Einschätzungen zur US-Politik
Erstes Trump-Jahr: Österreichs CEOs sehen Chancen – bei allen Risiken

Statt Panik dominieren bei den Einschätzungen zur US-Politik in der zweiten Amtszeit von Donald Trump Pragmatismus und strategische Vorsicht. Heimische Unternehmenslenker:innen ordnen die Entwicklungen mit Blick auf ihre Praxis ein – oftmals differenziert und ohne Alarmismus.

Am 20. Jänner 2025 fand die zweite Amtseinführung von Donald Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten statt. Rund um den Globus blickten Politik und Wirtschaft teils mit großer Skepsis auf diesen Neubeginn, geprägt von scharfer Rhetorik und der Frage, wie sich transatlantische Beziehungen und globale Märkte unter einer erneuten Trump-Präsidentschaft entwickeln würden. Doch wie fällt das Urteil der Wirtschaft über das erste Regierungsjahr tatsächlich aus? In Interviews mit 39 internationalen Top-CEOs aus den USA, Europa und Asien zeigt sich ein differenziertes Bild: Die Einschätzungen zur US-Politik fallen überwiegend pragmatisch aus. Trotz scharfer Rhetorik und geopolitischer Spannungen sehen viele Befragte Wachstumschancen statt Bedrohungen. Die Gespräche wurden von der Unternehmensberatung Arthur D. Little für ihren aktuellen "Prism Report" geführt – und zwar noch bevor Venezuelas Präsident Nicolás Maduro in die USA gebracht und in New York einem Richter vorgeführt wurde.

"Wait and See" statt hastige Strategiewechsel

"Sich vor Trump zu Tode zu fürchten, ist nicht nötig", sagt Karim Taga, Managing Partner von Arthur D. Little Austria. Nicht alles, was politisch angekündigt werde, finde schließlich auch Umsetzung – vielfach handle es sich um Symbolpolitik. Insgesamt setzten die Führungskräfte daher auf ein "Wait and See", statt in hastige Strategiewechsel zu verfallen.

Vor allem der US-Markt rücke als Investitionsziel stärker in den Fokus. Der wachsende Energiebedarf durch Energiewende und KI-Rechenzentren schaffe Nachfrage nach neuen Technologien. Taga spricht vom "Eldorado" für Unternehmen, warnt jedoch, Europa müsse strategisch nachziehen. Die USA entwickelten sich zu einem zunehmend autonomen Wirtschaftsraum; heimische Firmen sollten ihren Platz in diesem Ökosystem sichern.

Als Wachstumsfelder gelten NATO-Rüstung, Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, Reindustrialisierung, Luft- und Raumfahrt sowie Nischen wie Green Aviation, Smart Cities oder additive Fertigung.

Österreichische Stimmen im Detail

Österreichische Unternehmenslenker:innen ordnen die Entwicklungen mit Blick auf ihre Praxis ein — oftmals differenziert und ohne Alarmismus.

Andreas Klauser (CEO Palfinger) betont die Dynamik der USA: "Die Innovationskraft und Risikobereitschaft der USA sichern ihnen langfristig technologische Führerschaft und hohe Wachstumsraten." Zugleich brauche Europa mehr strategische Autonomie. Die zunehmende Entkoppelung verlange, so wird er zitiert, nach Initiativen, um Kompetenzen zurückzugewinnen und die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsraums zu sichern.

Wolfgang Litzlbauer (CEO Umdasch Group) verweist auf Kontinuität: "Unabhängig von der jeweiligen Regierung schätzen die USA traditionell Unternehmertum und Leistungsgerechtigkeit." Kurzfristige Zölle schafften zwar Unsicherheit, doch das Unternehmen passe sich an. Langfristig blieben die USA ein zentraler Wachstumsmarkt, in den weiter investiert werde.

Klaus Mader (CEO SBO) sieht in den USA einen "starken Motor für technologische Innovation". Investitionen in zusätzliche Kapazitäten – etwa in Houston – seien Teil einer Strategie, die Chancen auch in neuen Feldern wie Next-Generation-Geothermie oder 3D-Metalldruck nutzen wolle. Damit lasse sich zeigen, wie bestehende Technologien in neue Anwendungen übertragen werden könnten.

Peter F. Mitterbauer (CEO Miba) erinnert daran, dass rund 30 Prozent des Welthandels zwischen USA und EU stattfinden. Diese enge Verflechtung sichere Millionen Arbeitsplätze. Anstatt über politische Rahmenbedingungen zu klagen, gelte es, sich anzupassen: Produziere man vor Ort, könnten Zölle weitgehend abgefedert werden, heißt es.

Langfristige Strategien

In Summe entsteht ein Bild nüchterner Einschätzung. Risiken werden gesehen, doch viele Unternehmen richten den Blick auf Gestaltungsspielräume und konkrete Chancen. Irene Lack-Hageneder (WKO Generalsekretariat/Außenwirtschaft Austria) unterstreicht die langfristige Ausrichtung österreichischer Unternehmen. Diese agierten im Ausland traditionell überparteilich und setzten auf stabile Beziehungen zu Kund:innen. Strategien würden mittel- bis langfristig entwickelt – unabhängig von politischen Zyklen.

www.adlittle.com

Über die Prism-Studie

Der Arthur D. Little Prism Special Report basiert auf Interviews mit 39 internationalen CEOs aus den USA, Europa und Asien. Sie analysiert die strategischen Herausforderungen und Chancen in einer zunehmend regionalisierten und geopolitisch unsicheren Weltwirtschaft.

Download der Studie hier

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Der Arthur D. Little Prism Special Report basiert auf Interviews mit 39 internationalen CEOs aus den USA, Europa und Asien. Sie analysiert die strategischen Herausforderungen und Chancen in einer zunehmend regionalisierten und geopolitisch unsicheren Weltwirtschaft.

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