Wiener Linien ziehen Bilanz
Wiener Auto-Wette senkte Mobilitätskosten und CO₂-Ausstoß

| Redaktion 
| 15.01.2026

46 Teilnehmer:innen stellten sich der Herausforderung der Wiener Linien und verzichteten vorübergehend auf ihren privaten Pkw. Sie nutzten öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad, legten Wege zu Fuß zurück oder griffen auf Sharing-Angebote zurück.

Im Rahmen der Wiener Linien Auto-Wette stellten 46 Teilnehmer:innen aus 37 Haushalten ihr eigenes Auto für drei Monate in die Garage. Stattdessen nutzten sie öffentliche Verkehrsmittel, Sharing-Angebote sowie weitere Mobilitätsformen. Das Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (BOKU) begleitete das Projekt wissenschaftlich und wertete insgesamt 23.310 Wege sowie 300.673 Kilometer im Zeitraum von April bis einschließlich Juli 2025 aus.

Mobilität ohne eigenes Auto bleibt hoch

Die Auswertung soll zeigen, dass die Teilnehmenden ohne eigenes Auto weiterhin mobil waren. Im Durchschnitt erreichten sie täglich Ziele, die rund fünf Prozent weiter entfernt lagen als zuvor, das entspreche etwa zwei Kilometern. Gleichzeitig stieg der tägliche Zeitaufwand laut Analyse nur geringfügig um drei Prozent, also um etwa viereinhalb Minuten. Damit lasse sich das Vorurteil, man komme in Wien mit dem Auto grundsätzlich schneller ans Ziel, laut den Wiener Linien relativieren.

Auto-Wette Modal Split © Wiener Linien

Mehr Wege zu Fuß und mit Öffis

Während der Testphase wurden die meisten Wege zu Fuß zurückgelegt: 42,6 Prozent entfielen auf Gehen. 19,7 Prozent der Wege erfolgten mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 16,9 Prozent mit dem Fahrrad. Weitere 19 Prozent wurden mit Leihautos (als Fahrer:in oder Mitfahrer:in) oder Taxis zurückgelegt, rund zwei Prozent mit sonstigen Verkehrsmitteln. Insgesamt seien damit mehr als 80 Prozent der Wege umweltfreundlich erfolgt.

Gleichzeitig sei der Anteil aktiver Mobilität um sechs Prozentpunkte gestiegen, während Wege mit dem Pkw um neun Prozentpunkte zurückgingen. Das entspreche rund neun Kilometern täglich.

Weniger Pkw-Kilometer, mehr Öffi- und Radkilometer

Im Zeitraum Mai bis Juni wurden laut Auswertung die meisten Kilometer pro Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Im Schnitt waren das 20,4 Kilometer. Danach folgten Leihautos und Taxis mit 18,1 Kilometern. Mit dem Fahrrad wurden 5,8 Kilometer täglich gefahren, zwei Kilometer wurden zu Fuß zurückgelegt.

Zum Vergleich: Im April, also in der Phase, in der noch mit dem eigenen Auto gefahren wurde, lagen die Pkw-Kilometer bei 26,8 Kilometern pro Tag, die Öffi-Kilometer bei 14,0 Kilometern. Dadurch hätten sich die mit dem Auto zurückgelegten Kilometer um etwa ein Drittel reduziert.

Auto-Wette Gut fürs Börserl, gut für die Umwelt © Wiener Linien

5,5 Tonnen CO₂ eingespart

Durch die Verlagerung auf umweltfreundlichere Verkehrsmittel seien im Zeitraum der Auto-Wette 5,5 Tonnen CO₂ eingespart worden. Diese Menge entspreche jener CO₂-Bindung, die "ein kleines Wäldchen mit etwa 440 Bäumen in einem Jahr" leisten würde, so die Wiener Linien. 

Mobilitätskosten laut Berechnungen deutlich niedriger

Neben den Umweltwirkungen wurden auch finanzielle Effekte erhoben. Berechnungen der BOKU zufolge lägen die tatsächlichen Mobilitätskosten mit eigenem Auto bei rund 425,20 Euro pro Monat. Ohne eigenes Auto könnten die Ausgaben demnach um bis zu 40 Prozent sinken.

Rückmeldungen aus Interviews und Fokusgruppen

Zusätzlich zur quantitativen Auswertung wurden 28 Haushalte qualitativ in Fokusgruppen und Einzelinterviews befragt. Dabei sei deutlich geworden, dass der Planungsaufwand anfangs höher gewesen sei. Routen und Alternativen zu organisieren, habe zunächst Zeit benötigt, später hätten sich neue Abläufe jedoch rasch etabliert. Als schwierig seien vor allem Wege zu Zielen außerhalb Wiens beschrieben worden, insbesondere im ländlichen Raum, wo Öffi-Verbindungen mehr Zeit beanspruchen würden.

Teil der Haushalte will Auto verkaufen

Von den 28 qualitativ befragten Haushalten gaben laut den Wiener Linien 15 an, das eigene Auto verkaufen zu wollen oder dies bereits getan zu haben. 13 Haushalte sähen hingegen keine Möglichkeit, den Alltag ohne eigenes Auto zu bewältigen. Als Gründe würden regelmäßige Wege außerhalb Wiens, kleine Kinder im Haushalt oder eine zu geringe Verfügbarkeit von Carsharing genannt. Gleichzeitig habe sich bei vielen ein "Mobilitätsmix" etabliert.

"Bei dieser Wette haben alle gewonnen. Viele der Teilnehmer*innen haben ihr Mobilitätsverhalten sogar nachhaltig geändert und das eigene Auto verkauft", sagte Alexandra Reinagl, Geschäftsführerin der Wiener Linien. Zudem habe sich gezeigt, "wie viel auch ohne Auto-Schlüssel möglich ist" und dass der eigene Pkw "in der Stadt nicht nötig" sei, so Reinagl. 

www.wienerlinien.at

www.boku.ac.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV