen Sitz in Fischamend und verfügt über 110 Mitarbeiter:innen.

Auch sein Unternehmen stehe Billigwaren aus Drittstaaten wie China überaus negativ gegenüber und schildert vor allem die Risiken und Qualitätsprobleme durch Billig-Nachbauten und Fremdakkus. So sehe er preisgünstige Geräte um 20 Euro weniger als direkte Konkurrenz – problematisch seien vielmehr täuschend echte Nachbaugeräte, die optisch wie Originale wirken, technisch aber deutlich minderwertiger sind. Besonders kritisch seien demnach Fake-Akkus und -Ladegeräte, weil hier Brandgefahr entstehe – und in Schadensfällen lasse sich die Ursache fast immer auf diese Komponenten zurückführen. Während Makita bei seinen Originalen auf geprüfte Sicherheitslogik setzt – denn "der Akku und das Ladegerät kommuniziert digital miteinander und letzteres schaltet sich ab, wenn der Akku voll ist" – könne es bei Fremdakkus schnell zur Überladung und somit zur Brandentwicklung kommen.

Billigprodukte bringen Rattenschwanz an volkswirtschaftlichen Schäden

Mit Blick auf die Zukunft des Handels betont Rainer Will, dass er den Onlinehandel in keinster Weise abschaffen wolle: "Wir wollen einfach nur faire Rahmenbedingungen erreichen. Dazu zählt auch, dass man dieselben Steuern abführt wie die heimischen Händler, die ihre Betriebsstätte in Österreich und Europa haben." Darüber hinaus warnt er vor Folgekosten durch minderwertige Produkte, gerade in Hinblick auf Akkus und Batterien – diese würden durch ihre schlechte Qualität einen "Rattenschwanz an volkswirtschaftlichen Schäden" nach sich ziehen, etwa durch die rasante Zunahme an Bränden in Entsorgungsbetrieben. Zwar sehe man, dass sich die EU Mühe gebe, beispielsweise durch das geplante Senken der Zollfrei-Grenze von 150 auf null Euro oder einer Paketgebühr von zwei Euro beim Einführen von Paketen nach Europa, allerdings könnte das alles noch Jahre dauern. Daher dränge der Handelsverband auf eine Plattformhaftung zur korrekten Warendeklaration: "Das klingt kompliziert, aber in Wahrheit sind das nur fünf Zeilen, die man in ein Gesetz hineingeben muss", so Reiner Will und appelliert: "Die Behörden haben ein Vollzugsdefizit und daher kann man nur die Plattformen dafür verantwortlichen machen."

Sowohl Rainer Will als auch Christian Will sehen aber nicht nur die Politik, sondern ebenso die Konsument:innen in der Verantwortung, sich auch im Sinne der Nachhaltigkeit für regionale Händler zu entscheiden. "Gerade wenn es um Geräte geht, sollte man sich vor dem Kauf gut überlegen, ob man nicht lieber etwas tiefer in die Tasche greifen will und dafür ein langlebiges Produkt bekommt, bei dem dann auch noch der After-Sales-Service garantiert ist", betont der Makita-Verkaufsleiter. Und der Handelsverband-Geschäftsführer ergänzt: "Mein Appell an die Endkonsument:innen ist, dass man gerade dann, wenn man für die Familie einkauft, nicht nur auf das Produkt und den Preis schaut, sondern mit einer bewussten Kaufentscheidung auch Arbeitsplätze schenkt."

Was Rainer Will und Christian Will zum Thema "Fair Play im Onlinehandel – Wettbewerb, der uns alle betrifft" noch sagen, sehen Sie in unserem Video und hören Sie in unserem Podcast. Zwischen den Themenblöcken gibt es im Video wie gewohnt ein Business-Event, dieses Mal von der A1 Kitz Night.

 

Alle "Peter & Paul"-Folgen zum Nachschauen finden Sie hier.

Fotos vom Dreh sehen Sie in der Galerie.

www.handelsverband.at

www.makita.at

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